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Energie & Management > Biogas - Tauziehen um Einsatz von grünen Gasen
Quelle: Fotolia / Stephan Leyk
Biogas

Tauziehen um Einsatz von grünen Gasen

Im Webinar des Netzwerks „Flexperten“ kritisiert Uwe Welteke-Fabricius die geplante Grüngasquote im Gebäudemodernisierungsgesetz und warnt vor steigender Erdgasnutzung.
Im Zuge der geplanten Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hin zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) hat die Diskussion um die Rolle von Gas im Wärmemarkt an Schärfe gewonnen. Beim Webinar des Netzwerks Flexperten am 1. April äußerte sich Uwe Welteke-Fabricius kritisch zu zentralen Elementen der Reform. Die vorgesehene Grüngasquote (GGQ) sei gut, wenn sie auf den gesamten Gasmarkt angewendet werde.

Nach Darstellung von Welteke-Fabricius könnte jedoch die Einführung einer Grüngasquote von zunächst einem Prozent nur im Gasnetzbetrieb ab 2028 dazu führen, dass weiterhin rund 99 Prozent fossiles Erdgas im Markt verbleiben. Er bewertet dies als eine Form von Greenwashing, da die Quote in diesem Fall aus seiner Sicht keine substanzielle Reduktion fossiler Anteile bewirkt. Gleichzeitig sei ein klarer Entwicklungspfad für steigende Beimischungsanteile nicht definiert.

Undefinierte Biotreppe

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die geplante „Biotreppe“ für neue Gasheizungen. Diese sieht steigende Anteile grüner Gase vor, lässt jedoch laut Welteke-Fabricius offen, wie schnell diese Anteile wachsen sollen. Auch die künftigen Kosten für Gasnetzanschlüsse bleiben aus seiner Sicht unklar, speziell vor dem Hintergrund regulatorischer Vorgaben wie der Gasnetzzugangsverordnung und der Gasnetzentgeltverordnung.

Welteke-Fabricius verwies zudem auf einen Zielkonflikt im Energierecht. Einerseits sei die Einspeisung grüner Gase politisch gewünscht, andererseits erlaube das Energiewirtschaftsgesetz unter bestimmten Bedingungen die Stilllegung von Gasnetzen innerhalb von zehn Jahren. Diese Konstellation erschwere Investitionsentscheidungen.

Offen ist nach seinen Angaben auch die konkrete Ausgestaltung der Grüngasquote. Unklar bleibt, ob sie sich auf das Inverkehrbringen von Gas oder auf eine verpflichtende Beimischung beziehen soll. Beide Varianten hätten unterschiedliche Auswirkungen auf Marktmechanismen und Investitionsanreize.

Als mögliche Folge der aktuellen Pläne sieht Welteke-Fabricius eine steigende Nachfrage nach Erdgas. Hintergrund sei, dass Biomethan verstärkt in den Wärmemarkt gelenkt werde. Dies könne dazu führen, dass in anderen Sektoren – vor allem in der Industrie – weniger erneuerbare Gase zur Verfügung stehen. Gleichzeitig könnten bestehende Wärmenetze geschwächt werden, wenn weiterhin neue Gasheizungen installiert werden.

Weniger Biogas für Strom-Backup

Auch mit Blick auf die Stromversorgung äußerte Welteke-Fabricius Bedenken. Unter Verweis auf eine Studie des Instituts für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme (IZES) erklärte er, dass ein stärkerer Einsatz von Biomethan im Gasnetz zulasten von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gehen könne. Dies könne die gesicherte Leistung um bis zu 10.000 MW verringern und Förderbedarfe im zweistelligen Milliardenbereich auslösen.

Die wirtschaftlichen Effekte der Grüngasquote bleiben laut Webinar ebenfalls unsicher. Zwar könne sie zusätzliche Erlöse generieren und perspektivisch bestehende Fördermechanismen wie die EEG-Marktprämie ersetzen. Bei geringer Marktliquidität drohten jedoch starke Preisschwankungen, die Investitionen erschweren. Hohe Preise könnten zudem Fehlanreize setzen, während niedrige Preise kaum Investitionsanreize bieten würden.
 
Vorschlag einer einheitlichen Grüngasquote für alle Sektoren hilft Klimaschutzziele zu erreichen 
(Für Vollbild auf die Grafik klicken)
Quelle: Flexperten

Als Gegenentwurf skizzierte Welteke-Fabricius ein umfassenderes Quotenmodell. Dieses würde alle Gasverwendungen einbeziehen – von Industrie über Wärme bis Verkehr – und sämtliche grünen Gase berücksichtigen, darunter Biomethan, Biogas und Wasserstoff.

Die Quote solle auf Basis von Treibhausgasminderungen berechnet werden und schrittweise von 14 Prozent im Jahr 2027 auf 100 Prozent bis 2041 steigen. Eine am 31. März neu gegründete Kampagne „Biogas ist Zukunft“ 2.0 will diese Vorschläge in die politischen Gremien tragen.

Gaswirtschaft begrüßt GMG

Parallel dazu bewertet die Gaswirtschaft die Reformpläne positiver. Timm Kehler, Vorstand von „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“, erklärte, dass die Eckpunkte zum GMG eine stärkere Technologieoffenheit und Versorgungssicherheit fördern könnten. Die Grüngasquote im Wärmemarkt könne demnach Angebot und Nachfrage besser planbar machen und so zur Emissionsminderung im Gebäudesektor beitragen.

Eine im Auftrag des Verbands durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zeige zudem eine vergleichsweise hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Demnach befürworten rund zwei Drittel der Befragten einen CO2-Minderungspfad auf Basis einer Grüngasquote. Eine Mehrheit spricht sich zudem für mehr Entscheidungsfreiheit bei der Heizungsmodernisierung aus.

Die Kampagne „Biogas ist Zukunft“ 2.0 steht im Internet bereit.

Mittwoch, 1.04.2026, 15:54 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Biogas - Tauziehen um Einsatz von grünen Gasen
Quelle: Fotolia / Stephan Leyk
Biogas
Tauziehen um Einsatz von grünen Gasen
Im Webinar des Netzwerks „Flexperten“ kritisiert Uwe Welteke-Fabricius die geplante Grüngasquote im Gebäudemodernisierungsgesetz und warnt vor steigender Erdgasnutzung.
Im Zuge der geplanten Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hin zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) hat die Diskussion um die Rolle von Gas im Wärmemarkt an Schärfe gewonnen. Beim Webinar des Netzwerks Flexperten am 1. April äußerte sich Uwe Welteke-Fabricius kritisch zu zentralen Elementen der Reform. Die vorgesehene Grüngasquote (GGQ) sei gut, wenn sie auf den gesamten Gasmarkt angewendet werde.

Nach Darstellung von Welteke-Fabricius könnte jedoch die Einführung einer Grüngasquote von zunächst einem Prozent nur im Gasnetzbetrieb ab 2028 dazu führen, dass weiterhin rund 99 Prozent fossiles Erdgas im Markt verbleiben. Er bewertet dies als eine Form von Greenwashing, da die Quote in diesem Fall aus seiner Sicht keine substanzielle Reduktion fossiler Anteile bewirkt. Gleichzeitig sei ein klarer Entwicklungspfad für steigende Beimischungsanteile nicht definiert.

Undefinierte Biotreppe

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die geplante „Biotreppe“ für neue Gasheizungen. Diese sieht steigende Anteile grüner Gase vor, lässt jedoch laut Welteke-Fabricius offen, wie schnell diese Anteile wachsen sollen. Auch die künftigen Kosten für Gasnetzanschlüsse bleiben aus seiner Sicht unklar, speziell vor dem Hintergrund regulatorischer Vorgaben wie der Gasnetzzugangsverordnung und der Gasnetzentgeltverordnung.

Welteke-Fabricius verwies zudem auf einen Zielkonflikt im Energierecht. Einerseits sei die Einspeisung grüner Gase politisch gewünscht, andererseits erlaube das Energiewirtschaftsgesetz unter bestimmten Bedingungen die Stilllegung von Gasnetzen innerhalb von zehn Jahren. Diese Konstellation erschwere Investitionsentscheidungen.

Offen ist nach seinen Angaben auch die konkrete Ausgestaltung der Grüngasquote. Unklar bleibt, ob sie sich auf das Inverkehrbringen von Gas oder auf eine verpflichtende Beimischung beziehen soll. Beide Varianten hätten unterschiedliche Auswirkungen auf Marktmechanismen und Investitionsanreize.

Als mögliche Folge der aktuellen Pläne sieht Welteke-Fabricius eine steigende Nachfrage nach Erdgas. Hintergrund sei, dass Biomethan verstärkt in den Wärmemarkt gelenkt werde. Dies könne dazu führen, dass in anderen Sektoren – vor allem in der Industrie – weniger erneuerbare Gase zur Verfügung stehen. Gleichzeitig könnten bestehende Wärmenetze geschwächt werden, wenn weiterhin neue Gasheizungen installiert werden.

Weniger Biogas für Strom-Backup

Auch mit Blick auf die Stromversorgung äußerte Welteke-Fabricius Bedenken. Unter Verweis auf eine Studie des Instituts für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme (IZES) erklärte er, dass ein stärkerer Einsatz von Biomethan im Gasnetz zulasten von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gehen könne. Dies könne die gesicherte Leistung um bis zu 10.000 MW verringern und Förderbedarfe im zweistelligen Milliardenbereich auslösen.

Die wirtschaftlichen Effekte der Grüngasquote bleiben laut Webinar ebenfalls unsicher. Zwar könne sie zusätzliche Erlöse generieren und perspektivisch bestehende Fördermechanismen wie die EEG-Marktprämie ersetzen. Bei geringer Marktliquidität drohten jedoch starke Preisschwankungen, die Investitionen erschweren. Hohe Preise könnten zudem Fehlanreize setzen, während niedrige Preise kaum Investitionsanreize bieten würden.
 
Vorschlag einer einheitlichen Grüngasquote für alle Sektoren hilft Klimaschutzziele zu erreichen 
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Quelle: Flexperten

Als Gegenentwurf skizzierte Welteke-Fabricius ein umfassenderes Quotenmodell. Dieses würde alle Gasverwendungen einbeziehen – von Industrie über Wärme bis Verkehr – und sämtliche grünen Gase berücksichtigen, darunter Biomethan, Biogas und Wasserstoff.

Die Quote solle auf Basis von Treibhausgasminderungen berechnet werden und schrittweise von 14 Prozent im Jahr 2027 auf 100 Prozent bis 2041 steigen. Eine am 31. März neu gegründete Kampagne „Biogas ist Zukunft“ 2.0 will diese Vorschläge in die politischen Gremien tragen.

Gaswirtschaft begrüßt GMG

Parallel dazu bewertet die Gaswirtschaft die Reformpläne positiver. Timm Kehler, Vorstand von „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“, erklärte, dass die Eckpunkte zum GMG eine stärkere Technologieoffenheit und Versorgungssicherheit fördern könnten. Die Grüngasquote im Wärmemarkt könne demnach Angebot und Nachfrage besser planbar machen und so zur Emissionsminderung im Gebäudesektor beitragen.

Eine im Auftrag des Verbands durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zeige zudem eine vergleichsweise hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Demnach befürworten rund zwei Drittel der Befragten einen CO2-Minderungspfad auf Basis einer Grüngasquote. Eine Mehrheit spricht sich zudem für mehr Entscheidungsfreiheit bei der Heizungsmodernisierung aus.

Die Kampagne „Biogas ist Zukunft“ 2.0 steht im Internet bereit.

Mittwoch, 1.04.2026, 15:54 Uhr
Susanne Harmsen

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