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Energie & Management > Politik - Studie: EEG-Reform macht kleine PV-Anlagen unwirtschaftlich
Quelle: Fraunhofer ISE / Agora
Politik

Studie: EEG-Reform macht kleine PV-Anlagen unwirtschaftlich

Die Denkfabrik Agora Energiewende empfiehlt eine längere Übergangsfrist für PV-Dachanlagen in der laufenden EEG-Reform. Andernfalls drohe ein Markteinbruch beim privaten Ausbau.
Mit der geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) will die Bundesregierung Betreiber kleiner Photovoltaik-Dachanlagen schrittweise aus der festen Einspeisevergütung herausführen. Künftig sollen Haushalte ihren Solarstrom direkt über Dienstleister vermarkten oder auf die Einspeisung ins Netz verzichten. Nach einer Analyse der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende könnte dieser Schritt jedoch den Ausbau kleiner Dachanlagen deutlich bremsen.

Laut Agora Energiewende würde die verpflichtende Direktvermarktung die Kosten für viele Privathaushalte spürbar erhöhen. Für einen Vier-Personen-Haushalt in einem Bestandsgebäude entstünden je nach Eigenverbrauch jährliche Mehrkosten zwischen 185 und 277 Euro. Vor allem für Haushalte ohne Wärmepumpe oder Elektroauto ginge dadurch die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage verloren. Bisher liegt die Direktvermarktungsgrenze von Erneuerbaren-Anlagen, abgesehen von ganz alten Einheiten, bei 100 kW aufwärts.

Stromvermarktung zu teuer

Als Hauptgrund für die Verteuerung nennt der Thinktank die derzeit hohen Kosten für die Direktvermarktung. Diese liegen laut Agora bei rund 140 Euro pro Jahr. Damit sich die Vermarktung auch für Anlagen mit geringerem Eigenverbrauch rechne, müssten diese Kosten auf unter 50 Euro jährlich sinken.

Noch ungünstiger bewertet Agora die im Gesetzentwurf ebenfalls vorgesehene Möglichkeit der Nulleinspeisung. Dabei verzichten Anlagenbetreiber vollständig auf die Einspeisung ihres Solarstroms ins öffentliche Netz. Für einen Vier-Personen-Haushalt würden sich die jährlichen Mehrkosten nach Berechnungen des Thinktanks auf 281 bis 333 Euro belaufen. Zudem würde weniger Solarstrom ins Stromsystem gelangen, wodurch laut Agora der preisdämpfende Effekt an der Strombörse geringer ausfiele.

„Kleine PV-Dachanlagen stehen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit. Doch die vom Gesetzgeber vorgesehene Direktvermarktung ist derzeit noch komplex und teuer für Privathaushalte“, erklärt Julia Bläsius, Direktorin Deutschland bei Agora Energiewende. Nach ihrer Einschätzung sollte die Bundesregierung zunächst die technischen und regulatorischen Voraussetzungen schaffen, bevor die verpflichtende Marktintegration umgesetzt wird.
 
Ohne Übergang droht ein Markteinbruch bei privater PV -
Für Vollbild auf die Grafik klicken
Quelle: Agora / Fraunhofer ISE

Technische Voraussetzungen schaffen

Zu diesen Voraussetzungen zählen laut Agora standardisierte digitale Schnittstellen zwischen Solaranlagen und Strommarkt, ein flächendeckender Einbau intelligenter Messsysteme sowie verbindliche Umsetzungsfristen für Netzbetreiber.

Kritisch sieht der Thinktank auch die vorgesehene Übergangszeit. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass neue Anlagen zwei Jahre lang den durchschnittlichen Marktwert für Solarstrom erhalten, bevor sie vollständig in die Direktvermarktung wechseln. Nach Einschätzung von Agora reicht dieser Zeitraum nicht aus, damit sich kostengünstige Vermarktungsangebote am Markt etablieren können.

Übergangsfrist verdoppeln

Stattdessen schlägt die Organisation eine Übergangsfrist von vier Jahren vor. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Förderkosten für neue Anlagen würden sich nach Berechnungen von Agora im Jahr 2030 auf rund 160 Millionen Euro belaufen. Zum Vergleich verweist der Thinktank darauf, dass derzeit jährlich rund 8 Milliarden Euro aus dem EEG-Konto in die Förderung aller Solaranlagen fließen. Diese Ausgaben würden bis 2035 auf etwa 1,5 Milliarden Euro sinken, weil ältere Anlagen schrittweise aus der Förderung herausfallen.

Falls die Direktvermarktung innerhalb der Übergangszeit wirtschaftlich nicht tragfähig werde, empfiehlt Agora zudem eine Auffanglösung. In diesem Fall könnten Netzbetreiber den Solarstrom zum aktuellen Börsenstrompreis vermarkten und die Erlöse nach Abzug einer geringen Gebühr an die Anlagenbetreiber auszahlen.

Einkommensschwache zahlen höchsten Strompreis

Darüber hinaus spricht sich Agora für gezielte Fördermaßnahmen zugunsten einkommensschwächerer Haushalte aus. Nach Berechnungen des Thinktanks können Haushalte mit Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Elektroauto ihre Energiekosten gegenüber konventionellen Technologien um rund ein Drittel senken.

Damit diese Einsparungen auch Haushalten mit geringerem Einkommen zugutekommen, seien unter anderem soziale Leasingangebote für Wärmepumpen und Elektroautos sowie gezielte Förderprogramme erforderlich.

Die Analyse basiert auf Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), das im Auftrag von Agora Energiewende die Wirtschaftlichkeit verschiedener Vergütungsmodelle über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht hat. Dabei wurden Investitionskosten, Stromerlöse und verbleibende Stromkosten den Kosten eines Haushalts ohne Photovoltaik- und Batteriesystem gegenübergestellt.

Die Analyse „Vom Hausdach in den Strommarkt“ der Agora Energiewende steht als PDF zum Download bereit.

Dienstag, 30.06.2026, 15:10 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Politik - Studie: EEG-Reform macht kleine PV-Anlagen unwirtschaftlich
Quelle: Fraunhofer ISE / Agora
Politik
Studie: EEG-Reform macht kleine PV-Anlagen unwirtschaftlich
Die Denkfabrik Agora Energiewende empfiehlt eine längere Übergangsfrist für PV-Dachanlagen in der laufenden EEG-Reform. Andernfalls drohe ein Markteinbruch beim privaten Ausbau.
Mit der geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) will die Bundesregierung Betreiber kleiner Photovoltaik-Dachanlagen schrittweise aus der festen Einspeisevergütung herausführen. Künftig sollen Haushalte ihren Solarstrom direkt über Dienstleister vermarkten oder auf die Einspeisung ins Netz verzichten. Nach einer Analyse der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende könnte dieser Schritt jedoch den Ausbau kleiner Dachanlagen deutlich bremsen.

Laut Agora Energiewende würde die verpflichtende Direktvermarktung die Kosten für viele Privathaushalte spürbar erhöhen. Für einen Vier-Personen-Haushalt in einem Bestandsgebäude entstünden je nach Eigenverbrauch jährliche Mehrkosten zwischen 185 und 277 Euro. Vor allem für Haushalte ohne Wärmepumpe oder Elektroauto ginge dadurch die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage verloren. Bisher liegt die Direktvermarktungsgrenze von Erneuerbaren-Anlagen, abgesehen von ganz alten Einheiten, bei 100 kW aufwärts.

Stromvermarktung zu teuer

Als Hauptgrund für die Verteuerung nennt der Thinktank die derzeit hohen Kosten für die Direktvermarktung. Diese liegen laut Agora bei rund 140 Euro pro Jahr. Damit sich die Vermarktung auch für Anlagen mit geringerem Eigenverbrauch rechne, müssten diese Kosten auf unter 50 Euro jährlich sinken.

Noch ungünstiger bewertet Agora die im Gesetzentwurf ebenfalls vorgesehene Möglichkeit der Nulleinspeisung. Dabei verzichten Anlagenbetreiber vollständig auf die Einspeisung ihres Solarstroms ins öffentliche Netz. Für einen Vier-Personen-Haushalt würden sich die jährlichen Mehrkosten nach Berechnungen des Thinktanks auf 281 bis 333 Euro belaufen. Zudem würde weniger Solarstrom ins Stromsystem gelangen, wodurch laut Agora der preisdämpfende Effekt an der Strombörse geringer ausfiele.

„Kleine PV-Dachanlagen stehen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit. Doch die vom Gesetzgeber vorgesehene Direktvermarktung ist derzeit noch komplex und teuer für Privathaushalte“, erklärt Julia Bläsius, Direktorin Deutschland bei Agora Energiewende. Nach ihrer Einschätzung sollte die Bundesregierung zunächst die technischen und regulatorischen Voraussetzungen schaffen, bevor die verpflichtende Marktintegration umgesetzt wird.
 
Ohne Übergang droht ein Markteinbruch bei privater PV -
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Quelle: Agora / Fraunhofer ISE

Technische Voraussetzungen schaffen

Zu diesen Voraussetzungen zählen laut Agora standardisierte digitale Schnittstellen zwischen Solaranlagen und Strommarkt, ein flächendeckender Einbau intelligenter Messsysteme sowie verbindliche Umsetzungsfristen für Netzbetreiber.

Kritisch sieht der Thinktank auch die vorgesehene Übergangszeit. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass neue Anlagen zwei Jahre lang den durchschnittlichen Marktwert für Solarstrom erhalten, bevor sie vollständig in die Direktvermarktung wechseln. Nach Einschätzung von Agora reicht dieser Zeitraum nicht aus, damit sich kostengünstige Vermarktungsangebote am Markt etablieren können.

Übergangsfrist verdoppeln

Stattdessen schlägt die Organisation eine Übergangsfrist von vier Jahren vor. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Förderkosten für neue Anlagen würden sich nach Berechnungen von Agora im Jahr 2030 auf rund 160 Millionen Euro belaufen. Zum Vergleich verweist der Thinktank darauf, dass derzeit jährlich rund 8 Milliarden Euro aus dem EEG-Konto in die Förderung aller Solaranlagen fließen. Diese Ausgaben würden bis 2035 auf etwa 1,5 Milliarden Euro sinken, weil ältere Anlagen schrittweise aus der Förderung herausfallen.

Falls die Direktvermarktung innerhalb der Übergangszeit wirtschaftlich nicht tragfähig werde, empfiehlt Agora zudem eine Auffanglösung. In diesem Fall könnten Netzbetreiber den Solarstrom zum aktuellen Börsenstrompreis vermarkten und die Erlöse nach Abzug einer geringen Gebühr an die Anlagenbetreiber auszahlen.

Einkommensschwache zahlen höchsten Strompreis

Darüber hinaus spricht sich Agora für gezielte Fördermaßnahmen zugunsten einkommensschwächerer Haushalte aus. Nach Berechnungen des Thinktanks können Haushalte mit Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Elektroauto ihre Energiekosten gegenüber konventionellen Technologien um rund ein Drittel senken.

Damit diese Einsparungen auch Haushalten mit geringerem Einkommen zugutekommen, seien unter anderem soziale Leasingangebote für Wärmepumpen und Elektroautos sowie gezielte Förderprogramme erforderlich.

Die Analyse basiert auf Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), das im Auftrag von Agora Energiewende die Wirtschaftlichkeit verschiedener Vergütungsmodelle über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht hat. Dabei wurden Investitionskosten, Stromerlöse und verbleibende Stromkosten den Kosten eines Haushalts ohne Photovoltaik- und Batteriesystem gegenübergestellt.

Die Analyse „Vom Hausdach in den Strommarkt“ der Agora Energiewende steht als PDF zum Download bereit.

Dienstag, 30.06.2026, 15:10 Uhr
Susanne Harmsen

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