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Das Land Baden-Württemberg wird mittelbar Betreiber eines kommerziellen Windparks. Der entsteht auf landeseigenen Waldflächen und soll unter der Regie eines Landesbetriebs laufen.
Die Stadtwerke Stuttgart verfolgen nicht länger das Ziel, im südwestlich gelegenen Nachbar-Landkreis Böblingen einen Windpark im Wald zu entwickeln. Die Projektrechte an der weitgehend genehmigungsreifen Turbinensammlung in Jettingen sollen vielmehr an die „ForstBW Green Energy GmbH“ gehen, heißt es in einer Mitteilung der Schwaben.
Es wäre laut Bettina Ambacher der erste eigene Windpark der GmbH, die am 3. Juli 2024 als 100-prozentige Tochter der Forstbehörde Baden-Württembergs (Forst BW) an den Start ging. Forst BW gehört dem Land, das damit mittelbar zum Windpark-Betreiber wird.
Ambacher ist seit rund einem Jahr Geschäftsführerin der in Tübingen-Bebenhausen ansässigen Forst-BW-Tochter. Es soll nach ihren Angaben nicht das letzte Windprojekt auf landeseigenen Forstflächen bleiben, so Ambacher im Gespräch mit der Redaktion.
Forst BW Green Energy im Wettbewerb mit anderen Projektierern
Für einige weitere Windpark-Projekte komme die Teilnahme an den – nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – obligatorischen Ausschreibungsrunden allerdings nicht vor Ende des Jahrzehnts infrage. Eine finale Übereinkunft mit dem Stuttgarter Versorger, von dem Ambacher 2025 zu Forst BW Green Energy wechselte, stehe überdies noch aus.
Mit der Tochtergesellschaft nimmt Forst BW also den Wettstreit mit privatwirtschaftlich organisierten Projektgesellschaften um Windkraftflächen auf. Flächen, die Forst BW selbst an Investoren vergibt. Ambacher versichert, dass ihre Gesellschaft keine Sonderrechte genieße. Es gebe die Flächen weder billiger, noch werde das Unternehmen bei der Vergabe bevorzugt. Für die rechtliche Einschätzung verweist sie an das Mutterunternehmen. Deren Sprecher bat für die Rückmeldung (aus Urlaubsgründen) noch um etwas Geduld.
Grundsätzlich sieht Forst BW das Engagement als Windpark-Entwickler und -Betreiber als Beitrag, um die Klimaschutzziele Baden-Württembergs zu erreichen. Vorrangiges Betätigungsfeld der GmbH sei das Errichten von Windkraftwerken und Freiflächen-Solaranlagen. Zwei Solaranlagen sind bereits auf der Internetseite des jungen Tochterunternehmens zu finden.
Das wirtschaftliche Interesse stellt Forst BW gar nicht in Abrede. Die Forstbehörde erschließe sich „zusätzliche Ertragsquellen, um unabhängiger vom Holzverkauf zu werden“, heißt es auf der Internetseite. In den Blick nehme die Gesellschaft dabei überdies „hauptsächlich landeseigene Flächen“.
Das Unternehmen wolle mit ihrer Geschäftstätigkeit eine „lokal akzeptierte Energiewende“ gestalten, in enger Zusammenarbeit mit kommunalen Akteuren wie Stadtwerken, Bürgerenergiegenossenschaften und etablierten Projektierern. Dabei verstehe man sich „als verlängerte Werkbank, Finanzierungsgeber und Multiplikator für mehr Akzeptanz vor Ort“.
Ambacher betont, dass die Energie-Gesellschaft ihre Projekte grundsätzlich von Beginn an entwickeln wolle. Zugleich sieht sie Handlungsoptionen, sollte ein Investor einen Windpark auf ausgewiesenen Flächen nicht zum Ende führen wollen. „Dann prüfen wir, ob wir den Park weiterbauen können“, so Ambacher.
Das Projekt der Stadtwerke Stuttgart in Jettingen wäre genau dieser Fall. Gleichwohl hat der kommende Park sein Gesicht verändert. In Absprache mit der Kommune sollen noch vier statt fünf Windkraftanlagen entstehen. Auf eine Turbine in 500 Metern Nähe zu der nächstgelegenen Bebauung haben die Stadtwerke verzichtet. Jetzt beträgt der Abstand mehr als anderthalb Kilometer zu den nächsten Wohngebäuden.
Die Stadtwerke selbst geben übrigens „übergeordnete projektspezifische Gründe“ für den designierten Verkauf an Forst BW Green Energy an. Diese seien „letztendlich auch durch die Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen verursacht“, so Peter Drausnigg, Technischer Geschäftsführer. Das könnte bedeuten, dass die Forst-BW-Tochter eher bereit ist, geringere Umsatzerwartungen zu akzeptieren als der kommunale Versorger. (vs)
Dienstag, 11.08.2026, 17:25 Uhr
Volker Stephan
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