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Energie & Management > Stromnetz - Erhebliche Kostensenkungen durch Flexibilität
Quelle: E&M / Meyer-Tien
Stromnetz

Erhebliche Kostensenkungen durch Flexibilität

Der systemdienliche Betrieb von Wärmepumpen, Batteriespeichern und Ladestationen führt zu erheblichen Kostensenkungen. Bis zu 70 Prozent lassen sich sparen, so eine Studie.
Das Berliner Beratungsunternehmen „Neon Neue Energieökonomik“ hat in einer Studie den individuellen und volkswirtschaftlichen Mehrwert von dezentraler Flexibilität für das Stromsystem, also dem intelligenten Betrieb von Elektroautos, Heimspeichern und Wärmepumpen untersucht. Auftraggeber war der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI).

Vor allem das Flexibilitätspotenzial dieser Verbraucher betrachtet die Neon-Neon-Untersuchung:
  • Solarbatterien können Strom dann einspeichern, wenn erneuerbare Energie im Überfluss vorhanden ist und die Netze freie Kapazität haben – und zu Spitzenlastzeiten ausspeichern.
  • Elektrofahrzeuge werden im Schnitt weniger als eine Stunde am Tag bewegt und benötigen nur einen Bruchteil der verbleibenden Zeit, um wieder aufzuladen: intelligent betrieben, laden sie ihre Batterien in der günstigsten Stunde auf.
  • Wärmepumpen können dank Pufferspeicher den Stromverbrauch um einige Stunden verschieben.
Durch eine solche stromsystemdienliche Betriebsweise können Wärmepumpen, Elektroautos und Heimspeicher, so die Autoren, einen wesentlichen Beitrag zur Integration von Wind- und Solarenergie leisten, den Bedarf an neuen Kraftwerken und Großbatterien senken und den notwendige Verteilnetzausbau reduzieren.

Beim systemdienlichen Betrieb einer Wärmepumpe können die Kosten für das Stromsystem um 24 Prozent gegenüber dem lastgetriebenen Betrieb gesenkt werden. Beim Laden des E-Autos sind es sogar mehr als 70 Prozent. Ein konventionell geladenes Elektroauto verursacht also mehr als drei Mal so hohe Kosten im Energiesystem wie ein intelligent geladenes Auto. Zusätzliche Erlöspotentiale wie Intraday-Optimierung oder bidirektionales Laden sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Auch im Geldbeutel des Verbrauchers macht sich das letztendlich bemerkbar: bei Wärmepumpen mit bis zu 19 Prozent, bei Elektroautos mit bis zu 57 Prozent geringeren Kosten.
 
Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken
Quelle: ZVEI

Dr. Anselm Eicke, Autor der Studie erklärte dazu: „Wie wichtig sinnvolle ökonomische Anreize sind, sieht man auch bei Heimspeichern. Die klassische, heute dominierende Eigenverbrauchsoptimierung senkt zwar die Stromrechnung der jeweiligen Haushalte, erzielt aber nahezu keinen Nutzen für das Stromsystem.“ Es erfolge vor allem eine Umverteilung der Kosten des Stromsystems zulasten anderer Verbraucher. „Eine intelligent betriebene Solarbatterie, die anhand eines dynamischen Stromtarifs optimiert wird, schafft hingegen im von uns untersuchten Fall fast sieben Mal mehr Nutzen für das Energiesystem.“

Die Studie empfiehlt dynamische Stromtarife und zeitvariable Netzentgelte, bei denen sich die Strompreise im Stundentakt ändern und so genau die Belastung des Stromsystems widerspiegeln. Prof. Lion Hirth: „Manche befürchten, dass dynamische Stromtarife die Verteilnetze belasten. Unsere Analysen zeigen das Gegenteil: Der marktgetriebene Einsatz der Flexibilität entlastet heutzutage tendenziell das Netz.“ Damit könnten sie die Kosten auch der anderen Netzkunden senken.

Schnellstmöglicher Smart Meter Rollout gefordert

„Ohne die Flexibilisierung dezentraler Stromverbraucher würden unsere Stromnetze in Deutschland trotz Ausbau den steigenden Strombedarf nicht stemmen können und die Systemkosten noch erheblicher anwachsen“, sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, zur Veröffentlichung der Untersuchung. Das Ergebnis habe positiv überrascht.

In der Studie wird auch der schnellstmögliche flächendeckende Rollout intelligenter Messsysteme gefordert. Gleichzeitig, so heißt es, müssten die dynamischen Stromtarife schnell und breit eingeführt sowie zeitvariable Netzentgelte ermöglicht werden. Über Preissignale induzierte Verbrauchsanpassungen seien in ihrer Breitenwirkung zielführender als steuernde Eingriffe etwa durch den Netzbetreiber und sollten daher vorrangig genutzt werden.

Die Kurzstudie „Mehrwert dezentraler Flexibilität“ kann beim ZVEI heruntergeladen werden.

Dienstag, 19.03.2024, 13:39 Uhr
Gnter Drewnitzky
Energie & Management > Stromnetz - Erhebliche Kostensenkungen durch Flexibilität
Quelle: E&M / Meyer-Tien
Stromnetz
Erhebliche Kostensenkungen durch Flexibilität
Der systemdienliche Betrieb von Wärmepumpen, Batteriespeichern und Ladestationen führt zu erheblichen Kostensenkungen. Bis zu 70 Prozent lassen sich sparen, so eine Studie.
Das Berliner Beratungsunternehmen „Neon Neue Energieökonomik“ hat in einer Studie den individuellen und volkswirtschaftlichen Mehrwert von dezentraler Flexibilität für das Stromsystem, also dem intelligenten Betrieb von Elektroautos, Heimspeichern und Wärmepumpen untersucht. Auftraggeber war der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI).

Vor allem das Flexibilitätspotenzial dieser Verbraucher betrachtet die Neon-Neon-Untersuchung:
  • Solarbatterien können Strom dann einspeichern, wenn erneuerbare Energie im Überfluss vorhanden ist und die Netze freie Kapazität haben – und zu Spitzenlastzeiten ausspeichern.
  • Elektrofahrzeuge werden im Schnitt weniger als eine Stunde am Tag bewegt und benötigen nur einen Bruchteil der verbleibenden Zeit, um wieder aufzuladen: intelligent betrieben, laden sie ihre Batterien in der günstigsten Stunde auf.
  • Wärmepumpen können dank Pufferspeicher den Stromverbrauch um einige Stunden verschieben.
Durch eine solche stromsystemdienliche Betriebsweise können Wärmepumpen, Elektroautos und Heimspeicher, so die Autoren, einen wesentlichen Beitrag zur Integration von Wind- und Solarenergie leisten, den Bedarf an neuen Kraftwerken und Großbatterien senken und den notwendige Verteilnetzausbau reduzieren.

Beim systemdienlichen Betrieb einer Wärmepumpe können die Kosten für das Stromsystem um 24 Prozent gegenüber dem lastgetriebenen Betrieb gesenkt werden. Beim Laden des E-Autos sind es sogar mehr als 70 Prozent. Ein konventionell geladenes Elektroauto verursacht also mehr als drei Mal so hohe Kosten im Energiesystem wie ein intelligent geladenes Auto. Zusätzliche Erlöspotentiale wie Intraday-Optimierung oder bidirektionales Laden sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Auch im Geldbeutel des Verbrauchers macht sich das letztendlich bemerkbar: bei Wärmepumpen mit bis zu 19 Prozent, bei Elektroautos mit bis zu 57 Prozent geringeren Kosten.
 
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Quelle: ZVEI

Dr. Anselm Eicke, Autor der Studie erklärte dazu: „Wie wichtig sinnvolle ökonomische Anreize sind, sieht man auch bei Heimspeichern. Die klassische, heute dominierende Eigenverbrauchsoptimierung senkt zwar die Stromrechnung der jeweiligen Haushalte, erzielt aber nahezu keinen Nutzen für das Stromsystem.“ Es erfolge vor allem eine Umverteilung der Kosten des Stromsystems zulasten anderer Verbraucher. „Eine intelligent betriebene Solarbatterie, die anhand eines dynamischen Stromtarifs optimiert wird, schafft hingegen im von uns untersuchten Fall fast sieben Mal mehr Nutzen für das Energiesystem.“

Die Studie empfiehlt dynamische Stromtarife und zeitvariable Netzentgelte, bei denen sich die Strompreise im Stundentakt ändern und so genau die Belastung des Stromsystems widerspiegeln. Prof. Lion Hirth: „Manche befürchten, dass dynamische Stromtarife die Verteilnetze belasten. Unsere Analysen zeigen das Gegenteil: Der marktgetriebene Einsatz der Flexibilität entlastet heutzutage tendenziell das Netz.“ Damit könnten sie die Kosten auch der anderen Netzkunden senken.

Schnellstmöglicher Smart Meter Rollout gefordert

„Ohne die Flexibilisierung dezentraler Stromverbraucher würden unsere Stromnetze in Deutschland trotz Ausbau den steigenden Strombedarf nicht stemmen können und die Systemkosten noch erheblicher anwachsen“, sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, zur Veröffentlichung der Untersuchung. Das Ergebnis habe positiv überrascht.

In der Studie wird auch der schnellstmögliche flächendeckende Rollout intelligenter Messsysteme gefordert. Gleichzeitig, so heißt es, müssten die dynamischen Stromtarife schnell und breit eingeführt sowie zeitvariable Netzentgelte ermöglicht werden. Über Preissignale induzierte Verbrauchsanpassungen seien in ihrer Breitenwirkung zielführender als steuernde Eingriffe etwa durch den Netzbetreiber und sollten daher vorrangig genutzt werden.

Die Kurzstudie „Mehrwert dezentraler Flexibilität“ kann beim ZVEI heruntergeladen werden.

Dienstag, 19.03.2024, 13:39 Uhr
Gnter Drewnitzky

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