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Bild: Contracting Award 2012 Bild E&M
CONTRACTING:
Contracting-Award: Die Bewerber 2018
Am 17. April wird in Frankfurt der Contracting Award verliehen. Wir stellen die Bewerber für die Energieeffizienzdienstleistung in alphabetischer Reihenfolge vor.
 
Alle zwei Jahre bitten die AGFW, der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK, und E&M gemeinsam um besonders gelungene Beispiele für Energiedienstleistungen. Prämiert wird der Sieger des Contracting Award mit einer Bronzeskulptur des Bildhauers Robert Harbauer, ein zweiter und ein dritter Platz werden ebenfalls ausgelobt.

Gesucht wird ein herausragendes Contractingprojekt, das zwischen 2015 und 2017 verwirklicht wurde und das im mittleren Leistungsbereich ab 500 kWth und 250 kWel Primärenergie durch Kraft-Wärme-Kopplung, Abwärme- oder Mehrfachnutzung besonders effektiv einsetzt.

Beworben haben sich in diesem Jahr mit ihren Projekten insgesamt neun Teilnehmer, die wir hier in alphabetischer Reihenfolge vorstellen.
 
Alois Müller, Memmingen
Der Anlagenbauer baut derzeit seine Produktionskapazitäten am Standort Ungerhausen im Unterallgäu aus. Dabei errichtet er auch eine Energiezentrale mit BHKW, Pelletkessel, Erdgaskessel und eine PV-Anlage mit 1,1 MW. Installiert werden 2,4 MW thermische Leistung und 600 kW Kälteleistung. Außerdem deckt eine zentrale Druckluftanlage den Bedarf für die Produktion. Der Kompressor wird mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet, die nochmals 26,5 kW Wärme in eine Fernwärmeleitung einspeist.
 
Aus der Energiezentrale von Alois Müller sollen auch die Nachbarn im Gewerbegebiet versorgt werden 
Bild: Marco Lambart, Alois Müller

Das Unternehmen will die hier produzierte Energie nicht nur für den eigenen Bedarf nutzen, sondern sie auch den Nachbarn im neuen Gewerbegebiet zur Verfügung stellen. Dazu betreibt das Tochterunternehmen von Alois Müller, die „e-con AG“, ein Hoch- und Niedertemperaturnetz für die Wärmeverteilung. In Abstimmung mit dem Landkreis und den jeweiligen Eigentümern wurden die Nachbargrundstücke für einen Anschluss an diese Wärmenetze vorbereitet.

Das eigene neue Produktions- und Verwaltungsgebäude, die „Green Factory 2.0“, bekommt seinen Strom über die Photovoltaikanlage (zu 90 %) und über das BHKW. Die laufenden Energiekosten und der CO2-Ausstoß sollen dadurch auf null sinken. Wenn die Anlagen mehr Strom produzieren, als der Betrieb selbst verbrauchen kann, geht dieser in das öffentliche Stromnetz.
 
EnBW, Stuttgart
Einen Energieverbund für die Versorgung mit Wärme, Kälte, Kühlwasser und Strom hat die EnBW-Tochter Sales & Solutions GmbH in der Gemeinde Waldbronn bei Karlsruhe installiert. Dort werden aus einer neuen Energiezentrale heraus gemeinsam Liegenschaften der Gemeinde sowie zwei Industrieunternehmen versorgt.

Installiert sind dazu eine Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage, Pufferspeicher, Kessel und Kältemaschinen. Kunden sind die Agilent Technologies Deutschland GmbH und die Taller GmbH. Agilet ist in den Bereichen Biowissenschaften, Diagnostik und Chemie tätig und benötigt Prozesskälte, Klimakälte sowie Heizwärme und elektrische Energie. Taller braucht Kühlwasser für die Fertigung von Teilen für Kabel. Das Unternehmen musste seine veralteten Rückkühlanlagen modernisieren und war auf der Suche nach einer günstigen Lösung.

Die kommunalen Kunden in dem Contractingprojekt sind eine Eishalle und das Freibad in Waldbronn. Durch den Energieverbund kann jetzt die Primärenergie besser ausgenutzt werden. Beispielsweise betreibt man mit überschüssigem Strom aus dem BHKW die Tiefkälteerzeugungsanlagen für die Eishalle. Außerdem können Wärmepumpen die Abwärme von Kältemaschinen so nutzen, dass damit im Sommer das Freibad und im Winter das Kunden- und Technologiezentrum von Agilent beheizbar sind.

Durch das Verschieben der Energieströme zwischen den unterschiedlichen Nutzern wird die Abwärme das ganze Jahr über bestmöglich genutzt. Alle Beteiligten profitieren so von den günstigen Erzeugungskosten für Kälte, Wärme und Strom.
 
Engie Deutschland, Köln
Der Energiedienstleister Engie bewirbt sich mit einem Einsparcontracting um den diesjährigen Contracting Award. Modernisiert wurden die Energieversorgung und die Lüftungsanlagen des Museums Brandhorst in München.

Das Besondere dabei: Das Gebäude wurde bereits als Niedrigenergiemuseum geplant und erst 2009 eingeweiht. Trotzdem war der Energieverbrauch höher als erwartet und die Luftqualität in den Ausstellungsräumen nicht so gut wie gewünscht. Die Bayerische Staatsgemäldesammlung als Nutzer des Museums schrieb deswegen ein Einsparcontracting aus, um die Energiesituation zu verbessern.
 
Das Museum Brandhorst in München bekam eine neue optimierte Energieversorgung
Bild: Haydar Koyupinar, Museum Brandhorst

Die Wärme- und Kälteversorgung des Museums erledigen Wärmepumpen. Sie nutzen Brunnenwasser als Wärmequelle und arbeiten im Sommer als Kältemaschinen. Verteilt werden Wärme oder Kälte in dem Museumsbau über Klimaanlagen. Diese haben damit einen wesentlichen Einfluss auf den Wirkungsgrad der Wärme- und Kälteerzeugung.

Um den Energieverbrauch zu senken, hat der Contractor die Regelungstechnik teilweise ausgetauscht und neu programmiert. Insgesamt konnte so der Energieverbrauch um mehr als ein Drittel reduziert werden. Der Stromverbrauch der Wärmepumpen sank auf weniger als die Hälfte.

Zur Verbesserung der Luftqualität hat man neue Ventilatoren installiert. Ein Energiemonitoring-System informiert den Betreiber über den Zustand der Anlagen und stellt sicher, dass alle Energiewerte sicher eingehalten werden.
Bei dem Projekt trägt Engie die Kosten der Sanierungs- und Optimierungsmaßnahmen. Bezahlt wird der Dienstleister nach der nachgewiesenen Kosteneinsparung, die auf Basis eines Referenzverbrauchs ermittelt wird. Dieser liegt bei 375 000 Euro pro Jahr, die Einspargarantie bei etwa 128 000 Euro. Der Contractingvertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren.
 
Getec Efficiency, Magdeburg
Die Contractingspezialisten aus Magdeburg haben mit der Royal Friesland Campina, einem Molkereibetrieb, der unter anderem Milchgetränke, Kindernahrung, Käse und Desserts herstellt, für unterschiedliche Produktionsstandorte das Energiesparprojekt „Encore“ aufgelegt.

Dabei hat man einen Ablaufplan definiert, mit dessen Hilfe Sparpotenziale identifiziert und schrittweise erschlossen werden. Der erste Punkt ist die Analyse der Energiedaten und ein Energie-Audit, bei dem nach Einsparmöglichkeiten gesucht wird. In einer nächsten Phase wählt man Optionen zur Steigerung der Energieeffizienz samt der nötigen Nachweisverfahren aus.
Danach werden die Maßnahmen umgesetzt und man überprüft den Erfolg der Einspartechnik. Vergütet werden die Leistungen des Contractors über eine Beteiligung an den Nettoeinsparungen.

Begonnen wird im Rahmenvertrag immer mit einfach zu realisierenden Standardmaßnahmen zum Einsparen von Wärme, Dampf, Strom, Kälte, Druckluft, Licht, Wasser oder Abwasser. Alle technischen und kaufmännischen Daten von Einzelmaßnahmen sind in einer übergeordneten Projektdatenbank abgespeichert. Auf diese haben Getec und Friesland Campina immer Zugriff. Ein Online-Monitoring-System zeigt darüber hinaus die Betriebsdaten von Einzelmaßnahmen in Echtzeit und berechnet die erreichten Einsparungen.

Zu den Standardmaßnahmen, die als Erstes geprüft und umgesetzt werden, gehören etwa Beleuchtungssanierungen mit LED-Lampen, Prüfung der Dampf- und kondensatableiter, Wärmedämmung sowie Lecksuche bei Druckluftanlagen.
Individuelle Maßnahmen, die ergänzend je nach Standort dazukommen, sind etwa Umrüstungen von einer großen auf zwei kleinere Pumpen, die im optimalen Betriebspunkt arbeiten können, oder die Anpassung einer Regelung für Lüftungsanlagen. Auch die Modernisierung und Erweiterung eines Dampfkessels oder der Einbau einer Wärmerückgewinnung gehören zu den Möglichkeiten, die Energieversorgung der Molkerei zu optimieren.

Finanziert werden alle Maßnahmen durch die Getec. Der Kunde benötigt kein Eigenkapital. Damit wird auch unternehmensintern der Genehmigungsprozess für eine Sparmaßnahme wesentlich beschleunigt, weil sie von den hohen Anforderungen an Kapitalrücklaufzeiten bei der Molkerei nicht betroffen ist. In 30 Liegenschaften wurden bislang insgesamt 574 derartige Maßnahmen identifiziert und teilweise bereits umgesetzt.
 
Innogy, Essen
Mit Gasmotorwärmepumpen und einer smarten Heizungstechnologie soll künftig das europäische Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) in Bochum mit Wärme versorgt werden. Der Contractor ist Innogy. Zum EBZ gehören eine Hochschule und ein angeschlossener Hotelbetrieb. 2017 wurde auf dem Areal ein Neubau errichtet, der im April 2018 bezugsfertig ist.

Zusammen mit dem Neubau sollen auch die Bestandsgebäude energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Insgesamt hat die Liegenschaft eine Fläche von 13 455 m2 und einen Jahreswärmebedarf von 1,3 Mio. kWh. Versorgt wird sie bisher über erdgasbefeuerte Kessel.

Die neue Energieversorgung, die Innogy errichtet und die Mitte 2018 fertiggestellt sein soll, sieht für den Neubau einen Brennwertkessel mit einer Leistung von 150 kW, eine Kälteanlage mit 155 kW, einen Freikühler sowie eine PV-Anlage mit 44,5 kW vor.

Diese Planungen hat der Contractor ergänzt. Für den Neubau plant er jetzt zusätzlich zwei gasmotorische Wärmepumpen, die Wärme und Kälte mit nur einem Gerät bereitstellen können, und eine datentechnische Anbindung aller Erzeugungsanlagen. In den Bestandsbauten bleiben die Heißwasserkessel ebenso wie die Kälteanlage zur Klimatisierung der Kantine erhalten. Mit der IT-Technik will man alle relevanten Betriebs- und Anlagendaten auf einer Plattform zusammenführen und so Informationen über eine energieeffiziente Gebäudeversorgung gewinnen. Zugleich soll der Wartungsaufwand durch den detaillierten Einblick in den aktuellen Anlagenzustand sinken.
 
KPM und Vattenfall, Berlin
Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) hat zusammen mit der Vattenfall Europe Wärme AG ein Projekt zur industriellen Abwärmenutzung realisiert. Seit 2017 ist es in Betrieb.

Bei dem Projekt werden die vier Porzellanbrennöfen der KPM mit einer Wärmerückgewinnungsanlage verbunden. Aus dem Abgas können noch Temperaturen von rund 140 °C ausgekoppelt werden.

Über einen Wärmetauscher wird Heizwasser auf 110 °C erwärmt und die so gewonnene CO2-freie Energie in das Fernwärmesystem von Vattenfall in Berlin eingespeist. Die Brennvorgänge bei der Porzellan-Manufaktur starten an Werktagen gegen 12 Uhr und enden gegen 22 Uhr. Damit passt der zeitliche Rahmen gut zum Wärmelastprofil der Fernwärme. Gewonnen werden so nach bisherigen Abschätzungen jährlich rund 0,22 Mio. kWh.

Derzeit werden die ersten Modelle zur Abwärmenutzung genauer überprüft. Die Analysen unterstützt auch die TU Berlin.
 
Rheinenergie, Köln
Die Rheinenergie beteiligt sich an dem Projekt Grow Smarter. In dessen Rahmen wollen die Stadt und ihre Partner Projekte in den Bereichen Energieversorgung, Verkehr und Informations- und Kommunikationstechnik umsetzen. Außerdem will man prüfen, wie sich aus den Maßnahmen zukunftsweisende Geschäftsmodelle gestalten lassen.

In Köln wurden der Stadtteil Mülheim und dort speziell die Stegerwaldsiedlung ausgewählt, in denen man Projekte für eine nachhaltige Stadtentwicklung realisieren will. Dazu hat man in der Siedlung 16 Gebäude energetisch saniert. Dadurch konnte der Energieverbrauch der Häuser aus den Sechzigerjahren nahezu auf das Niveau eines Neubaus herabgesetzt werden.

Ergänzt wird die Sanierung durch eine großflächige Installation von Photovoltaikanlagen mit insgesamt 866 kW Leistung. Sie liefern Strom für die Mieter und auch für die Wärmepumpen (Leistung 492 kW). Zur Sicherung der Wärmeversorgung ist die Siedlung auch über einen Anschlusspunkt mit 1,6 MW Leistung an das Fernwärmenetz angeschlossen. In zehn Gebäuden ist eine Gasetagenheizung installiert, die von den Mietern betrieben wird.

Für eine weitere Optimierung der Energieversorgung wird man 16 Batteriespeicher (896 kWh, 255 kW) in der Siedlung installieren. Sie nehmen den überschüssigen Strom aus den Photovoltaikanlagen auf. Rheinenergie bietet den Mietern außerdem einen Mieterstromtarif an, der um etwa 2 Ct/kWh unter dem Bezugspreis aus dem Netz liegt.

Eine Steuerungssoftware soll das gesamte System überwachen und optimieren und es den Mietern ermöglichen, durch intelligente Haustechnik ihren Energieverbrauch zu reduzieren. Als zusätzliche Speicher werden auch noch Elektrofahrzeuge über ein Carsharing-Angebot in das System eingebunden. 

Stadtwerke Crailsheim
Die Stadtwerke Crailsheim GmbH haben für das Industrieunternehmen Procter & Gamble auf dem Werksgelände eine Energieversorgung im Contracting-Modell errichtet. Gebaut wurde dazu eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, die aus zwei BHKW mit jeweils 440 kWel und zwei Kesseln mit je 1 MWth besteht.
 
Zusätzliche Abgaswärmetauscher sorgen dafür, dass hohe Temperaturen für den Heizkreislauf und für die Erzeugung von Kälte im Sommer ausgekoppelt werden können. Sowohl die erzeugte Wärme wie auch der erzeugte Strom werden komplett im Werk verbraucht. Ein Pufferspeicher optimiert den Betrieb der Gesamtanlage und reduziert das Takten der BHKW-Module. Zudem lässt sich durch die modulare Bauweise der Anlagenbetrieb gut an die Bedürfnisse des Industriekunden anpassen.
 
Die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung und eine optimierte Wartung und Instandhaltung durch den Contractor führen zu hoher Effizienz und geringen Betriebskosten. Die CO2-Einsparung summiert sich nach der Kalkulation der Stadtwerke auf bis zu 2500 t jährlich.

 
Zeag, Heilbronn
Der Heilbronner Energieversorger Zeag Energie AG errichtet für das Gelände des ehemaligen Südbahnhofs, auf dem seit 2015 Wohnungen, Kindertagesstätten, Pflegeheime und Arztpraxen gebaut werden, eine neue Energieversorgung.
Sie besteht aus zwei Blockheizkraftwerken, die in ein Fernwärmenetz einspeisen. Ergänzt wird die Wärmeversorgung durch Gaskessel und mehrere Pufferspeicher, die zusammen ein Volumen von 50 000 Litern haben. Den Strom aus den BHKW und aus den PV-Anlagen auf den Gebäuden bietet Zeag über ein Mieterstrommodell den Bewohnern des neuen Stadtviertels an.

Bei der Energieversorgung endet das Contractingkonzept aber nicht. Es ist verbunden mit einem Glasfaseranschluss für jedes Baufeld, über das die Bewohner auch IT- und TV-Angebote bekommen. Zudem verfügen alle Gebäude über elektronische Zähler, die ihre Daten über das Glasfasernetz an die Zentrale liefern.

Das neue Stadtviertel bekommt auch Ladestationen für Elektroautos und eine Straßenbeleuchtung mit Leuchtdioden, die zugleich aus Gründen der Sicherheit über Signalleuchten, Kameras und Lautsprecher verfügen. Die Straßenbeleuchtung ist außerdem mit W-Lan-Sendern ausgestattet, über die ein öffentlicher Internetzugang für die Bewohner des Stadtviertels realisiert wird.
 

Armin Müller
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Donnerstag, 12.04.2018, 14:53 Uhr

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