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Energie & Management > Politik - Mehrheit zweifelt an Zukunft fossiler Energien
Quelle: Pixabay / Jörn Heller
Politik

Mehrheit zweifelt an Zukunft fossiler Energien

Laut Energiebarometer von Vattenfall halten 65 Prozent der Befragten ein fossiles Energiesystem für langfristig nicht wettbewerbsfähig. Grundlage ist eine repräsentative Umfrage.
Knapp zwei Drittel der Menschen in Deutschland gehen davon aus, dass eine auf fossilen Brennstoffen basierende Wirtschaft langfristig keine Wettbewerbsfähigkeit besitzt. Das zeigt das aktuelle Energiebarometer des Energiekonzerns Vattenfall. Für die Erhebung befragte das Marktforschungsinstitut Statista bundesweit 1.000 Personen repräsentativ. Demnach stimmen 65 Prozent der Aussage zu, dass ein fossiles Energiesystem langfristig nicht konkurrenzfähig ist, während 35 Prozent diese Einschätzung nicht teilen.

Nach Einschätzung von Robert Zurawski, Deutschlandchef von Vattenfall, liegt ein zentraler Grund in den Importabhängigkeiten. Fossile Energieträger wie Erdöl, LNG oder Steinkohle seien in Deutschland und Europa deutlich teurer als in anderen Regionen der Welt, da sie überwiegend importiert werden müssten. Zurawski sieht darin einen strukturellen Nachteil für den Wirtschaftsstandort. Ein dekarbonisiertes Energiesystem erhöhe aus seiner Sicht nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die Unabhängigkeit und Resilienz von Deutschland und Europa.

Lieber in Erneuerbare investieren als Kohle kaufen

Zurawski verweist dabei auf Zahlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Demnach gibt Deutschland seit 2008 im Durchschnitt rund 81 Milliarden Euro pro Jahr für den Import fossiler Brennstoffe aus. Würden diese Mittel stärker in erneuerbare Energien, Netze und Speicher investiert, entstünde laut Zurawski eine langfristige Infrastruktur mit hoher Verfügbarkeit und perspektivisch günstigeren Preisen. Zudem erhöhe sich die energiepolitische Unabhängigkeit.

Die Umfrage zeigt auch eine breite Unterstützung für die Klimaschutzziele der Bundesregierung. 78 Prozent der Befragten geben an, dass es für Deutschland wichtig oder sehr wichtig sei, bis 2045 klimaneutral zu werden. 22 Prozent halten dieses Ziel für weniger oder nicht wichtig.

Zurawski leitet daraus eine klare Erwartung an die Politik ab. Viele Menschen hätten erkannt, dass sich Deutschland eine Abschwächung der Energiewende langfristig nicht leisten könne. „Deshalb brauchen wir weiterhin einen konsequenten und schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie, flexiblen Speichern und Netzen sowie mehr Flexibilität auch auf der Nachfrageseite“, fordert er.

Hemmnisse abbauen

Gleichzeitig sehen die Befragten zahlreiche Hemmnisse für die Energiewende. 59 Prozent nennen hohe Kosten für Industrie und Verbraucher als zentrales Problem. 58 Prozent sehen Bürokratie und eine aus ihrer Sicht zu starke Regulierung als Bremsfaktoren. Unklare politische Vorgaben bemängeln 49 Prozent, lange Genehmigungsprozesse 46 Prozent.

Für 42 Prozent kommt der Ausbau der Stromnetze zu langsam voran, während 35 Prozent lokalen Widerstand gegen Energieprojekte als Hindernis sehen. Auch aus Sicht von Vattenfall seien dies zentrale Herausforderungen, an denen die Politik arbeiten müsse, betont Zurawski. Investoren benötigten vor allem Planungssicherheit.

Eine deutliche Mehrheit der Befragten spricht sich zudem für eine staatliche Förderung von erneuerbarem Strom aus. 80 Prozent beantworten die Frage, ob erneuerbare Energien weiterhin gefördert werden sollten, mit ja oder eher ja. 20 Prozent lehnen dies ab. Zurawski verweist darauf, dass Vattenfall neue Solar- und Offshore-Windparks heute bereits größtenteils ohne direkte staatliche Förderungen realisiere. Zugleich sei ein verlässlicher Investitionsrahmen notwendig, um das Ausbautempo für einen Anteil erneuerbarer Energien von 80 Prozent am Strommix bis 2030 aufrechtzuerhalten.

Mehrheit will weniger Stromsteuer zahlen

Auch bei der Stromsteuer zeigt die Umfrage ein klares Meinungsbild. 70 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass alle Haushalte von einer Absenkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß profitieren sollten. Nach der aktuellen Regelung kommen entsprechende Entlastungen vor allem dem produzierenden Gewerbe sowie der Land- und Forstwirtschaft zugute. Zurawski hält eine generelle Absenkung, insbesondere mit Blick auf Elektromobilität und Wärmepumpen, für sinnvoll. Günstigere Strompreise könnten die Nachfrage nach klimafreundlichen Mobilitäts- und Wärmelösungen erhöhen.

Differenzierter fallen die Antworten zur gezielten Entlastung aus. 28 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, Unternehmen mit Investitionen in energieeffiziente Technologien bei der Stromsteuer stärker zu entlasten. 27 Prozent plädieren für eine Entlastung aller Unternehmen, während 26 Prozent eine stärkere Begünstigung von Haushalten wünschen, die in energieeffiziente Technologien investieren.

Dienstag, 20.01.2026, 12:36 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Politik - Mehrheit zweifelt an Zukunft fossiler Energien
Quelle: Pixabay / Jörn Heller
Politik
Mehrheit zweifelt an Zukunft fossiler Energien
Laut Energiebarometer von Vattenfall halten 65 Prozent der Befragten ein fossiles Energiesystem für langfristig nicht wettbewerbsfähig. Grundlage ist eine repräsentative Umfrage.
Knapp zwei Drittel der Menschen in Deutschland gehen davon aus, dass eine auf fossilen Brennstoffen basierende Wirtschaft langfristig keine Wettbewerbsfähigkeit besitzt. Das zeigt das aktuelle Energiebarometer des Energiekonzerns Vattenfall. Für die Erhebung befragte das Marktforschungsinstitut Statista bundesweit 1.000 Personen repräsentativ. Demnach stimmen 65 Prozent der Aussage zu, dass ein fossiles Energiesystem langfristig nicht konkurrenzfähig ist, während 35 Prozent diese Einschätzung nicht teilen.

Nach Einschätzung von Robert Zurawski, Deutschlandchef von Vattenfall, liegt ein zentraler Grund in den Importabhängigkeiten. Fossile Energieträger wie Erdöl, LNG oder Steinkohle seien in Deutschland und Europa deutlich teurer als in anderen Regionen der Welt, da sie überwiegend importiert werden müssten. Zurawski sieht darin einen strukturellen Nachteil für den Wirtschaftsstandort. Ein dekarbonisiertes Energiesystem erhöhe aus seiner Sicht nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die Unabhängigkeit und Resilienz von Deutschland und Europa.

Lieber in Erneuerbare investieren als Kohle kaufen

Zurawski verweist dabei auf Zahlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Demnach gibt Deutschland seit 2008 im Durchschnitt rund 81 Milliarden Euro pro Jahr für den Import fossiler Brennstoffe aus. Würden diese Mittel stärker in erneuerbare Energien, Netze und Speicher investiert, entstünde laut Zurawski eine langfristige Infrastruktur mit hoher Verfügbarkeit und perspektivisch günstigeren Preisen. Zudem erhöhe sich die energiepolitische Unabhängigkeit.

Die Umfrage zeigt auch eine breite Unterstützung für die Klimaschutzziele der Bundesregierung. 78 Prozent der Befragten geben an, dass es für Deutschland wichtig oder sehr wichtig sei, bis 2045 klimaneutral zu werden. 22 Prozent halten dieses Ziel für weniger oder nicht wichtig.

Zurawski leitet daraus eine klare Erwartung an die Politik ab. Viele Menschen hätten erkannt, dass sich Deutschland eine Abschwächung der Energiewende langfristig nicht leisten könne. „Deshalb brauchen wir weiterhin einen konsequenten und schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie, flexiblen Speichern und Netzen sowie mehr Flexibilität auch auf der Nachfrageseite“, fordert er.

Hemmnisse abbauen

Gleichzeitig sehen die Befragten zahlreiche Hemmnisse für die Energiewende. 59 Prozent nennen hohe Kosten für Industrie und Verbraucher als zentrales Problem. 58 Prozent sehen Bürokratie und eine aus ihrer Sicht zu starke Regulierung als Bremsfaktoren. Unklare politische Vorgaben bemängeln 49 Prozent, lange Genehmigungsprozesse 46 Prozent.

Für 42 Prozent kommt der Ausbau der Stromnetze zu langsam voran, während 35 Prozent lokalen Widerstand gegen Energieprojekte als Hindernis sehen. Auch aus Sicht von Vattenfall seien dies zentrale Herausforderungen, an denen die Politik arbeiten müsse, betont Zurawski. Investoren benötigten vor allem Planungssicherheit.

Eine deutliche Mehrheit der Befragten spricht sich zudem für eine staatliche Förderung von erneuerbarem Strom aus. 80 Prozent beantworten die Frage, ob erneuerbare Energien weiterhin gefördert werden sollten, mit ja oder eher ja. 20 Prozent lehnen dies ab. Zurawski verweist darauf, dass Vattenfall neue Solar- und Offshore-Windparks heute bereits größtenteils ohne direkte staatliche Förderungen realisiere. Zugleich sei ein verlässlicher Investitionsrahmen notwendig, um das Ausbautempo für einen Anteil erneuerbarer Energien von 80 Prozent am Strommix bis 2030 aufrechtzuerhalten.

Mehrheit will weniger Stromsteuer zahlen

Auch bei der Stromsteuer zeigt die Umfrage ein klares Meinungsbild. 70 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass alle Haushalte von einer Absenkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß profitieren sollten. Nach der aktuellen Regelung kommen entsprechende Entlastungen vor allem dem produzierenden Gewerbe sowie der Land- und Forstwirtschaft zugute. Zurawski hält eine generelle Absenkung, insbesondere mit Blick auf Elektromobilität und Wärmepumpen, für sinnvoll. Günstigere Strompreise könnten die Nachfrage nach klimafreundlichen Mobilitäts- und Wärmelösungen erhöhen.

Differenzierter fallen die Antworten zur gezielten Entlastung aus. 28 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, Unternehmen mit Investitionen in energieeffiziente Technologien bei der Stromsteuer stärker zu entlasten. 27 Prozent plädieren für eine Entlastung aller Unternehmen, während 26 Prozent eine stärkere Begünstigung von Haushalten wünschen, die in energieeffiziente Technologien investieren.

Dienstag, 20.01.2026, 12:36 Uhr
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