E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > IT - Cyberangriffe durch den Einsatz von KI zunehmend präziser
BBH-Konferenz Cybersecurity 2026. Quelle: Susanne Harmsen
IT

Cyberangriffe durch den Einsatz von KI zunehmend präziser

Auf einer BBH-Konferenz in Berlin diskutierten Vertreter von Energieunternehmen und Experten über Cyberangriffe, Sabotage und die Umsetzung neuer Sicherheitsvorgaben.
Cyberangriffe, Sabotageversuche und physische Bedrohungen für kritische Infrastrukturen nehmen zu. Wie sich Energie- und Infrastrukturunternehmen darauf vorbereiten können und welche Lehren sie aus Sicherheitsvorfällen ziehen sollten, stand im Mittelpunkt der „BBH-Konferenz Cybersicherheit und Resilienz 2026“ am 25. Juni in Berlin.

Thomas Schmeding, Partner der Berliner Kanzlei Becker Büttner Held (BBH), verwies auf die zunehmende Bedrohungslage. Nach seinen Angaben wurden 2025 mehr als 11.000 Drohnenflüge über kritischer Infrastruktur gemeldet. Zudem erfolge weltweit alle elf Sekunden ein Ransomware-Angriff auf Unternehmen. Laut Schmeding registrierte Microsoft allein im ersten Quartal 2026 rund 8,3 Milliarden Phishing-Angriffe. 

Besondere Herausforderungen ergeben sich nach Einschätzung der Teilnehmer durch die Umsetzung der europäischen NIS2-Richtlinie. Durch die neue Definition kritischer Infrastrukturen seien nun deutlich mehr Unternehmen betroffen. Dazu zählten auch kleinere Energieversorger, Ladeinfrastrukturbetreiber oder Biogasunternehmen. Laut Schmeding haben sich bislang rund 18.300 Unternehmen registriert, geschätzt sollten jedoch etwa 40.000 Unternehmen unter die Vorgaben fallen. Viele Betriebe seien mit den neuen Anforderungen noch überfordert.

Praxisblick aus der Energiewirtschaft

Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW 21), berichtete von praktischen Erfahrungen. Er verwies auf einen Cyberangriff auf einen kommunalen Versorger in Schwerte, bei dem zeitweise wieder mit Papier und Bleistift gearbeitet werden musste. Die DEW 21 habe deshalb eine eigene Einheit für Sicherheitsfragen aufgebaut.

Holtmeier benannte auch externe IT-Dienstleister als Risiko, wenn nicht mehr klar ist, wer welchen Zugriff und welche Verantwortung wahrnimmt. Aus seiner Sicht müsse Cybersicherheit als Führungsaufgabe verstanden werden. Unternehmen sollten Krisenstäbe gemeinsam mit Kommunen, dem Technischen Hilfswerk und weiteren Behörden aufbauen. Zudem sprach sich Holtmeier für einen besseren Schutz von Informationen aus, die Unternehmen an Behörden melden durch geschützte Plattformen. 

Risikofaktor Mensch im Blick

Sylvia Borcherding, Geschäftsführerin Corporate Services bei 50 Hertz, betonte die Bedeutung einer unternehmensweiten Sicherheitskultur. Der Berliner Übertragungsnetzbetreiber verfüge bereits über ein zertifiziertes Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS). Dennoch müssten alle Beschäftigten für Risiken sensibilisiert werden. 

Mit Blick auf die laufende Überarbeitung des IT-Anforderungskatalogs warnte Borcherding vor einer möglichen Überregulierung. Insbesondere kleinere Dienstleister könnten verschärfte Anforderungen oft nicht erfüllen. Dadurch bestehe die Gefahr, dass sich bestimmte Dienstleistungen auf wenige Anbieter konzentrieren. Dies könne wiederum neue Abhängigkeiten und Sicherheitsrisiken schaffen.

Zusätzliche Überprüfung neuer Mitarbeiter

Claudia Rathfux, Geschäftsführerin der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, sieht Unternehmen ebenfalls vor neuen Herausforderungen. Klassische Störfälle seien in Netzbetrieben zwar eingeübt, Sabotageakte oder gezielte Cyberangriffe stellten jedoch andere Anforderungen. Zudem würden Angriffe durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zunehmend präziser und schwerer erkennbar.

Die NBB habe deshalb zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. „Änderungen von Bankverbindungen würden besonders geprüft, um Phishing-Rechnungen zu identifizieren“, sagte sie. Dienstleister erhielten nur noch mit Multifaktor-Authentifizierung Zugriff auf Systeme.

IT-Sicherheit als Prozess

Rathfux machte deutlich, dass IT-Sicherheit kein Projekt mit festem Enddatum sei. Unternehmen müssten ihre Schutzmaßnahmen kontinuierlich weiterentwickeln. Gleichzeitig seien wirtschaftliche Grenzen zu berücksichtigen. Weder könne das gesamte Verteilnetz unterirdisch verlegt noch jede Anlage rund um die Uhr bewacht werden. Stattdessen gelte es, besonders kritische Punkte zu identifizieren und gezielt abzusichern.

Mehrfach wurde auf der Konferenz ein besserer Austausch über Sicherheitsvorfälle gefordert. Rathfux kritisierte, dass Unternehmen häufig erst aus Medienberichten von Angriffen auf Geschäftspartner erfahren. Auch Sicherheitsinformationen an Behörden dürften keine Einbahnstraße mehr sein. Nach Meldungen an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fehle häufig eine Rückmeldung, ob ähnliche Vorfälle andernorts aufgetreten seien oder Teil einer größeren Angriffskampagne seien.

Borcherding unterstützte diese Forderung. Zudem regte sie eine engere Zusammenarbeit zwischen Sicherheits- und Energiebehörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene an. 

Donnerstag, 25.06.2026, 15:55 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > IT - Cyberangriffe durch den Einsatz von KI zunehmend präziser
BBH-Konferenz Cybersecurity 2026. Quelle: Susanne Harmsen
IT
Cyberangriffe durch den Einsatz von KI zunehmend präziser
Auf einer BBH-Konferenz in Berlin diskutierten Vertreter von Energieunternehmen und Experten über Cyberangriffe, Sabotage und die Umsetzung neuer Sicherheitsvorgaben.
Cyberangriffe, Sabotageversuche und physische Bedrohungen für kritische Infrastrukturen nehmen zu. Wie sich Energie- und Infrastrukturunternehmen darauf vorbereiten können und welche Lehren sie aus Sicherheitsvorfällen ziehen sollten, stand im Mittelpunkt der „BBH-Konferenz Cybersicherheit und Resilienz 2026“ am 25. Juni in Berlin.

Thomas Schmeding, Partner der Berliner Kanzlei Becker Büttner Held (BBH), verwies auf die zunehmende Bedrohungslage. Nach seinen Angaben wurden 2025 mehr als 11.000 Drohnenflüge über kritischer Infrastruktur gemeldet. Zudem erfolge weltweit alle elf Sekunden ein Ransomware-Angriff auf Unternehmen. Laut Schmeding registrierte Microsoft allein im ersten Quartal 2026 rund 8,3 Milliarden Phishing-Angriffe. 

Besondere Herausforderungen ergeben sich nach Einschätzung der Teilnehmer durch die Umsetzung der europäischen NIS2-Richtlinie. Durch die neue Definition kritischer Infrastrukturen seien nun deutlich mehr Unternehmen betroffen. Dazu zählten auch kleinere Energieversorger, Ladeinfrastrukturbetreiber oder Biogasunternehmen. Laut Schmeding haben sich bislang rund 18.300 Unternehmen registriert, geschätzt sollten jedoch etwa 40.000 Unternehmen unter die Vorgaben fallen. Viele Betriebe seien mit den neuen Anforderungen noch überfordert.

Praxisblick aus der Energiewirtschaft

Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW 21), berichtete von praktischen Erfahrungen. Er verwies auf einen Cyberangriff auf einen kommunalen Versorger in Schwerte, bei dem zeitweise wieder mit Papier und Bleistift gearbeitet werden musste. Die DEW 21 habe deshalb eine eigene Einheit für Sicherheitsfragen aufgebaut.

Holtmeier benannte auch externe IT-Dienstleister als Risiko, wenn nicht mehr klar ist, wer welchen Zugriff und welche Verantwortung wahrnimmt. Aus seiner Sicht müsse Cybersicherheit als Führungsaufgabe verstanden werden. Unternehmen sollten Krisenstäbe gemeinsam mit Kommunen, dem Technischen Hilfswerk und weiteren Behörden aufbauen. Zudem sprach sich Holtmeier für einen besseren Schutz von Informationen aus, die Unternehmen an Behörden melden durch geschützte Plattformen. 

Risikofaktor Mensch im Blick

Sylvia Borcherding, Geschäftsführerin Corporate Services bei 50 Hertz, betonte die Bedeutung einer unternehmensweiten Sicherheitskultur. Der Berliner Übertragungsnetzbetreiber verfüge bereits über ein zertifiziertes Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS). Dennoch müssten alle Beschäftigten für Risiken sensibilisiert werden. 

Mit Blick auf die laufende Überarbeitung des IT-Anforderungskatalogs warnte Borcherding vor einer möglichen Überregulierung. Insbesondere kleinere Dienstleister könnten verschärfte Anforderungen oft nicht erfüllen. Dadurch bestehe die Gefahr, dass sich bestimmte Dienstleistungen auf wenige Anbieter konzentrieren. Dies könne wiederum neue Abhängigkeiten und Sicherheitsrisiken schaffen.

Zusätzliche Überprüfung neuer Mitarbeiter

Claudia Rathfux, Geschäftsführerin der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, sieht Unternehmen ebenfalls vor neuen Herausforderungen. Klassische Störfälle seien in Netzbetrieben zwar eingeübt, Sabotageakte oder gezielte Cyberangriffe stellten jedoch andere Anforderungen. Zudem würden Angriffe durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zunehmend präziser und schwerer erkennbar.

Die NBB habe deshalb zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. „Änderungen von Bankverbindungen würden besonders geprüft, um Phishing-Rechnungen zu identifizieren“, sagte sie. Dienstleister erhielten nur noch mit Multifaktor-Authentifizierung Zugriff auf Systeme.

IT-Sicherheit als Prozess

Rathfux machte deutlich, dass IT-Sicherheit kein Projekt mit festem Enddatum sei. Unternehmen müssten ihre Schutzmaßnahmen kontinuierlich weiterentwickeln. Gleichzeitig seien wirtschaftliche Grenzen zu berücksichtigen. Weder könne das gesamte Verteilnetz unterirdisch verlegt noch jede Anlage rund um die Uhr bewacht werden. Stattdessen gelte es, besonders kritische Punkte zu identifizieren und gezielt abzusichern.

Mehrfach wurde auf der Konferenz ein besserer Austausch über Sicherheitsvorfälle gefordert. Rathfux kritisierte, dass Unternehmen häufig erst aus Medienberichten von Angriffen auf Geschäftspartner erfahren. Auch Sicherheitsinformationen an Behörden dürften keine Einbahnstraße mehr sein. Nach Meldungen an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fehle häufig eine Rückmeldung, ob ähnliche Vorfälle andernorts aufgetreten seien oder Teil einer größeren Angriffskampagne seien.

Borcherding unterstützte diese Forderung. Zudem regte sie eine engere Zusammenarbeit zwischen Sicherheits- und Energiebehörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene an. 

Donnerstag, 25.06.2026, 15:55 Uhr
Susanne Harmsen

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.