Installation eines Smart Meters. Quelle: Metrify
Der Berliner Messstellenbetreiber Metrify startet eine bundesweite Initiative, informiert 16 Millionen Haushalte und will bis 2030 insgesamt 2,5 Millionen Smart Meter einbauen.
Der wettbewerbliche Messstellenbetreiber Metrify Smart Metering mit Sitz in Berlin hat eine bundesweite Initiative zum beschleunigten Einbau intelligenter Stromzähler gestartet. Ziel sei es, den Rollout zu vereinfachen und zu beschleunigen, teilte das Unternehmen mit. Bis 2030 plant Metrify, 2,5 Millionen Smart Meter zu installieren – unabhängig von den Ausbauplänen der grundzuständigen Messstellenbetreiber.
Laut Metrify sollen im Rahmen der Initiative rund 16 Millionen Haushalte über die Möglichkeiten intelligenter Messsysteme informiert werden. Gleichzeitig bietet das Unternehmen eine kostenlose Installation an. Die durchschnittliche Umsetzungsdauer gibt Metrify mit etwa sechs Wochen an. Grundlage ist nach Unternehmensangaben ein eigener, überregional koordinierter Rollout-Plan, der Installationskapazitäten bündelt und Abläufe standardisiert.
Smart Meter gelten als zentrale Voraussetzung für die Digitalisierung des Energiesystems. Sie erfassen den Stromverbrauch in kurzen Intervallen und übermitteln die Daten an Netzbetreiber und Energieversorger. Dadurch können Verbraucher ihren Energieeinsatz zeitlich steuern, etwa indem sie stromintensive Anwendungen in Zeiten niedriger Preise verlagern. Zudem ermöglichen die Systeme laut Metrify dynamische Tarife sowie Einsparungen bei Netzentgelten.
Volkswirtschaftlich nützlich
Auch für das Gesamtsystem erwartet die Branche Effekte. Die Unternehmensberatung Roland Berger beziffert den volkswirtschaftlichen Nutzen dezentraler Energielösungen bei intelligenter Netzintegration auf 255 Milliarden Euro. Intelligente Messsysteme könnten dazu beitragen, erneuerbare Energien besser einzubinden und den Bedarf an Netzausbau zu reduzieren.
Der Rollout in Deutschland verläuft bislang vergleichsweise langsam. Nach Angaben aus der Branche lag die Smart-Meter-Quote Ende 2025 bei etwa 5,5 Prozent, was rund 3,1 Millionen installierten Geräten entspricht. In vielen anderen europäischen Ländern sind bereits deutlich höhere Ausstattungsgrade bis zu 80 Prozent erreicht. Als Gründe gelten unter anderem hohe Sicherheitsanforderungen und komplexe regulatorische Vorgaben.
Mehr Dynamik im Markt
„Der Rollout kommt langsam in die Gänge“, erklärte Geschäftsführer Bela Schramm laut Unternehmen. Deutschland habe lange auf besonders hohe Standards gesetzt und liege daher im internationalen Vergleich zurück. Gleichzeitig sehe Metrify inzwischen mehr Dynamik im Markt – sowohl bei Netzbetreibern als auch bei wettbewerblichen Anbietern. Vor kurzem hat die Bundesnetzagentur Verfahren gegen Netzbetreiber eingeleitet, die ihre Pflichten zum Smart-Meter-Rollout noch nicht erfüllt haben (wir berichteten).
Das Unternehmen richtet sich mit seiner Initiative zunächst an Eigentümer von Einfamilienhäusern. In einem weiteren Schritt sollen auch Mehrfamilienhäuser einbezogen werden. Ziel sei es, bestehende Hürden beim Einbau abzubauen und den Zugang zu intelligenter Messtechnik zu erleichtern.
Hintergrund Metrify
Metrify Smart Metering ist ein bundesweit tätiger Messstellenbetreiber und wurde im Sommer 2025 aus der Enpal-Gruppe ausgegründet, einem in Berlin ansässigen Anbieter von Energielösungen mit Fokus auf Photovoltaik und digitale Energiedienstleistungen. Nach eigenen Angaben hat Metrify bislang mehr als 70.000 Smart Meter installiert. Für das laufende Jahr plant das Unternehmen den Einbau von weiteren 100.000 Geräten.
Neben dem Geschäft mit gewerblichen Kunden tritt Metrify über die Marke „DMG Deutsche Messwesen“ auch im Privatkundensegment auf. Das Unternehmen bietet einen digitalisierten Messstellenbetrieb, der Installation, Marktkommunikation und Abrechnung umfasst.
Donnerstag, 2.04.2026, 11:42 Uhr
Susanne Harmsen
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