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Enerige & Management > Interview - Suschowk: "Messen schafft Bewusstsein"
Bild: Fotolia.com, iQoncept
INTERVIEW:
Suschowk: "Messen schafft Bewusstsein"
Mit Holger Suschowk, Managing Director des Energy-Efficiency-Geschäfts von Techem, sprach E&M über das Verbinden von Effizienz und digitaler Infrastruktur.
 
E&M: Herr Suschowk, Techem ist vor allem als Messdienst- und Energiedienstleister bekannt. Nun will das Unternehmen künftig ‚ganzheitliche Lösungen‘ anbieten − was meinen Sie damit?

Suschowk: Wir sind als Traditionsunternehmen nicht nur im Geschäft für Messdienstleistungen aktiv, sondern auch im klassischen Contracting − und das macht uns am Markt einzigartig. Diese beiden Kompetenzen wollen wir verstärkt zusammenbringen. Wir setzen hierbei massiv auf Quartierkonzepte, weil wir überzeugt sind, dass tatsächliche Klimaneutralität im Gebäudebestand allein in einer Immobilie nicht immer wirtschaftlich erreicht werden kann.

E&M: Wie muss man sich das vorstellen?

Suschowk: Der erste Schritt, den wir gegangen sind, war, dass wir nicht mehr nur den Keller im Contractinggeschäft in den Fokus nehmen, sondern das ganze Versorgungssystem der Immobilie. Wir optimieren also sowohl die Erzeugung als auch die Verteilung bis hin zur Übergabe der Wärme an die Mieter. Im zweiten Schritt wollen wir verstärkt Quartierkonzepte in den Blick nehmen − wir werden also die Energieerzeugung für die Quartiere ergänzen durch die Energieverteilung und die Verbrauchserfassung sowie durch die Optimierung des Gesamtsystems in den einzelnen Gebäuden. Dabei können wir schon heute auf eine meiner Ansicht nach am Markt einzigartige digitale, spartenübergreifende Infrastruktur und ein langjähriges Know-how in der Analyse energetischer Daten zurückgreifen.

E&M: Welche Vorteile hat das für Ihre Kunden?

Suschowk: Wir beobachten, dass unsere Kunden, vor allem aus der Immobilienwirtschaft, bereits heute Schnittstellen sind von Megatrends wie der Digitalisierung, Urbanisierung oder Nachhaltigkeit. Außerdem achten unsere Kunden mittlerweile viel mehr darauf, CO2 einzusparen. Durch unsere Erfahrungen in der Funktion von Heizungsanlagen und die nahezu flächendeckende Funkinfrastruktur sieht sich Techem gut aufgestellt, Lösungen anzubieten, die die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden optimieren und die Gesamt-CO2-Emission minimieren.

E&M: Was zeichnet die digitale Infrastruktur bei Techem aus?

Suschowk: Bei unserer digitalen Infrastruktur können wir zum einen auf die eigene Gerätetechnik mit offenen Schnittstellen setzen und zum anderen haben wir zugleich auch viel Erfahrung mit der Massendatenverarbeitung. Wir haben als einer der Ersten auf die digitale Infrastruktur gesetzt und entwickeln seit mehr als 20 Jahren innovative, funkgestützte Wärmeerfassungslösungen. Bereits heute liegt unsere Funkquote bei nahezu 80 Prozent. Dadurch haben wir viele Geräte im Feld, können Daten gezielt verarbeiten und die richtigen Dienstleistungen für unsere Kunden ableiten. Wir haben mit dem Techem Smart Monitor zudem eine Lösung, die die 100-prozentige Überwachung der Parameter im Heizraum sicherstellt. Das garantiert auch eine hohe Effizienz der Anlage.

E&M: Inwieweit?

Suschowk: Bereits jetzt können wir mit dem Techem Smart Monitor in Echtzeit von einem Leitstand auf viele Anlagendaten zugreifen mit dem Ziel, den Anlagenzustand darzustellen. Dadurch lassen sich bis zu 20 Prozent Endenergie einsparen. Perspektivisch wird auch eine aktive Steuerung und Optimierung der Anlage in Echtzeit möglich sein. Die zustandsabhängige Planung von Wartungsarbeiten zur Vermeidung von Betriebsstörungen, auch bekannt als Predictive Maintenance, gehört da auch dazu − hier setzen wir derzeit einen klaren Fokus bei der Forschung und Entwicklung. Im Idealfall lässt sich − auch mithilfe von KI − künftig ein Störfall im Vorfeld an den Daten erkennen und vermeiden, sodass es beim Kunden zu keinem Ausfall kommt.

E&M: Apropos Kunde: Nun haben Sie die Immobilienwirtschaft als Kunde. Aber vor allem Mieter sind ja diejenigen, die einen großen Einfluss beim Verbrauch haben. Wie ist hier der Ansatz?

Suschowk: Wir glauben, dass der Nutzer auch in Zukunft miteinbezogen sein muss, und das viel stärker als heute. Unsere Erkenntnis aus vielen Jahren ist: ‚Messen schafft Bewusstsein‘. Daher ist unser Ansatz, den Nutzern noch stärker mit Verbrauchsinformationen auch unter dem Jahr zu versorgen. Wir haben hier jetzt schon eine flächendeckende Infrastruktur zur Verfügung, um das auch tun zu können. Weitere Werkzeuge für den Nutzer sind sicherlich Smart-Home-Anwendungen, damit er digital unterstützt seine Verbräuche im Blick hat. Letztendlich dürfen Endverbrauchern keine Mehrkosten aufgrund von Effizienzmaßnahmen entstehen.

„Die Klimawende gewinnen wir nicht im Neubau, sondern im Bestand“

E&M: Sie haben anfangs gesagt, Techem setzt vermehrt auf ganzheitliche Quartierlösungen. Welche Technologien spielen dabei eine Rolle?

Suschowk: Wir sind grundsätzlich technologieoffen. Unser Ziel ist es ja, maßgeschneiderte Lösungen für den Kunden zu entwickeln. Bislang dominieren bei Immobilien fossile Energien wie Gas und Öl, auch weil sich BHKW-Lösungen für einzelne Wohnungen in der Vergangenheit nicht als wirtschaftlich herausgestellt haben. Wir sehen da allerdings eine starke Entwicklung hin zu effizienteren Technologien. Wir betreiben momentan 200 Blockheizkraftwerke bundesweit und haben derzeit 65 weitere BHKW in der Planung. Aber die Klimaziele, die sich Deutschland gesetzt hat, werden wir nur erreichen, wenn wir zu einer Abkehr der fossilen Energien kommen. Daher beschäftigen wir uns auch intensiv mit Technologien wie Wärmepumpen, Brennstoffzellen, lokaler Erneuerbaren-Erzeugung wie Solarthermie und Photovoltaik sowie Speichermedien. Und wir beziehen die Stromseite mit ein ...

E&M: ... deshalb ist Techem ins Smart-Metering-Geschäft eingestiegen, oder?

Suschowk: Genau, wir sind in das Geschäft des wettbewerblichen Messstellenbetreibers eingestiegen. Wir betrachten als Dienstleister nicht mehr nur die Wärmeseite, sondern auch die Stromseite, um eben durch die spartenübergreifende Verbrauchserfassung den CO2-Fußabdruck von Gebäuden weiter zu minimieren. Da Erneuerbare bisher nur begrenzt zur Verfügung stehen, arbeiten wir bei Techem unter dem Motto ‚Energy Efficiency First‘. Ziel ist es, nur die Energie zur Verfügung zu stellen, die tatsächlich benötigt wird. Grundlage dafür ist eben hierfür die digitale Infrastruktur und langjähriges Know-how in der Analyse energetischer Daten.

E&M: Wo sehen Sie die größte Herausforderung?

Suschowk: Was wir als Herausforderung sehen, ist, dieses Know-how kombiniert mit dem Messstellenbetrieb nun verstärkt in Bestandsimmobilien zu bringen. Unsere Kompetenzen haben wir in den vergangenen Jahren vorwiegend in Neubauprojekten aufgebaut. Die Klimawende gewinnen wir aber nicht im Neubau, sondern im Bestand. Da bringen wir die Kompetenzen aus den Neubauten mit und kombinieren sie mit dem Messstellenbetrieb und unserer digitalen Infrastruktur. Hier müssen wir verstärkt ran, um den Gebäudebestand bis 2050 tatsächlich klimaneutral zu machen.

E&M: Nun ist Techem als Energiedienstleister auch vom regulatorischen Rahmen abhängig. Glauben Sie, dass die alte Regierung noch Vorhaben in den nächsten sechs Monaten umsetzt?

Suschowk: Mit der Verabschiedung des EEG und auch der neuen Förderung BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude; d. Red.) sind jetzt zum 1. Januar für uns wesentliche politische Neuerungen in dieser Legislaturperiode erfolgt. Allerdings werden trotz guter Ansätze beim EEG immer noch zu häufig die Energiedienstleister gegenüber der Eigenversorgung benachteiligt. Da hoffen wir, dass dies endlich angegangen wird. Das würde sehr helfen. Aber das sehe ich eher in einer neuen Legislaturperiode. E&M

 
Holger Suschowk: „Unser Ziel ist es, maßgeschneiderte Lösungen für den Kunden zu entwickeln“
Bild: Techem/Oliver Roesler

Zur Person
Holger Suschowk ist seit dem 15. Oktober 2016 bei Techem. Dort ist er Managing Director des Energy-Efficiency-Geschäfts. Suschowk war vor seinem Wechsel zu Techem Geschäftsführer der Vonovia Modernisierungs GmbH. Zuvor sammelte der Diplom-Wirtschaftsingenieur Erfahrungen in der Immobilien- und Energiedienstleistungsbranche unter anderem als Geschäftsführer der GAGFAH Facility Management GmbH.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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