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Bild: sdecoret / Fotolia
STROMSPEICHER:
Bringt organischer Redox-Speicher den Durchbruch?
Der Spezialist für Redox-Flow-Batterien, „CMBlu“, will mit dem Autozulieferer Schaeffler eine neue Speichertechnologie auf den Markt bringen: Organic Flow.
 
Zusammen mit Forschungsgruppen deutscher Hochschulen hat CM Blu die Organic-Flow-Technologie in den vergangenen fünf Jahren zur Prototypenreife entwickelt. Mit Schaeffler will das Unternehmen jetzt großtechnische Energiespeicher herstellen. Ziel sei es, weltweit einen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende zu leisten, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Unternehmen.

Der Unterschied zu anderen Batteriespeichern ist bei der Redox-Flow-Technik allgemein die Trennung zwischen Stromwandler und Stromspeicher. Über sogenannte Stacks wird die Energie aufgenommen oder abgegeben. Die Speicherung erfolgt in einer Elektrolytlösung in Tanks. Bisher wurden dazu metallbasierte Flüssigkeiten verwendet.

Bei der neuartigen Organic-Flow-Technik kommt als Speichermedium der pflanzliche Naturstoff Lignin, der Bestandteil aller Pflanzen ist, zum Einsatz. In der Zellstoff- und Papierherstellung fällt er als Abfallprodukt im Millionen-Tonnen-Maßstab an und kann damit als dauerhaft verfügbare und preiswerte Quelle für die großtechnische Energiespeicherung gelten.

Die bisherigen Vanadium-Verbindungen in den Elektrolyten der Redox-Speicher hatten einige Nachteil: Das Material ist teuer, es steht nicht in großen Mengen zur Verfügung, und außerdem gelten die Verbindungen als chemisch instabil. Das alles ist bei Organic-Flow kein Thema: Es werden keine seltenen Erden oder Schwermetalle benötigt und die Materialien sind nicht brennbar.

Damit können die Anlagen nach Angaben von CM Blu sehr sicher und günstig betrieben werden. Darauf weist auch Vorstand Peter Geigle hin: „Wir nutzen unbegrenzt nachwachsende Ressourcen und ermöglichen damit sehr große und kosteneffiziente Energiespeichersysteme“, betonte er. Nahezu die vollständige Wertschöpfungskette für die Batterien könne lokal abgedeckt werden, heißt es außerdem.

Bei Schaeffler spricht man von einem innovativen Technologiefeld, das perfekt in die Unternehmensstrategie „Mobilität für morgen“ passe. Die nächsten Schritte von CM Blu umfassen den Aufbau einer vollständigen Lieferkette für alle Kernkomponenten im Batteriesystem. Eine Prototypenfertigung wurde am Standort Alzenau (Bayern) bereits eingerichtet. Auch gibt es schon Verträge mit Referenzkunden, um Pilotprojekte zu realisieren. Ab 2021 sind die ersten kommerziellen Systeme geplant.

Für Redox-Flow-Batterien gibt es im Stromnetz vielfältige Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise als Zwischenspeicher für erneuerbare Energien oder bei der Glättung von Lastspitzen in Industriebetrieben. Auch als Pufferspeicher zur Entlastung von Mittelspannungsnetzen, die dann nicht aufgerüstet werden müssen, können sie verwendet werden. Im Übrigen ist man bei den Projektpartnern überzeugt, dass ein dezentralisiertes Ladenetz für Elektrofahrzeuge nur mit diesen leistungsfähigen und skalierbaren Energiespeichern möglich ist.

CM Blu beschäftigt 70 Mitarbeiter und gilt als eines der führenden Unternehmen im Bereich Organic-Flow-Speicher. Am Firmensitz in Alzenau in der Nähe von Frankfurt befindet sich eines der weltweit größten Forschungs- und Entwicklungszentren für Organic-Flow-Batterien.

Die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach (Bayern) ist ein global tätiger Automobil- und Industriezulieferer. Mit weltweit 92 000 Mitarbeitern an 170 Standorten in 50 Ländern sowie einem Jahresumsatz von 14 Mrd. Euro 2017 ist Schaeffler eines der weltweit größten Familienunternehmen.
 

 
 

Günter Drewnitzky
© 2018 Energie & Management GmbH
Freitag, 30.11.2018, 15:26 Uhr

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