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Der DVGW hat in Berlin politische Forderungen für 2026 vorgelegt. Der Verband verlangt mehr steuerbare Kraftwerkskapazitäten und den Schutz kritischer Infrastruktur.
Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaresilienz müssen nach Einschätzung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) Leitlinien der Energie- und Wasserpolitik bleiben. Bei einem Pressegespräch zum Jahresauftakt in Berlin stellte der DVGW seine politischen Forderungen vor. Im Mittelpunkt steht aus Sicht des Verbands die bezahlbare und sichere Energieversorgung als Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität.
Der DVGW begrüßt die erzielte Einigung zur Kraftwerksstrategie von Europäischer Kommission und Bundesregierung. Der DVGW-Vorstandsvorsitzende Gerald Linke sprach von einem wichtigen Signal für Energiesicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz. „Nun kommt es darauf an, dass die Regierungsparteien die vereinbarten Ziele zügig umsetzen“, mahnte er.
Kraftwerksstrategie noch unzureichendDer DVGW sieht in der Einigung mit Brüssel ein Bekenntnis zur Rolle von Erdgas in der Transformationsphase hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung. Gaskraftwerke können nach Einschätzung des Verbands die volatile Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausgleichen und auch bei längeren Dunkelflauten Versorgungssicherheit gewährleisten. Im Vergleich zu Kohlekraftwerken verursachen sie geringere CO2-Emissionen.
Positiv bewertet der DVGW, dass die EU-Vorgaben zur H2-Readiness eine schrittweise Dekarbonisierung ermöglichen und wasserstofffähige Kraftwerke Teil der Ausschreibungen werden sollen. Kritisch sieht der Verband jedoch den Umfang der geplanten Kapazitäten. Die vereinbarten 12.000 MW entsprächen lediglich früheren Planungen und blieben hinter dem von der Bundesregierung genannten Ziel von mindestens 20.000 MW Kapazität zurück. Zudem habe der Neustart des Verfahrens Zeit gekostet. Der DVGW fordert, die Ausschreibungen für steuerbare Kapazitäten noch in diesem Jahr zu starten und weitere Planungen vorzulegen.
Wasserstoffhochlauf braucht klare MengenBeim Wasserstoff sieht der DVGW Deutschland in einer möglichen technologischen Schlüsselrolle. Laut dem Verband sichert ein früher Hochlauf die künftige Versorgung mit klimaneutralen Gasen und eröffnet Exportchancen für Technik und Regelwerke. Als Beispiele nennt der DVGW ein Projekt des Kasseler Fernleitungsnetzbetreibers Gascade, bei dem ein rund 400 Kilometer langes Leitungssystem mit Wasserstoff befüllt wurde, sowie die internationale Zusammenarbeit mit Indien. Dort unterstütze der DVGW die Entwicklung eines Wasserstoff-Regelwerks.
Kritik äußert der Verband am Monitoringbericht der Bundesregierung zur Energiewende vom September 2025. Darin fehlten konkrete Angaben zum künftigen Wasserstoffbedarf. Eine Expertenkommission gehe hingegen von 300 bis 600 Milliarden kWh aus, um die Klimaschutzziele zu erreichen.
Nach Einschätzung des DVGW wird Deutschland zudem ab 2030 verstärkt auf Importe angewiesen sein. Der Verband spricht sich deshalb für einen technologieoffenen Ansatz aus, der verschiedene Erzeugungsarten von Wasserstoff sowie einen stärkeren Ausbau von Biomethan einschließt. Für den Wärmemarkt hält der DVGW einen rein elektrischen Ansatz für nicht ausreichend.
Schutz kritischer Infrastruktur und Wasser als StandortfaktorAuch beim Schutz der Kritischen Infrastruktur sieht der DVGW politischen Handlungsbedarf. Leitungsverläufe von Gas- und Wasserinfrastrukturen sollten nach Ansicht des Verbands nicht allgemein zugänglich sein. Gleichzeitig fordert der DVGW praxistaugliche Regelungen bei der Umsetzung der europäischen NIS-2-Richtlinie und des geplanten Kritis-Dachgesetzes. Unklare Vorgaben, enge Fristen und zusätzliche Kosten könnten laut dem Verband die Betreiber belasten und die Versorgungssicherheit gefährden.
Die
Energiepolitischen Forderungen des DVGW stehen im Internet bereit.
Donnerstag, 22.01.2026, 12:16 Uhr
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