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Enerige & Management > Contracting - Contracting für Pflegeeinrichtungen
Bild: EWE, Rainer Geue
CONTRACTING:
Contracting für Pflegeeinrichtungen
Der Contractingdienstleister EWE hat mit der Specht Gruppe ein Wohnprojekt in Oldenburg realisiert. Ein Großteil der benötigten Energie stammt von einer KWK-Anlage.
 
In Oldenburg ist die Seniorenresidenz Alexandersfeld mit rund 70 stationären Pflegeplätzen entstanden. Die Specht Gruppe ist ein bundesweit tätiger Entwickler für Pflegeimmobilien. Die passgenaue Energietechnik hat EWE über einen energie- und ressourcensparenden Wärmecontractingvertrag umgesetzt − eines von mehreren gemeinsamen Wohnprojekten für Senioren. Neben Einzelzimmern bietet die neue Seniorenresidenz sowohl Komfortzimmer als auch Pflegesuiten an. Zudem ist ein spezieller Demenzbereich geplant.

Für Frank Markus, Geschäftsführer der Specht Gruppe, waren drei Aspekte besonders wichtig, um auf Contracting zu setzen: „Einerseits können wir die Kosten beim Bau moderat halten und langfristig mit konstanten Energie- und Betriebskosten kalkulieren. Andererseits leisten wir durch den Einsatz moderner, effizienter Technik einen Beitrag für den Klimaschutz. Und letztlich bekommen die Pflegeeinrichtungen durch die komplette Übernahme des Betriebs der technischen Anlagen durch unseren Partner EWE und durch den professionellen Support die Möglichkeit, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren.“

Wesentlicher Bestandteil des gemeinsamen Projekts ist die Kombination aus einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (BHKW) des Herstellers RMB Energie mit einer elektrischen Leistung von 16 kW und einer thermischen von 38 kW und einer Gasbrennwertanlage von Wolf mit einer Leistung von 260 kW, aufgeteilt auf zwei Kessel. Der Baubeginn war im Juli 2020, die Abnahme durch EWE erfolgte im Mai 2021.

Besonderes Augenmerk haben die EWE-Ingenieure auf den von dem Auftraggeber Specht Gruppe gewünschten Primärenergiefaktor gelegt. Dieser wurde im Zusammenspiel von Gasbrennwertkesseln und BHKW und deren Laufzeiten ermittelt. Da die gesamte energietechnische Anlage die EWE als Contractor finanziert, entlastet das die Specht Gruppe bei der Gebäudeerrichtung. Der Vertrag läuft 15 Jahre. Die EWE kümmert sich vollumfänglich um die installierte Wärmeerzeugungstechnik sowie um die Wärme- und Strombelieferung.

Eigener Strom vom Dach und aus dem Heizungskeller

Etwa 72 % Wärmeenergie gewinnt nach Auskunft von EWE die Seniorenresidenz aus der KWK. Hinzu kommen 80.000 kWh Strom, der im BHKW erzeugt und direkt vor Ort genutzt werden. Weitere 25.000 kWh Strom jährlich erzeugt eine Photovoltaikanlage mit 92 Modulen von JA Solar. „Wir haben die Anlage mit zwei Wechselrichtern passend für die Situation vor Ort und für den Energiebedarf der Bewohner der Seniorenresidenz zusammengestellt“, so Claas Marquardt, Key Account Manager Wohnungswirtschaft beim Energiedienstleister EWE. Insgesamt ist die Energietechnik hocheffizient. Der Primärenergiefaktor liegt bei einem Wert von nur 0,7 und sei ein Beleg für das extrem energiesparende Gesamtkonzept.

In Senioren- und Pflegeeinrichtungen ist der Schutz vor Legionellenbildung bei der Bereitstellung von erwärmtem Trinkwasser eine zwingende hygienische Anforderung. „Dies gewährleisten wir durch den Einsatz von innovativer Technik“, erläutert Claas Marquardt. Ein Pufferspeicher von Kosmo versorgt die Frischwasserstation der Residenz. Das Wasser hat eine ständige Temperatur von 60 Grad Celsius, sodass die Bildung von Legionellen vermieden wird. „Der Vorteil eines solchen Pufferspeichers besteht darin, zu Stoßzeiten, also morgens und abends, über die Frischwasserstation immer die entsprechende Trinkwarmwasserleistung zur Verfügung stellen zu können“, erläutert der EWE-Fachmann. Dadurch ist eine Speicherung des Brauchwassers nicht erforderlich, was die Warmwasserbereitung sehr hygienisch macht.

Die sichere Versorgung der Bewohner rund um die Uhr ist das A und O. Da jede Technik auch einmal kaputtgehen kann, sorgt eine multifunktionale Datenschnittstelle (MFD) für ein optimales Störungsmanagement. „Wir bekommen Störmeldungen der Technik durch den Einsatz von MFD sofort mit und können unmittelbar darauf reagieren“, berichtet Marquardt. An die Technik sind die Rauchmelder und die Temperaturüberwachung für die Trinkwassererwärmung genauso angeschlossen wie die Gaswarner des Blockheizkraftwerks und alle Wärmemengenzähler. Neben der wichtigen sofortigen Störfallmeldung reduziert die Datenschnittstelle auch Betriebskosten.

Angeschlossen ist die Technik an die Störmeldezentrale des Netzbetreibers EWE Netz. Eine Schadensbehebung ist dadurch schnell und unkompliziert möglich. Marquardt: „Optimal ist vor allem, dass wir oft schon reagieren können, bevor unsere Kunden den Ausfall der Heizung überhaupt mitbekommen haben. Das weiß auch die Specht Gruppe zu schätzen.“

 
Für die Energieversorgung der Seniorenresidenz Alexandersfeld hat EWE eine Kombination aus Gasbrennwertsystem und hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplungsanlage für die gleichzeitige Strom- und Wärmeproduktion errichtet
Bild: EWE/Rainer Geue
 
Informationen zur Technik:
Stromerzeugung:
  • 92 PV-Module vom Typ JA Solar JAM 60S09 325Wp
  • 2 Wechselrichter SMA STP 15000TL-30
Wärmeerzeugung mit gekoppelter Stromerzeugung:
  • Brennwertkessel
  • BHKW mit Zu- und Ablufttechnik
  • Multifunktionale Datenschnittstelle MFD
  • Heizkreispufferspeicher versorgt Frischwasserstation
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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