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Enerige & Management > Contracting - Contracting-Modell für ein Quartier am Wald
Bild: Rainer Geue
CONTRACTING:
Contracting-Modell für ein Quartier am Wald
Ein Mehrgenerationenquartier in Worpswede wird zentral mit Wärme versorgt. Beim Bau wurde die Energieverteiltechnik- und TK-Infrastruktur parallel verlegt − innerhalb kürzester Zeit.
 
Worpswede ist eine Künstlergemeinde nordöstlich von Bremen. Das neue „Quartier am Wald“ setzt auf Holzständerbauweise bei den Gebäuden. Der angrenzende Wald ist außerdem mit dem Quartier verbunden und soll allen Bewohnern − Jung und Alt − eine hohe Lebensqualität bieten.

Im Norden befindet sich außerdem eine Grünfläche. Im vergangenen Jahr ist die zentrale Energieversorgung des Mehrgenerationenquartiers installiert worden. EWE hat die Anlage über ein Wärmecontracting geplant, gebaut und finanziert. Der Dienstleister wird die Versorgungsanlagen auch die nächsten 20 Jahre betreuen und betreiben. Das Energiekonzept hat EWE mit dem Bauherren TWG Triangel Worpswede GmbH und dem Hamburger Architekturbüro Störmer Murphy and Partners erarbeitet.
 
Der Trassenbau in Worpswede wurde sehr schnell umgesetzt. Möglich waren die kurzen Bauzeiten wegen der parallelen Verlegung von Gas- und Nahwärmeleitungen
Bild: EWE
 
An die zentrale Versorgung über ein Inselnahwärmenetz angeschlossen sind eine Seniorenresidenz, eine Kindertagesstätte, ein Friseur, ein Backshop sowie sieben neu errichtete Mehrfamilienhäuser mit 28 Wohnungen, sechs Reihenhäuser und 16 Doppelhaushälften. Die technischen Anlagen sind seit Mai 2019 in Betrieb. Basierend auf den Anforderungen an die Energieerzeugung, Wärme nicht nur wirtschaftlich, sondern auch mit einem niedrigen Primärenergiefaktor zu liefern, fiel die Wahl auf ein Energiekonzept mit Blockheizkraftwerk. „Gefordert war ein Primärenergiefaktor von 0,7. Durch die eingesetzte Technik liegt er in dem Quartier nun bei 0,55“, sagt Wilfried Blume, technischer Projektleiter bei EWE.

Kombination aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlage und Gasbrennwertsystem

Im Keller der Seniorenresidenz hat EWE die Heizzentrale eingerichtet. Die Wärmeerzeugung erfolgt hauptsächlich über ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk mit 50 kWel und bis zu 100 kWth. „Aufgrund der Lage der Heizzentrale in der Seniorenresidenz haben wir uns für ein sehr leises BHKW des Herstellers KW Energie entschieden“, sagt Blume. Zudem seien extra Schalldämpfer in die Abluftstrecke mit eingebaut worden. Der BHKW-Strom versorgt das Seniorenheim, der Überschuss wird ins Netz gespeist. Zur Laufzeitoptimierung werden Pufferspeicher genutzt. „Das BHKW läuft somit rund 5.500 Vollbenutzungsstunden im Jahr“, erklärt Blume. Eine Doppelkesselanlage von Buderus (KB 372) mit bis zu 560 kW Leistung befindet sich ebenfalls in der Heizzentrale.

Die Verteilung der Wärme erfolgt über ein Nahwärmenetz, bestehend vorwiegend aus Doppelrohr. Die anfallenden Wärmeverluste des hohen Vorlaufs von rund 75 Grad Celsius werden teilweise im Rücklauf mit etwa 50 Grad Celsius aufgefangen; der gesamte Netzverlust wird dadurch minimiert. EWE verlegte rund 950 Trassenmeter und ebenso die Telekommunikationsinfrastruktur. Hier war vor allem das kleine Zeitfenster herausfordernd. „Innerhalb einer Woche konnten wird die Trassenarbeiten der Energie- und TK-Infrastruktur umsetzen. Möglich wurde die kurze Bauzeit durch die parallele Verlegung der Gas- und Nahwärmeleitungen“, so Blume. Die Wärme wird von der Heizzentrale aus über zwei Stränge zu den Gebäuden verteilt.

Energie, Glasfaser und Ladetechnik für neues Quartier

Je nach Größe der Gebäude wurden die entsprechenden Hausübergabestationen mit den Trinkwarmwasserspeichern installiert. Die Regelung des Volumenstroms in den Trassen erfolgt bedarfsgerecht. Hier messen Drucksensoren an den Stationen im letzten Gebäude eines jeden Stranges den Differenzdruck und geben die Information über die zentrale Steuerung an die Pumpen weiter. „Diese regulieren den Volumenstrom nach, sodass im ganzen Strang die Wärme zur Verfügung steht, die aktuell benötigt wird − nicht mehr und nicht weniger“, erklärt der technische Projektleiter Blume. „Der Wärmeverlust in der Trasse wird so gering wie möglich gehalten.“
 
Die Heizzentrale ist im Keller der Seniorenresidenz untergebracht. Daher wurde auf ein sehr leises BHKW von KW Energie gesetzt
Bild: Rainer Geue

Die zusätzliche Glasfaserverkabelung bietet Up- und Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde. Mit zum EWE-Konzept gehören außerdem zwei Wallboxen zum Aufladen der hauseigenen Elektrofuhrparkflotte des Seniorenwohnheims und der E-Autos und E-Bikes der Quartiersbewohner.
Insgesamt sei die Planung und Ausführung mit allen Gewerken Hand in Hand gegangen, sodass innerhalb eines Jahres das Areal erschlossen und bebaut werden konnte. Blume: „Der Einzug der ersten Bewohner erfolgte nach knapp einem Jahr.“ Der Beginn der Bauarbeiten war im August 2018 und in Betrieb gegangen ist die Anlage im Mai 2019.
 

Heidi Roider
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Dienstag, 26.01.2021, 09:15 Uhr

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