E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > IT - Studie sieht wachsende Unsicherheit im Stromnetz
Quelle: Capgemini
IT

Studie sieht wachsende Unsicherheit im Stromnetz

Eine Studie von Capgemini zeigt: Künstliche Intelligenz verändert die Stromnachfrage von Rechenzentren und erschwert Energieversorgern weltweit die Netz- und Investitionsplanung.
Mit dem wachsenden Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) steigt nicht nur der Strombedarf von Rechenzentren. Gleichzeitig wird es für Energieversorger schwieriger, den künftigen Bedarf zuverlässig vorherzusagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Capgemini Research Institute.

Für die Untersuchung befragte das Institut Anfang 2026 insgesamt 612 Führungskräfte aus der Energiewirtschaft sowie 175 Verantwortliche von Rechenzentrumsbetreibern in 21 Ländern. Die Studie zeigt, dass sich Energiesysteme auf deutlich volatilere Lastverläufe einstellen müssen.

Fast 80 Prozent der befragten Energieversorger erwarten laut Studie künftig stärkere und weniger berechenbare Schwankungen bei der Stromnachfrage. Mehr als drei Viertel geben an, den künftigen Bedarf aufgrund KI-bedingter Veränderungen der Verbrauchsmuster nur noch schwer prognostizieren zu können. Gleichzeitig rechnen 68 Prozent damit, dass die Nachfrage durch Rechenzentren schneller wächst als neue Strom- und Netzkapazitäten aufgebaut werden können.

Energieversorger berichten von Phantom-Lastanfragen

Hinzu kommt nach Angaben von Capgemini ein weiteres Problem: Viele Netzanschlussanfragen von Rechenzentren würden letztlich nicht umgesetzt. Weltweit berichten 67 Prozent der befragten Energieversorger von sogenannten Phantom-Lastanfragen. Rund 19 Prozent der angemeldeten Strombedarfe würden demnach nie realisiert. Dadurch werde die Investitionsplanung erschwert, weil Netzbetreiber Kapazitäten für Projekte einplanen müssten, die später nicht umgesetzt werden.

Besonders herausfordernd sei die Entscheidung, wann und wo neue Netzinfrastruktur entstehen soll. Einerseits müssten Energieversorger genügend Kapazitäten für den erwarteten Ausbau von Rechenzentren schaffen. Andererseits gelte es, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Zusätzlich belaste die räumliche Konzentration großer Rechenzentren lokale Stromnetze. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht darin laut Studie ein wesentliches Hindernis für eine stabile Stromversorgung.

Sebastian Menge, Vice President und Leiter Energy Platforms bei Capgemini Invent Deutschland, erklärt, KI verändere Energiesysteme weit über das dynamische Wachstum der Stromnachfrage hinaus. Denn sie mache auch Engpässe bei Netzkapazitäten und Stromverfügbarkeit sichtbar. Energieversorger könnten KI jedoch auch einsetzen, um Netze effizienter zu steuern und verfügbare Kapazitäten besser zu nutzen. 

Die Studie sieht KI deshalb in einer Doppelrolle. Einerseits treibt sie den Stromverbrauch durch den Betrieb und das Training großer KI-Modelle. Laut den Befragten könnte der Anteil dieser Anwendungen am gesamten Stromverbrauch von Rechenzentren innerhalb von drei bis fünf Jahren von derzeit 25 Prozent auf 60 Prozent steigen. Andererseits erwarten rund 60 Prozent der Energieversorger, dass KI die Netzplanung und den Netzbetrieb verbessert.

Bislang nutzen allerdings vergleichsweise wenige Unternehmen diese Möglichkeiten umfassend. Nach Angaben von Capgemini setzen derzeit weltweit 45 Prozent der Energieversorger KI zur Netzoptimierung ein. Nur 16 Prozent verfügen über fortgeschrittene KI-Anwendungen, etwa zur Optimierung von Stromflüssen oder zur Echtzeitsteuerung der Netze. In Deutschland liegen die Anteile mit 37 beziehungsweise 12 Prozent darunter.

Eigenstromversorgung für Rechenzentren

Als Reaktion auf lange Anschlusszeiten und Netzengpässe investieren Rechenzentrumsbetreiber laut Studie zunehmend in eigene Energieversorgungssysteme. Fast 30 Prozent setzen bereits auf Vor-Ort-Erzeugung, weitere 39 Prozent planen entsprechende Anlagen innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre. Mehr als 70 Prozent erwarten, dadurch ihre Abhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz innerhalb von fünf Jahren deutlich zu verringern.
 
Entscheidungen für die Energieversorgung für Rechenzentren -
Für Vollbild auf die Grafik klicken
Quelle: Capgemini

Für die langfristige Stromversorgung halten die Befragten einen diversifizierten Energiemix für notwendig. Erneuerbare Energien allein könnten nach Einschätzung von 78 Prozent der Energieverantwortlichen derzeit noch keine kontinuierliche Versorgung großer KI-Rechenzentren gewährleisten. Deshalb investieren viele Unternehmen zusätzlich in Batteriespeicher. Rund zwei Drittel der Befragten sehen Erdgas nach Angaben der Studie als Übergangslösung, bis erneuerbare Energien und Speichertechnologien ausreichend ausgebaut sind.

Die Capgemini-Studie „AI meets the grid“ steht in englischer Sprache als PDF zum Download bereit.

Montag, 29.06.2026, 15:01 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > IT - Studie sieht wachsende Unsicherheit im Stromnetz
Quelle: Capgemini
IT
Studie sieht wachsende Unsicherheit im Stromnetz
Eine Studie von Capgemini zeigt: Künstliche Intelligenz verändert die Stromnachfrage von Rechenzentren und erschwert Energieversorgern weltweit die Netz- und Investitionsplanung.
Mit dem wachsenden Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) steigt nicht nur der Strombedarf von Rechenzentren. Gleichzeitig wird es für Energieversorger schwieriger, den künftigen Bedarf zuverlässig vorherzusagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Capgemini Research Institute.

Für die Untersuchung befragte das Institut Anfang 2026 insgesamt 612 Führungskräfte aus der Energiewirtschaft sowie 175 Verantwortliche von Rechenzentrumsbetreibern in 21 Ländern. Die Studie zeigt, dass sich Energiesysteme auf deutlich volatilere Lastverläufe einstellen müssen.

Fast 80 Prozent der befragten Energieversorger erwarten laut Studie künftig stärkere und weniger berechenbare Schwankungen bei der Stromnachfrage. Mehr als drei Viertel geben an, den künftigen Bedarf aufgrund KI-bedingter Veränderungen der Verbrauchsmuster nur noch schwer prognostizieren zu können. Gleichzeitig rechnen 68 Prozent damit, dass die Nachfrage durch Rechenzentren schneller wächst als neue Strom- und Netzkapazitäten aufgebaut werden können.

Energieversorger berichten von Phantom-Lastanfragen

Hinzu kommt nach Angaben von Capgemini ein weiteres Problem: Viele Netzanschlussanfragen von Rechenzentren würden letztlich nicht umgesetzt. Weltweit berichten 67 Prozent der befragten Energieversorger von sogenannten Phantom-Lastanfragen. Rund 19 Prozent der angemeldeten Strombedarfe würden demnach nie realisiert. Dadurch werde die Investitionsplanung erschwert, weil Netzbetreiber Kapazitäten für Projekte einplanen müssten, die später nicht umgesetzt werden.

Besonders herausfordernd sei die Entscheidung, wann und wo neue Netzinfrastruktur entstehen soll. Einerseits müssten Energieversorger genügend Kapazitäten für den erwarteten Ausbau von Rechenzentren schaffen. Andererseits gelte es, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Zusätzlich belaste die räumliche Konzentration großer Rechenzentren lokale Stromnetze. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht darin laut Studie ein wesentliches Hindernis für eine stabile Stromversorgung.

Sebastian Menge, Vice President und Leiter Energy Platforms bei Capgemini Invent Deutschland, erklärt, KI verändere Energiesysteme weit über das dynamische Wachstum der Stromnachfrage hinaus. Denn sie mache auch Engpässe bei Netzkapazitäten und Stromverfügbarkeit sichtbar. Energieversorger könnten KI jedoch auch einsetzen, um Netze effizienter zu steuern und verfügbare Kapazitäten besser zu nutzen. 

Die Studie sieht KI deshalb in einer Doppelrolle. Einerseits treibt sie den Stromverbrauch durch den Betrieb und das Training großer KI-Modelle. Laut den Befragten könnte der Anteil dieser Anwendungen am gesamten Stromverbrauch von Rechenzentren innerhalb von drei bis fünf Jahren von derzeit 25 Prozent auf 60 Prozent steigen. Andererseits erwarten rund 60 Prozent der Energieversorger, dass KI die Netzplanung und den Netzbetrieb verbessert.

Bislang nutzen allerdings vergleichsweise wenige Unternehmen diese Möglichkeiten umfassend. Nach Angaben von Capgemini setzen derzeit weltweit 45 Prozent der Energieversorger KI zur Netzoptimierung ein. Nur 16 Prozent verfügen über fortgeschrittene KI-Anwendungen, etwa zur Optimierung von Stromflüssen oder zur Echtzeitsteuerung der Netze. In Deutschland liegen die Anteile mit 37 beziehungsweise 12 Prozent darunter.

Eigenstromversorgung für Rechenzentren

Als Reaktion auf lange Anschlusszeiten und Netzengpässe investieren Rechenzentrumsbetreiber laut Studie zunehmend in eigene Energieversorgungssysteme. Fast 30 Prozent setzen bereits auf Vor-Ort-Erzeugung, weitere 39 Prozent planen entsprechende Anlagen innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre. Mehr als 70 Prozent erwarten, dadurch ihre Abhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz innerhalb von fünf Jahren deutlich zu verringern.
 
Entscheidungen für die Energieversorgung für Rechenzentren -
Für Vollbild auf die Grafik klicken
Quelle: Capgemini

Für die langfristige Stromversorgung halten die Befragten einen diversifizierten Energiemix für notwendig. Erneuerbare Energien allein könnten nach Einschätzung von 78 Prozent der Energieverantwortlichen derzeit noch keine kontinuierliche Versorgung großer KI-Rechenzentren gewährleisten. Deshalb investieren viele Unternehmen zusätzlich in Batteriespeicher. Rund zwei Drittel der Befragten sehen Erdgas nach Angaben der Studie als Übergangslösung, bis erneuerbare Energien und Speichertechnologien ausreichend ausgebaut sind.

Die Capgemini-Studie „AI meets the grid“ steht in englischer Sprache als PDF zum Download bereit.

Montag, 29.06.2026, 15:01 Uhr
Susanne Harmsen

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.