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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Ein neues Schiff als Statement
Bild: Rolf Otzipka
WINDKRAFT OFFSHORE:
Ein neues Schiff als Statement
Siemens Gamesa und die EnBW haben ein Spezialschiff für die Wartung und den Betrieb des größten deutschen Offshore-Windkraftprojekts vorgestellt - mit klaren Forderungen an die Politik.
 
Michael Westhagemann zeigte sich beeindruckt: „Bei dem Anblick geht mir das Herz auf.“ Hamburgs Wirtschaftssenator hatte es sich trotz vollen Terminkalenders nicht nehmen lassen, der 90 Meter langen Bibby Wavemaster Horizon einen Besuch abzustatten, deren Bau laut Fachkreisen rund 35 Mio. Euro gekostet hat.

In Sichtweite der Elbphilharmonie hatten Siemens Gamesa und Energie Baden-Württemberg (EnBW) am 24. Oktober ihr neues Spezialschiff vorgestellt, das demnächst für einen reibungslosen Betrieb plus die notwendigen Service- und Wartungsaufgaben in den beiden EnBW-Offshore-Windparks Hohe See und Albatros sorgen soll. Mit einer Gesamtleistung von 609 MW sind diese beiden Seekraftwerke mit 87 Windturbinen von Siemens Gamesa mit jeweils 7 MW Leistung, die in enger Nachbarschaft rund 100 Kilometer vor der Küste liegen, das bislang größte Offshore-Windfeld in der deutschen Nordsee. „Ich kann beiden Unternehmen nur danken, dass sie trotz des absehbaren Stillstands beim Ausbau der Offshore-Windenergie in den deutschen Gewässern diese Millioneninvestition getätigt haben.“

Dass sich die Bundesregierung jüngst in ihrem Klimapaket vom bisherigen Ausbaudeckel von 15 000 MW auf See verabschiedet und weitere 5 000 MW bis 2030 beschlossen hat, nannte Westhagemann einen „ersten richtigen Schritt“: „Dabei darf es aber nicht bleiben. Was wir im Interesse der Offshore-Windindustrie brauchen, ist eine verlässliche Planung weit über das nächste Jahrzehnt hinaus.“ Als nächste Zielmarke nannte Hamburgs Wirtschaftssenator eine Kapazität von 30 000 MW bis Mitte der 2030er-Jahre, für die er sich stark machte.
 
Siemens Gamesa und EnBW nehmen im Hamburger Hafen die Bibby Wavemaster Horizon in Betrieb
Bild: otzipka.de

Für ihn ist damit das Ende der Fahnenstange bei Weitem noch nicht erreicht: „Wir in den Küstenländern setzen künftig sehr auf grünen Wasserstoff, weshalb wir große Mengen an Offshore-Windstrom brauchen.“ Mit der zunehmenden Wasserstoffnutzung, so Westhagemann, werde ein bisheriges Hindernis für den dynamischen Windkraftausbau auf See aus dem Weg geräumt: „Wir sind nicht mehr auf die Verfügbarkeit neuer Netze angewiesen. Dank der Herstellung von Wasserstoff sind wir nicht mehr davon abhängig, ob die großen Transportleitungen nach Süddeutschland gebaut beziehungsweise rechtzeitig fertig werden.“

Westhagemanns Forderungen fanden die volle Unterstützung von Marc Becker, Geschäftsführer von Siemens Gamesa Renewable Energy: „Es wäre ein wichtiges industriepolitisches Signal, wenn sich die Bundesregierung entschließen könnte, die Offshore-Windkraftleistung ab 2026 bis 2035 jedes Jahr um 2 000 MW zu erhöhen.“ Das wären dann genau die 35 000 MW Leistung, die auch der Hamburger Wirtschaftssenator gefordert hatte.

EnBW drängt auf schnelle gesetzliche Klarheit

Sozusagen stellvertretend für die heimische Offshore-Windbranche drängte Becker auf eine schnelle Gesetzesverabschiedung des Klimapakets: „Je schneller wir gesetzliche Klarheit über die zusätzlichen 5 000 Megawatt haben, desto besser.“ Die damit verbundenen Projekte dürften aber nicht erst in den Jahren 2029 und 2030 gebaut werden: „So lange können wir sicherlich unsere Fachleute nicht halten.“ Am Standort Hamburg und im Produktionswerk Cuxhaven beschäftigt Siemens Gamesa nach eigenen Angaben rund 2 000 Mitarbeiter für das Offshore-Windsegment.

Wie Becker zeigte sich auch Stefan Kansy, Leiter Neubauprojekte bei EnBW, angetan von dem neuen Serviceschiff: „Was Besseres finden Sie derzeit nicht auf dem Markt; das wid uns bei der weiteren Kostensenkung für die Offshore-Windenergie sicherlich wieder ein Stück voranbringen.“ Gemeinsam hatten EnBW und Siemens Gamesa den Bau der Bibby Wavemaster Horizon beauftragt. „Die Erfahrungen, die wir beim Einsatz des Schiffes in unseren ersten beiden Nordsee-Projekten gewinnen, fließen in unser nächstes Projekt He Dreiht ein.“ Heimathafen der Bibby Wavemaster Horizon wird Emden werden, wo EnBW ein neues Servicenter für ihre Offshore-Windparks baut.
 
Inbetriebnahme des Spezial-Schiffs Bibby Wavemaster Horizon mit (v.l.n.r.) Marc Becker, Geschäftsführer Siemens Gamesa Renewable Energy GmbH & Co. KG, Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg, Andreas Wagner, Geschäftsführer Stiftung Offshore und Stefan Kansy, Leiter Neubauprojekte bei der EnBW
Bild: EnBW

Kansy ließ gegenüber E&M keinen Zweifel daran, dass EnBW diesen mit einer Leistung von 900 MW größten deutschen Offshore-Windpark ab 2025 auch wirklich bauen wird. EnBW hatte im Frühjahr 2017 bei der ersten deutschen Ausschreibung den Zuschlag für He Dreiht mit einem Null-Cent-Gebot erhalten. Nach dieser für die gesamte europäische Offshore-Windbranche neuen Entwicklung hatte es eine Zeitlang kritische Stimmen gegeben, ob EnBW allein auf Basis der Börsenstrompreise das Riesenprojekt stemmen und betreiben könnte. Die Botschaft ist klar: He Dreiht kommt. Dann könnte es gut sein, dass die Bibby Wavemaster Hoirzon auf in diesem Offshore-Windpark Service- und Wartungsaufgaben übernimmt. Denn Hohe See, Albatros und He Dreiht liegen alle im gleichen Ausbaucluster.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 24.10.2019, 15:04 Uhr

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