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Energie & Management > Lng-Terminals - Politik rückt offenbar von Standort Sellin ab
Das LNG-Terminal mit der "Höegh Esperanza" in Wilhelmshaven ist bereits in Betrieb. Quelle: N-Ports
Lng-Terminals

Politik rückt offenbar von Standort Sellin ab

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lässt Alternativen zum Bau eines Terminals für Flüssigerdgas (LNG) vor Rügen untersuchen. Aber auch gegen diese gibt es Widerstand.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur prüft das Wirtschaftsministerium den Standort Hafen Mukran als Alternative zu Sellin (beides auf der Insel Rügen) und präferiert nach dem aktuellen Stand Mukran für den LNG-Umschlag. Eine Entscheidung soll zeitnah getroffen werden, hieß es.

Der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Reinhard Meyer (SPD), sieht sich damit in seiner Haltung bestätigt: „Wir brauchen eine Lösung, die auf mehr Akzeptanz stößt als ein Standort 5 Kilometer vor Sellin. Das hat der Bund verstanden“, sagte er. Man habe viele Gespräche mit dem Bund geführt, damit er Alternativen zu einem Standort Sellin in den Blick nimmt. „Das haben wir erreicht und der Bund prüft jetzt Alternativen weiter raus auf See, in Mukran und in Rostock.“

Proteste gegen Erkundungsarbeiten

Ungeachtet von Widerständen aus der Bevölkerung und Ablehnung durch Kommunalpolitiker und Landesregierung waren am Wochenende – wie berichtet – vor Sellin Vorarbeiten für den Bau der beiden Terminal-Anleger angelaufen. Die überraschenden Aktivitäten hatten teils für heftige Reaktionen gesorgt. Wie der Energiekonzern RWE, der die LNG-Anlage bauen und betreiben soll, mitteilte, handelt es sich lediglich um Erkundungsarbeiten, die vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee genehmigt wurden. Zwei Spezialschiffe seien im Einsatz, um die Bodenbeschaffenheit zu prüfen, was auch die Suche nach Weltkriegs-Munition umfasse.

Proteste gegen die Arbeiten kamen nicht nur prompt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die auf die Vogelrastzeiten und die aktuellen Laichzeiten für Heringe verwies, die aber auch die energiepolitische Sinnhaftigkeit des Vorhabens generell anzweifelt. In den vergangenen Wochen hatten sich die Stimmen gemehrt, die hinterfragen, ob die Bundesregierung in Sachen LNG-Kapazitäten nicht zu viel des Guten tut. Schließlich will Deutschland bis 2045 klimaneutral sein.

Protest auch gegen Mukran

Auch die 37 Bürgermeister von der Insel und aus Stralsund lehnen die Pläne zum Bau des Importterminals in Sichtweite der Badestrände ab. Man werde „mit aller Entschiedenheit und den uns zur Verfügung stehenden Mitteln“ gegen das Projekt vorgehen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Zudem wurde eine entsprechende Petition gestartet.

Derweil formiert sich um den Alternativ-Standort Mukran herum ebenfalls Widerstand: "Der Standort Mukran ist definitiv keine passende Alternative, heißt es in einer Mitteilung von fünf Bürgermeistern vom 22. März. Die Rathauschefs der Ostseebäder Mönchgut, Sellin, Baabe, Göhren und Binz vom Südosten der Insel forderten, Rügen insgesamt von den LNG-Planungen der Bundesregierung auszunehmen. 

Beim Manövrieren Hafenanlage beschädigt

Für Aufsehen sorgte aktuell ein Zwischenfall am 21. März mit einer der Plattformen. Beim Manövrieren im Hafen Mukran wurde offenbar die Halterung eines Fenders beschädigt. Im Zuge einer daraufhin von der Wasserschutzpolizei durchgeführten Kontrolle kam es zu Beanstandungen: Die Beamten bemängelten etwa die Lagerung ölhaltiger Flüssigkeiten in Containern statt in Tanks. Es wurden Sicherheitsleistungen in Höhe von knapp 10.000 Euro eingezogen, die Arbeiten durften aber fortgesetzt werden.

Vorgesehen war bisher die Errichtung zweier Offshore-Plattformen vor Sellin, an denen FSRU genannte Regasifizierungseinheiten (Floating Storage and Regasification Units) zur Anlandung von Flüssigerdgas festmachen können.

Schwimmende LNG-Terminals sind bereits in Lubmin, Wilhelmshaven und Brunsbüttel in Betrieb. In Lubmin, Wilhelmshaven und Stade sollen bis Ende des Jahres weitere dazukommen. Stationäre Anlagen mit Lagertanks sind bis 2025 / 2026 in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Stade vorgesehen.

Mittwoch, 22.03.2023, 15:54 Uhr
Gnter Drewitzky / dpa
Energie & Management > Lng-Terminals - Politik rückt offenbar von Standort Sellin ab
Das LNG-Terminal mit der "Höegh Esperanza" in Wilhelmshaven ist bereits in Betrieb. Quelle: N-Ports
Lng-Terminals
Politik rückt offenbar von Standort Sellin ab
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lässt Alternativen zum Bau eines Terminals für Flüssigerdgas (LNG) vor Rügen untersuchen. Aber auch gegen diese gibt es Widerstand.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur prüft das Wirtschaftsministerium den Standort Hafen Mukran als Alternative zu Sellin (beides auf der Insel Rügen) und präferiert nach dem aktuellen Stand Mukran für den LNG-Umschlag. Eine Entscheidung soll zeitnah getroffen werden, hieß es.

Der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Reinhard Meyer (SPD), sieht sich damit in seiner Haltung bestätigt: „Wir brauchen eine Lösung, die auf mehr Akzeptanz stößt als ein Standort 5 Kilometer vor Sellin. Das hat der Bund verstanden“, sagte er. Man habe viele Gespräche mit dem Bund geführt, damit er Alternativen zu einem Standort Sellin in den Blick nimmt. „Das haben wir erreicht und der Bund prüft jetzt Alternativen weiter raus auf See, in Mukran und in Rostock.“

Proteste gegen Erkundungsarbeiten

Ungeachtet von Widerständen aus der Bevölkerung und Ablehnung durch Kommunalpolitiker und Landesregierung waren am Wochenende – wie berichtet – vor Sellin Vorarbeiten für den Bau der beiden Terminal-Anleger angelaufen. Die überraschenden Aktivitäten hatten teils für heftige Reaktionen gesorgt. Wie der Energiekonzern RWE, der die LNG-Anlage bauen und betreiben soll, mitteilte, handelt es sich lediglich um Erkundungsarbeiten, die vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee genehmigt wurden. Zwei Spezialschiffe seien im Einsatz, um die Bodenbeschaffenheit zu prüfen, was auch die Suche nach Weltkriegs-Munition umfasse.

Proteste gegen die Arbeiten kamen nicht nur prompt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die auf die Vogelrastzeiten und die aktuellen Laichzeiten für Heringe verwies, die aber auch die energiepolitische Sinnhaftigkeit des Vorhabens generell anzweifelt. In den vergangenen Wochen hatten sich die Stimmen gemehrt, die hinterfragen, ob die Bundesregierung in Sachen LNG-Kapazitäten nicht zu viel des Guten tut. Schließlich will Deutschland bis 2045 klimaneutral sein.

Protest auch gegen Mukran

Auch die 37 Bürgermeister von der Insel und aus Stralsund lehnen die Pläne zum Bau des Importterminals in Sichtweite der Badestrände ab. Man werde „mit aller Entschiedenheit und den uns zur Verfügung stehenden Mitteln“ gegen das Projekt vorgehen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Zudem wurde eine entsprechende Petition gestartet.

Derweil formiert sich um den Alternativ-Standort Mukran herum ebenfalls Widerstand: "Der Standort Mukran ist definitiv keine passende Alternative, heißt es in einer Mitteilung von fünf Bürgermeistern vom 22. März. Die Rathauschefs der Ostseebäder Mönchgut, Sellin, Baabe, Göhren und Binz vom Südosten der Insel forderten, Rügen insgesamt von den LNG-Planungen der Bundesregierung auszunehmen. 

Beim Manövrieren Hafenanlage beschädigt

Für Aufsehen sorgte aktuell ein Zwischenfall am 21. März mit einer der Plattformen. Beim Manövrieren im Hafen Mukran wurde offenbar die Halterung eines Fenders beschädigt. Im Zuge einer daraufhin von der Wasserschutzpolizei durchgeführten Kontrolle kam es zu Beanstandungen: Die Beamten bemängelten etwa die Lagerung ölhaltiger Flüssigkeiten in Containern statt in Tanks. Es wurden Sicherheitsleistungen in Höhe von knapp 10.000 Euro eingezogen, die Arbeiten durften aber fortgesetzt werden.

Vorgesehen war bisher die Errichtung zweier Offshore-Plattformen vor Sellin, an denen FSRU genannte Regasifizierungseinheiten (Floating Storage and Regasification Units) zur Anlandung von Flüssigerdgas festmachen können.

Schwimmende LNG-Terminals sind bereits in Lubmin, Wilhelmshaven und Brunsbüttel in Betrieb. In Lubmin, Wilhelmshaven und Stade sollen bis Ende des Jahres weitere dazukommen. Stationäre Anlagen mit Lagertanks sind bis 2025 / 2026 in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Stade vorgesehen.

Mittwoch, 22.03.2023, 15:54 Uhr
Gnter Drewitzky / dpa

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