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Enerige & Management > Stromnetz - Ran an die Netzentgelte
Bild: Fotolia.com, Gina Sanders
STROMNETZ:
Ran an die Netzentgelte
Energieanbieter ohne eigenes Netz und Verbraucherschützer prangern die Netzentgelte für Privathaushalte als zu hoch an und fordern mehr Transparenz bei der Festsetzung.
 
Die Stromnetzentgelte sind nach Angaben des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (bne) zum Jahreswechsel 2015/16 im bundesweiten Mittel um etwa 5 % gestiegen, die Gasnetzentgelte sogar um 7 %. Pro Privathaushalt summierten sie sich auf durchschnittlich etwa 240 Euro jährlich. Auf den Energierechnungen privater Haushalte und gewerblicher Verbraucher bilden sie inzwischen einen größeren Posten als die EEG-Umlage. „Die Netzentgelte sind auf dem besten Weg, neben der EEG-Umlage, zu einem weiteren Preistreiber auf dem Strommarkt zu werden“, sagt Josef Thomas Sepp, Geschäftsführer des Energieanbieters lekker Energie.

Diese Entwicklung nehmen der bne, der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) und der Energieanbieter LichtBlick zum Anlass, mehr Transparenz bei der Festsetzung und Kontrolle der Netzentgelte für Strom und Gas zu fordern. Sie werfen vor allem Stadtwerken vor, durch üppige Renditen aus dem Netzgeschäft ihre Vertriebe quer zu subventionieren und sich damit Wettbewerbsvorteile gegenüber Energieanbietern ohne eigene Netze wie LichtBlick zu verschaffen.

Das sei ein „unhaltbarer Zustand“, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft bei LichtBlick. Die Netzentgelte seien viel zu üppig bemessen, die Eigenkapitalverzinsung von 9,05 % für die aktuelle, noch bis 2018 laufende Regulierungsperiode sei von der Bundesnetzagentur angesichts des allgemein stark rückläufigen Zinsniveaus in den letzten Jahren viel zu hoch angesetzt worden, kritisiert er. Die damit erreichbaren Renditen lägen „weit oberhalb dessen, was im wettbewerblichen Geschäft zu erwirtschaften ist“. Die dadurch entstehenden Mehrkosten für die Verbraucher beziffert der LichtBlick-Geschäftsführer auf etwa 1,8 Mrd. Euro bis 2018.

Es gebe keinen Grund, Netzbetreibern solche „Geschenke“ zu machen. „Das, was in den Verordnungen steht, muss wieder angewendet werden“, verlangt Lücking eine Änderung dieser Praxis. Die Verzinsung müsse deutlich auf ein Niveau abgesenkt werden, das in einem angemessenen Verhältnis zum überschaubaren Risiko im Netzgeschäft stehe. Die Eigenkapitalverzinsung müsse „deutlich unter fünf Prozent“ gesenkt werden.

Offene Kalkulation statt geschwärzter Papiere

Auf Kritik von bne, vzbv und LichtBlick stößt auch die angebliche Intransparenz bei der Festlegung der Netzentgelte. „Es muss dringend Licht ins Dunkel“, sagt Ingmar Streese vom vzbv. Die Verteilnetzbetreiber weigerten sich, die von ihnen für die Berechnung der Netzentgelte angesetzten Kosten zu veröffentlichen. Auch die Bundesnetzagentur lege die Kalkulationen nicht offen und verhindere damit Transparenz. „Es gibt keinen Grund für Geheimnistuerei“, fordert Lücking eine Änderung dieser Praxis. „Netzentgelt-Beschlüsse der Regulierungsbehörden müssen veröffentlicht werden.“

Beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der die meisten Verteilnetzbetreiber vertritt, sieht man dagegen keinen Grund, diese Praxis zu ändern. „Der Bundesnetzagentur liegen alle notwendigen Informationen, auch die ungeschwärzten Bilanzen der Netzbetreiber, zur Prüfung vor“, so ein VKU-Sprecher. Es gebe somit kein Informationsdefizit bei der Regulierungsbehörde.

Eine weitere Ursache für angeblich überhöhte Netzentgelte nennt bne-Geschäftsführer Robert Busch. „Wir haben zu viele Verteilnetzbetreiber“, wiederholt er seine nicht neue Kritik an der Unternehmensstruktur im Netzgeschäft. Als notwendiges Ziel gibt er die Schaffung von 25 Netzclustern statt der bislang 890 Verteilnetzbetreiber im Strombereich aus. Der Zugang der Netzbetreiber zum vereinfachten Regulierungsverfahren müsse erschwert werden, um Anreize zu schaffen, sich zusammenzuschließen.

Bei der anstehenden Reform der Anreizregulierung sehen bne, vzbv und LichtBlick die Gefahr, dass den Netzbetreibern zu viele Zugeständnisse gemacht werden. „Sicherlich stellt der Ausbau der Erneuerbaren die Netze vor Herausforderungen.“ Dass die Regulierung darauf ausgerichtet wird, hält auch Busch für richtig. Bundesregierung und Bundesnetzagentur hätten sinnvolle Vorschläge gemacht, die eine auskömmliche Finanzierung sicherten. Was dagegen von den Bundesländern an Vorschlägen formuliert worden sei, „hätte deutlich höhere Kosten zur Folge“. Das sollte vermieden werden, so der bne-Geschäftsführer.
 

Peter Focht
Redakteur
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Freitag, 29.01.2016, 10:04 Uhr

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