Baustelle des Übersee-Tunnels ElbX in Wewelsfleth. Quelle: Tennet Germany
Tennet hat den 5,2 Kilometer langen Tunnel für die Südlink-Elbquerung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen fertiggestellt. Ende 2028 soll die Leitung in Betrieb gehen.
Am 17. August besuchten Landesminister den neuen Stromleitungstunnel unter der Elbe. Der Übersee-Tunnel ElbX verbindet die Südlink-Bauabschnitte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die rund 200
Meter lange Tunnelbohrmaschine hatte den Zielschacht in Wischhafen bereits im Juni erreicht. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther
(CDU), Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) und Ina Kamps, COO von Tennet Germany würdigten den Abschluss des Tunnelvortriebs.
Tennet Germany verantwortet den Südlink-Bau in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Für den südlichen Teil der Leitung ist der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW zuständig. „Mit ElbX haben wir einen entscheidenden Baustein für die Realisierung von Südlink geschaffen“, sagte Kamps beim Besuch. Die rund 700
Kilometer lange Hochspannungs-Gleichstromleitung soll künftig vor allem Windstrom aus dem Norden in die Verbrauchszentren im Süden transportieren. Rechnerisch könne die Verbindung Strom für rund zehn Millionen Haushalte bereitstellen.
18 Monate TunnelbohrungDie eigens für Südlink gefertigte Tunnelbohrmaschine startete am 1.
Februar 2025 in Wewelsfleth in Schleswig-Holstein. Auf ihrem Weg zum Zielschacht in Wischhafen durchquerte sie unterschiedliche sandige und tonige Boden- und Sedimentschichten. Eine technische Herausforderung war laut Tennet der Lauenburger Ton. Unter der Schifffahrtsrinne der Elbe mussten die Arbeiten zudem unter erhöhtem Druck erfolgen.
Nach dem Durchbruch wurde die Tunnelbohrmaschine im Zielschacht geborgen und zerlegt. In den kommenden Monaten bereitet Tennet das Bauwerk für den Kabeleinzug vor. Insgesamt sollen sechs Kabel durch den Tunnel verlaufen: jeweils zwei für die beiden Südlink-Systeme sowie jeweils ein Ersatzkabel. Die Ersatzkabel sollen spätere Wartungsarbeiten erleichtern.
Die Kabel sollen laut den vorliegenden Angaben ab Ende 2027 eingezogen werden. Tennet hält nach eigener Aussage an einer Inbetriebnahme der gesamten Verbindung bis Ende 2028 fest.
Windstrom südwärts leitenSüdlink besteht aus zwei weitgehend parallel verlaufenden Hochspannungs-Gleichstromverbindungen. Die Trasse führt von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Hessen und Thüringen bis nach Bayern und Baden-Württemberg. In Niedersachsen verlaufen rund 320
Kilometer der Trasse.
Nach Angaben von Tennet soll Südlink die Netze entlasten und den Transport von erneuerbarem Strom aus Norddeutschland in die südlichen Verbrauchszentren ermöglichen. Die Leitung soll dabei helfen, Netzengpässe zu reduzieren und die Abregelung von Windenergieanlagen zu verringern. Transnet BW gibt die mögliche Übertragungskapazität mit bis zu 4.000
MW an.
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Verlauf der Elbquerung (zur Vergrößerung bitte auf die Karte klicken) Quelle: Tennet Germany |
Niedersachsens Energieminister Meyer verwies laut Tennet auf die Bedeutung des Projekts für die Stromversorgung des Bundeslandes und Deutschlands. „Der Transport von Windstrom aus dem Norden in die Verbrauchszentren im Süden kann zur Dekarbonisierung der Stromversorgung beitragen und den steigenden Strombedarf abdecken“, sagte er.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther betonte, dass Südlink die Übertragungsnetze entlasten und die Versorgungssicherheit stärken solle. „Zugleich verringert die bessere Nutzung von in Deutschland erzeugtem erneuerbarem Strom die Abhängigkeit von Energieimporten“, erläuterte Günther.
Protest im VorfeldSüdlink gehört zu den großen Netzausbauvorhaben der Energiewende und war seit Beginn der Planungen umstritten. Bürgerinitiativen kritisierten insbesondere die Kosten und die Auswirkungen des Leitungsbaus. Die Entscheidung für eine durchgehend unterirdische Verlegung sollte unter anderem die Akzeptanz entlang der Trasse erhöhen.
Das Projektvolumen wird in den vorliegenden Angaben mit rund 10
Milliarden Euro beziffert. Beim Bau sollen nach Abschluss der Arbeiten insgesamt etwa 8,5
Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt werden. Für die Umsetzung arbeiten laut Tennet bis zu 9.000 Menschen insgesamt bei allen beteiligten Partnerunternehmen.
Mit dem Abschluss der Elbquerung ist ein technisch aufwendiger Abschnitt abgeschlossen. Weitere Bauabschnitte der unterirdischen Trasse werden parallel vorangetrieben. Erst nach Fertigstellung der einzelnen Abschnitte und dem anschließenden Kabeleinzug kann die gesamte Verbindung in Betrieb gehen.
(sh)
Montag, 17.08.2026, 14:14 Uhr
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