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BILANZ:
Gasag plädiert weiter für Erdgasmobilität
Die Gasag zeigt sich enttäuscht darüber, dass Erdgasmobilität in den Verkehrsplanungen Berlins weiter kaum eine Rolle spielt. Mit seinem Vertriebsgeschäft ist das Unternehmen zufrieden.
 
Die Gasag begrüßt, dass die Ökomobilität in der Stadt „in breitem Umfang diskutiert wird“, sagt Rainer Knauber, Kommunikationschef des Berliner Energieversorgers. Nach Ansicht des Unternehmens wäre es jedoch auch in Berlin sinnvoll, dabei „die schnell verfügbaren Potenziale der Erdgas-Mobilität stärker in den Blick zu nehmen“. Im Kontext der Diskussion über Luftreinhaltung und Stickoxide werde eine Verengung der Diskussion auf Elektromobilität nicht zu befriedigenden und schnellen Ergebnissen führen, kommentiert das Unternehmen den am 18. Januar vom Berliner Senat verabschiedeten Zehn-Punkte-Plan für saubere Luft.

Ein Wechsel von einem Diesel auf ein Erdgasauto kann den Ausstoß von Stickoxiden um 90 % reduzieren, die Feinstaubemissionen sogar um 99 %. Das Angebot an sofort verfügbaren Erdgasautos wächst, die insgesamt 24 Erdgastankstellen in Berlin könnten kurzfristig bis zu 10 000 weitere Fahrzeuge mit Erdgasantrieb versorgen, heißt es bei der Gasag. Doch die Zahl der in der Hauptstadt angemeldeten Erdgasautos ging im letzten Jahr von mehr als 3 700 auf 3 500 zurück.

Und auch die Stadtregierung zeigt wenig Willen, die klaren Vorteile von Erdgas als Kraftstoff zu nutzen. Der Senat setzt in seinem aktuellen Zehn-Punkte-Plan für saubere Luft überwiegend auf Elektromobilität, also auf Austausch von Taxis, kommunalen Dienst- und Versorgungsfahrzeugen sowie Nahverkehrs-Bussen mit Verbrennungsmotoren gegen Elektrofahrzeuge, Erdgasfahrzeuge bleiben dabei weitgehend außer Betracht. „Der Senat prüft, wie die Einbeziehung von gasbetriebenen Fahrzeugen in das Förderspektrum als Zwischenlösung in begründeten Ausnahmefällen sinnvoll sein kann“, heißt es in dem Papier. Im Klartext bedeutet das, dass sie eigentlich nicht in Frage kommen.

Bei der Gasag hält man das, insbesondere auch im Hinblick auf die Busse für städtischen Nahverkehr, für einen Fehler. Der Verzicht auf Erdgas bedeute, schnell wirkende Übergangslösungen für den Verkehr nicht zu nutzen, so das Unternehmen. „Der politische Mainstream setzt auf Elektromobilität“, kritisiert auch Vera Gäde-Butzlaff, die im Februar aus dem Amt scheidende Vorstandsvorsitzende der Gasag. „Wir würden uns dagegen über mehr Technologieoffenheit freuen.“

Auch Elektromobilität bietet Chancen

Der Einsatz für Erdgasmobilität – die Gasag hat in der Vergangenheit stark in diesen Bereich investiert und betreibt elf der 24 Erdgastankstellen in der Stadt – heißt für den Energieversorger jedoch nicht, die Chancen der Elektromobilität links liegen zu lassen. Auf „großes Interesse“ sei das im September letzten Jahres in Kooperation mit Daimler gestartete Gasag Leasing-Angebot für Elektro-Smarts gestoßen, berichtete Gäde-Butzlaff vor Journalisten in Berlin.

Insgesamt seien 300 Anfragen eingegangen, im ersten Schwung sollen 100 der in Gasag-Farben lackierten Elektroautos auf die Straße gebracht werden und in der Hauptstadt für das Unternehmen werben.

Im traditionellen Vertriebsgeschäft blickt das Unternehmen auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurück. Allein im November letzten Jahres seien 20 000 neue Kunden gewonnen worden, so die Vorstandsvorsitzende. Dieser Monat sei im Vertrieb der erfolgreichste in der 140-jährigen Gasag Geschichte gewesen. Sehr gut angenommen wird weiter das 2013 aufgelegte Ökostromangebot.

Insgesamt kam die Gasag-Gruppe – dazu zählen auch Tochterunternehmen wie die Potsdamer EMB und die Stadtwerke Forst – Ende 2017 auf etwa 700 000 Strom- und Gaskunden. Erstmals seit Beginn der Liberalisierung seien auch wieder mehr neue Gaskunden gewonnen als verloren worden.

Gäde-Butzlaff führt den Erfolg auf eine eingespielte Vertriebsmannschaft, gute Vertriebspartner und eine starke regionale Verankerung der Marke Gasag zurück. Auch der modernisierte Unternehmensauftritt habe dazu beigetragen. Immer wichtiger für einen Energiedienstleister werde aber der richtige Mix im Angebot, meint sie.

Die Gasag selbst habe in den letzten Jahren nicht nur in die Optimierung ihres Gas- und Stromvertriebs, sondern auch in den Bau von Windkraftwerken, Photovoltaik- und Biogasanlagen sowie in das Dienstleistungs- und Contractinggeschäft investiert. Und diese Diversifizierung soll so weitergeführt werden. Insgesamt plane der Berliner Versorger für die nächsten drei Jahre Investitionen von 120 Mio. Euro per anno, so Gäde-Butzlaff abschließend.
 

Peter Focht
Redakteur
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Freitag, 19.01.2018, 17:23 Uhr

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