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Energie & Management > Biogas - Branchentreffen fordert Kurswechsel
Quelle: Fotolia / Gerhard Seybert
Biogas

Branchentreffen fordert Kurswechsel

Teilnehmer einer Branchenklausur im Kloster Haydau fordern bessere Rahmenbedingungen für Biogas-Speicherkraftwerke, um Versorgungssicherheit und Energiewende zu sichern.
Die Biogaswirtschaft fordert einen grundlegenden Kurswechsel in der Energiepolitik. In der „Haydauer Erklärung 2026“ kritisieren die Teilnehmenden einer Klausurtagung im Kloster Haydau am 27. und 28. März politische und regulatorische Rahmenbedingungen, die aus ihrer Sicht den Ausbau gesicherter erneuerbarer Leistung behindern. Stattdessen würden bestehende fossile Strukturen weiter gestärkt.

Die Energiewende trete in eine entscheidende Phase ein, heißt es in dem gemeinsamen Statement. Zwar schreite der Ausbau von Wind- und Solarenergie voran, doch bleibe die Bereitstellung steuerbarer Leistung eine zentrale Herausforderung für die Versorgungssicherheit. Aktuelle geopolitische Entwicklungen unterstrichen zudem die Bedeutung einer möglichst importunabhängigen Energieversorgung.

Einheimische Biogaserzeugung gefährdet

Im Fokus der Kritik steht insbesondere der Entwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Laut den Tagungsteilnehmern soll das Ausschreibungsvolumen für gesicherte Leistung aus Biogasanlagen um mehr als 60 Prozent sinken.

Dies hätte weitreichende Folgen: Rund 80 Prozent der inländischen Biogaserzeugung könnten stillgelegt werden. Für die Landwirtschaft würde dies einen Verlust von etwa sechs Milliarden Euro Wertschöpfung bedeuten, was etwa 20 Prozent des Produktionswertes im Ackerbau entspricht.

Die Branche hebt die Rolle von Biogas-Speicherkraftwerken hervor. Diese könnten Strom und Wärme flexibel bereitstellen, seien technologisch erprobt und kurzfristig verfügbar. Dennoch blieben ihre Potenziale bislang ungenutzt. Laut Erklärung könnten solche Anlagen Versorgungssicherheit, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung miteinander verbinden.

Fünf zentrale politische Forderungen

Erstens solle gesicherte erneuerbare Leistung Vorrang vor neuen fossilen Gaskraftwerken erhalten. Bioenergie sei bereits Teil der Kraftwerksstrategie und könne flexibel Strom und Wärme liefern. Ein weiterer Ausbau fossiler Kapazitäten sei nicht erforderlich, wenn vorhandene Flexibilitätspotenziale genutzt würden.

Zweitens fordert die Branche eine Anpassung von Vergütung und Finanzierung. Das bestehende Ausschreibungsdesign berücksichtige die tatsächliche Systemleistung nicht ausreichend. Künftig solle nicht nur installierte Leistung, sondern die tatsächlich bereitgestellte Flexibilität bewertet werden. Zudem schlagen die Teilnehmer eine Versorgungssicherheitsumlage vor, um Investitionen in gesicherte erneuerbare Leistung verlässlich zu finanzieren.

Drittens sehen die Autoren der Erklärung Handlungsbedarf beim Netzanschluss. Flexible Speicherkraftwerke würden bislang nicht nach ihrem Beitrag zur Systemstabilität priorisiert. Insbesondere in Regionen mit begrenzten Netzkapazitäten könnten Biogasanlagen mit mehr als 2 GW Leistung durch flexiblen Betrieb zur Integration erneuerbarer Energien beitragen und Kosten senken. Netzanschlussverfahren müssten daher stärker auf Systemdienlichkeit ausgerichtet werden.

Viertens betont die Branche die Bedeutung von Biogas für die Wärmewende. Vor allem im ländlichen Raum könnten Biogasanlagen die Grundlage für wirtschaftliche und klimaneutrale Wärmenetze bilden. Als Speicherkraftwerke weiterentwickelt, würden sie eine zentrale Rolle in der Sektorkopplung einnehmen und regionale Wertschöpfung sichern.

Fünftens unterstreicht die Erklärung die Bedeutung flexibler erneuerbarer Leistung für eine vollständig klimaneutrale Energieversorgung. Mit einem Anteil von rund 60 Prozent erneuerbarer Stromerzeugung rücke der Kohleausstieg näher. Entscheidend sei nun der Ausbau gesicherter Leistung, um die Residuallast abzudecken und das Stromsystem zu stabilisieren.

Speicherkraftwerke ausbauen

Die Autoren verweisen auf Studien, die dem Einsatz von Bioenergie in flexiblen Anlagen volkswirtschaftliche Vorteile bescheinigen. Durch die Kombination von Strom- und Wärmeerzeugung sowie Sektorkopplung könnten Kosten in Milliardenhöhe eingespart werden. Zudem könne die heimische Bioenergieproduktion konjunkturelle Effekte entfalten und Importabhängigkeiten reduzieren.

Abschließend fordern die Teilnehmer, die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen konsequent auf den Ausbau von Speicherkraftwerken auszurichten. Diese seien kein ergänzender Baustein, sondern eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende.

Donnerstag, 2.04.2026, 10:47 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Biogas - Branchentreffen fordert Kurswechsel
Quelle: Fotolia / Gerhard Seybert
Biogas
Branchentreffen fordert Kurswechsel
Teilnehmer einer Branchenklausur im Kloster Haydau fordern bessere Rahmenbedingungen für Biogas-Speicherkraftwerke, um Versorgungssicherheit und Energiewende zu sichern.
Die Biogaswirtschaft fordert einen grundlegenden Kurswechsel in der Energiepolitik. In der „Haydauer Erklärung 2026“ kritisieren die Teilnehmenden einer Klausurtagung im Kloster Haydau am 27. und 28. März politische und regulatorische Rahmenbedingungen, die aus ihrer Sicht den Ausbau gesicherter erneuerbarer Leistung behindern. Stattdessen würden bestehende fossile Strukturen weiter gestärkt.

Die Energiewende trete in eine entscheidende Phase ein, heißt es in dem gemeinsamen Statement. Zwar schreite der Ausbau von Wind- und Solarenergie voran, doch bleibe die Bereitstellung steuerbarer Leistung eine zentrale Herausforderung für die Versorgungssicherheit. Aktuelle geopolitische Entwicklungen unterstrichen zudem die Bedeutung einer möglichst importunabhängigen Energieversorgung.

Einheimische Biogaserzeugung gefährdet

Im Fokus der Kritik steht insbesondere der Entwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Laut den Tagungsteilnehmern soll das Ausschreibungsvolumen für gesicherte Leistung aus Biogasanlagen um mehr als 60 Prozent sinken.

Dies hätte weitreichende Folgen: Rund 80 Prozent der inländischen Biogaserzeugung könnten stillgelegt werden. Für die Landwirtschaft würde dies einen Verlust von etwa sechs Milliarden Euro Wertschöpfung bedeuten, was etwa 20 Prozent des Produktionswertes im Ackerbau entspricht.

Die Branche hebt die Rolle von Biogas-Speicherkraftwerken hervor. Diese könnten Strom und Wärme flexibel bereitstellen, seien technologisch erprobt und kurzfristig verfügbar. Dennoch blieben ihre Potenziale bislang ungenutzt. Laut Erklärung könnten solche Anlagen Versorgungssicherheit, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung miteinander verbinden.

Fünf zentrale politische Forderungen

Erstens solle gesicherte erneuerbare Leistung Vorrang vor neuen fossilen Gaskraftwerken erhalten. Bioenergie sei bereits Teil der Kraftwerksstrategie und könne flexibel Strom und Wärme liefern. Ein weiterer Ausbau fossiler Kapazitäten sei nicht erforderlich, wenn vorhandene Flexibilitätspotenziale genutzt würden.

Zweitens fordert die Branche eine Anpassung von Vergütung und Finanzierung. Das bestehende Ausschreibungsdesign berücksichtige die tatsächliche Systemleistung nicht ausreichend. Künftig solle nicht nur installierte Leistung, sondern die tatsächlich bereitgestellte Flexibilität bewertet werden. Zudem schlagen die Teilnehmer eine Versorgungssicherheitsumlage vor, um Investitionen in gesicherte erneuerbare Leistung verlässlich zu finanzieren.

Drittens sehen die Autoren der Erklärung Handlungsbedarf beim Netzanschluss. Flexible Speicherkraftwerke würden bislang nicht nach ihrem Beitrag zur Systemstabilität priorisiert. Insbesondere in Regionen mit begrenzten Netzkapazitäten könnten Biogasanlagen mit mehr als 2 GW Leistung durch flexiblen Betrieb zur Integration erneuerbarer Energien beitragen und Kosten senken. Netzanschlussverfahren müssten daher stärker auf Systemdienlichkeit ausgerichtet werden.

Viertens betont die Branche die Bedeutung von Biogas für die Wärmewende. Vor allem im ländlichen Raum könnten Biogasanlagen die Grundlage für wirtschaftliche und klimaneutrale Wärmenetze bilden. Als Speicherkraftwerke weiterentwickelt, würden sie eine zentrale Rolle in der Sektorkopplung einnehmen und regionale Wertschöpfung sichern.

Fünftens unterstreicht die Erklärung die Bedeutung flexibler erneuerbarer Leistung für eine vollständig klimaneutrale Energieversorgung. Mit einem Anteil von rund 60 Prozent erneuerbarer Stromerzeugung rücke der Kohleausstieg näher. Entscheidend sei nun der Ausbau gesicherter Leistung, um die Residuallast abzudecken und das Stromsystem zu stabilisieren.

Speicherkraftwerke ausbauen

Die Autoren verweisen auf Studien, die dem Einsatz von Bioenergie in flexiblen Anlagen volkswirtschaftliche Vorteile bescheinigen. Durch die Kombination von Strom- und Wärmeerzeugung sowie Sektorkopplung könnten Kosten in Milliardenhöhe eingespart werden. Zudem könne die heimische Bioenergieproduktion konjunkturelle Effekte entfalten und Importabhängigkeiten reduzieren.

Abschließend fordern die Teilnehmer, die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen konsequent auf den Ausbau von Speicherkraftwerken auszurichten. Diese seien kein ergänzender Baustein, sondern eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende.

Donnerstag, 2.04.2026, 10:47 Uhr
Susanne Harmsen

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