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Enerige & Management > Wärme - Gesetzeswirrwarr behindert Klimaschutz im Quartier
Quelle: Fotolia / Detlef
WÄRME:
Gesetzeswirrwarr behindert Klimaschutz im Quartier
Auf dem Dena-Kongress wurden Projekte für Quartiers-Klimaschutz vorgestellt. Einhellig forderten die Teilnehmer Vereinfachungen und Aktualisierungen der gesetzlichen Vorschriften.
 
Am zweiten Tag des Kongresses der Deutschen Energieagentur (Dena) in Berlin ging es um Klimaschutz im Quartier. Da in Deutschland rund 40 Prozent der Primärenergie für Gebäudewärme verbraucht werden, ist dieser Bereich von großer Bedeutung, um die Klimaschutzziele zu erreichen, sagte Susanne Schmelcher, Teamleiterin Integrierte Quartiere der Dena. Die verschiedenen Gesetze von Energieeffizienzverordnung (EnEff) über Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bis zur Bauverordnung berücksichtigten nicht die modernen Möglichkeiten der Sektorkopplung und behinderten sie daher, kritisierte sie.

Neues Leben auf dem alten Flughafen

Prof. Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt aus Berlin will am liebsten „das Baugesetzbuch schreddern“. Für die Umgestaltung des einstigen Flughafengeländes der Hauptstadt kalkuliert er auch die „graue“ Energie der Gebäude ein, die diese zu ihrer Erstellung benötigen. Daher soll viel Recyclingbeton, Altbaubestand und Holz aus Berliner Wäldern zum Einsatz kommen.

Bauten sollten künftig nicht mehr mit Dämmvorschriften oder Materialanforderungen bewertet werden, sondern nur noch über ihre Klimagasemissionen sowohl beim Bau wie im Betrieb, schlug er als Vereinfachung vor. Dies würde auch Raum für technischen Fortschritt schaffen, ohne Verordnungen immer wieder zu ändern.

In Bochum-Weitmar erprobt die Vonovia einen Mix aus Solarstrom von den Dächern der Wohngebäude mit Speichern, und Brennstoffzellen für eine weitgehend erneuerbare energetische Eigenversorgung des Quartiers. Auch der Projektleiter Quartierssysteme Hendrik Hasenclever sagte, dass es schwierig sei, solche Systeme zwischen erneuerbarem Strom, Wärme und eventuell noch Wasserstoff auch für Mobilität unter den vorhandenen gesetzlichen Vorgaben zu vereinen. Zudem sei es nicht vorgesehen, dass ein Vermieter auch als Energiedienstleister agiere. Das sei aber bei Quartierkonzepten eine sinnvolle Lösung.
 
Entwurf des Quartiers Berlin-Tegel in Nachnutzung des ehemaligen Flughafens als soziales und ökologisches Modellquartier
Quelle: Tegel Projekt GmbH

Hamburg plant für die Zukunft

Karen Pein, Geschäftsführerin der IBA Hamburg, berichtete, dass auch unterschiedliche Zuständigkeiten in der Stadt zum Beispiel zwischen Bau- und Bildungsressort zu Schwierigkeiten führten, wenn Flächen in Quartieren sinnvollerweise gemeinsam genutzt werden sollten. Hier gelte es mehr Abstimmung und guten Willen zu befördern.

Ihre städtische Entwicklungsgesellschaft sei derzeit mit 20 Gebieten beschäftigt. Sie versuche, durch regionales Baumaterial und kurze Wege bei der Erschließung der Flächen, Klimaschutz zu betreiben, sagte Pein. Auch bei der Vergabe des Baulandes wolle man die energetisch besten Entwürfe berücksichtigen, da die Bauten ja zukunftsfähig für viele Jahrzehnte sein müssen.

Investor und Betreiber für "Quarree100" gesucht

In Schleswig-Holstein entwickelte David Sauss als Leiter des Steinbeis-Innovationszentrum der TU Braunschweig ein 100 % CO2-neutrales Quartier am Rüsdorfer Kamp. Auf 20 Hektar soll das „Quarree100“ entstehen, das Wohnen, Gewerbe und sogar Industrie auf einem Konversionsgelände miteinander energetisch sinnvoll verknüpft. „80-90 Prozent der Energieversorgung sind ohne fossile Quellen zu erreichen, für den letzten Rest braucht es aber die aktive Mitwirkung der Bewohner“, resümierte Sauss. Diese hätten aber oft andere Sorgen und wollten nicht aus ihrer Komfortzone.

Das Konzept basiert auf PV-Anlagen auf den Dächern mit thermischen und elektrischen Speichern und Elektrolyseur im Keller. Der örtliche Versorger traue sich allerdings nicht zu, das entworfene System selbst zu betreiben, daher suchen Sauss und Kollegen nun einen Investor und Betreiber. 12 Mio. Euro Kosten bei 4 Mio. Euro Förderung würden gebraucht. Die Amortisation würde voraussichtlich über 12 bis 16 Jahre dauern, je nach den Rahmenbedingungen der Energiepreisentwicklung, sagte Sauss. Das Projekt war zuvor mit dem Energieeffizienzpreis der Dena ausgezeichnet worden.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 09.11.2021, 16:23 Uhr

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