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Energie & Management > Effizienz - „Nudges“ helfen nicht immer beim Energiesparen
Quelle: Shutterstock / Rido
Effizienz

„Nudges“ helfen nicht immer beim Energiesparen

Forscher haben untersucht, wie kleine verhaltensökonomische Impulse den Energieverbrauch senken können. Das funktioniert aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.
Die „Chancen und Grenzen verhaltensökonomischer Impulse“ bei der Energienutzung haben Forscher des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der Universität Paderborn und der Vrije Universiteit Amsterdam untersucht. Können kleine verhaltensökonomische Impulse − sogenannte „Nudges“ − private Haushalte in der Energiekrise zu mehr Einsparungen beim Gasverbrauch bewegen? Darauf versuchten die Forscher, eine Antwort zu finden.

Grundlage der Analyse bildete ein Feldexperiment, das in Zusammenarbeit mit einem deutschen Energieversorger durchgeführt wurde. Zwischen Oktober 2022 und März 2023 beteiligten sich rund 2.600 private Haushalte an einem Gasbonusprogramm. Die Ausgestaltung sah finanzielle Anreize für eine Senkung des witterungsbereinigten Gasverbrauchs im Vergleich zu den Vorjahren vor. Je Haushalt waren Zahlungen von bis zu 165 Euro möglich. Diese setzten sich aus individuellen Boni sowie einem zusätzlichen Gemeinschaftsbonus zusammen, der bei Erreichen gemeinsamer Einsparziele ausgezahlt wurde.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Haushalte während extremer Preisspitzen ohnehin stark sparen. Zusätzliche Nudges entfalten nur dann eine Wirkung, wenn sie gezielt abgestimmt werden. Sie sollten jedoch nicht als One-size- fits-all-Baustein missverstanden werden“, sagt Prof. Dr. Martin Kesternich von der Universität Paderborn.

Ein zentrales Risiko identifizieren die Forscher beim Einsatz von Vergleichsfeedback. Wird der eigene Energieverbrauch in Relation zu anderen Haushalten gesetzt, kann dies unerwünschte Effekte auslösen. Erfahren Haushalte, dass sie überdurchschnittlich viel Gas einsparen, sinkt in manchen Fällen ihre Bereitschaft, die bisherigen Sparanstrengungen fortzusetzen oder weiter zu verstärken. 

„Verhaltenspolitische Instrumente sind keineswegs wirkungslos. Doch in Hochpreisphasen zeigt sich, dass Nudges an ihre Grenzen stoßen“, ergänzt Ko-Autorin Dr. Madeline Werthschulte von der Vrije Universiteit Amsterdam. Besonders deutlich wird dies am sogenannten „Bumerang-Effekt“. Haushalte, die eine Rückmeldung über überdurchschnittliche Einsparerfolge erhielten, reduzierten ihre Bemühungen im weiteren Verlauf des Programms. 

Gleichzeitig führte der Hinweis auf unterdurchschnittliche Einsparungen nicht dazu, dass betroffene Haushalte ihre Anstrengungen im erwarteten Umfang erhöhten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass soziale Vergleichsinformationen selbst in einer akuten Energiekrise auch kontraproduktiv wirken können.

Auch Erinnerungen an geplante Energiesparmaßnahmen zeigten nur begrenzte Effekte. Zwar lassen alternative Berechnungen zusätzliche Einsparungen von rund einem Prozentpunkt erkennen, statistisch belastbar sind diese Befunde jedoch nicht.

Begleitende Befragungen zeigen zudem, dass viele Haushalte ihre eigenen Einsparpotenziale überschätzten oder angekündigte Investitionen nicht umsetzten. Dazu zählten etwa Maßnahmen zur Gebäudedämmung oder der Einbau wassersparender Duschköpfe. „Der Intention-Action-Gap, also die Lücke zwischen geäußerter Absicht und tatsächlichem Handeln, bleibt damit bestehen“, heißt es abschließend. 

Die Untersuchung „Gestaltung von Gassparprogrammen in der Energiekrise: Chancen und Grenzen verhaltensökonomischer Impulse“ kann auf der Internetseite des ZEW heruntergeladen werden. 

Montag, 12.01.2026, 16:35 Uhr
Stefan Sagmeister
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„Nudges“ helfen nicht immer beim Energiesparen
Forscher haben untersucht, wie kleine verhaltensökonomische Impulse den Energieverbrauch senken können. Das funktioniert aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.
Die „Chancen und Grenzen verhaltensökonomischer Impulse“ bei der Energienutzung haben Forscher des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der Universität Paderborn und der Vrije Universiteit Amsterdam untersucht. Können kleine verhaltensökonomische Impulse − sogenannte „Nudges“ − private Haushalte in der Energiekrise zu mehr Einsparungen beim Gasverbrauch bewegen? Darauf versuchten die Forscher, eine Antwort zu finden.

Grundlage der Analyse bildete ein Feldexperiment, das in Zusammenarbeit mit einem deutschen Energieversorger durchgeführt wurde. Zwischen Oktober 2022 und März 2023 beteiligten sich rund 2.600 private Haushalte an einem Gasbonusprogramm. Die Ausgestaltung sah finanzielle Anreize für eine Senkung des witterungsbereinigten Gasverbrauchs im Vergleich zu den Vorjahren vor. Je Haushalt waren Zahlungen von bis zu 165 Euro möglich. Diese setzten sich aus individuellen Boni sowie einem zusätzlichen Gemeinschaftsbonus zusammen, der bei Erreichen gemeinsamer Einsparziele ausgezahlt wurde.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Haushalte während extremer Preisspitzen ohnehin stark sparen. Zusätzliche Nudges entfalten nur dann eine Wirkung, wenn sie gezielt abgestimmt werden. Sie sollten jedoch nicht als One-size- fits-all-Baustein missverstanden werden“, sagt Prof. Dr. Martin Kesternich von der Universität Paderborn.

Ein zentrales Risiko identifizieren die Forscher beim Einsatz von Vergleichsfeedback. Wird der eigene Energieverbrauch in Relation zu anderen Haushalten gesetzt, kann dies unerwünschte Effekte auslösen. Erfahren Haushalte, dass sie überdurchschnittlich viel Gas einsparen, sinkt in manchen Fällen ihre Bereitschaft, die bisherigen Sparanstrengungen fortzusetzen oder weiter zu verstärken. 

„Verhaltenspolitische Instrumente sind keineswegs wirkungslos. Doch in Hochpreisphasen zeigt sich, dass Nudges an ihre Grenzen stoßen“, ergänzt Ko-Autorin Dr. Madeline Werthschulte von der Vrije Universiteit Amsterdam. Besonders deutlich wird dies am sogenannten „Bumerang-Effekt“. Haushalte, die eine Rückmeldung über überdurchschnittliche Einsparerfolge erhielten, reduzierten ihre Bemühungen im weiteren Verlauf des Programms. 

Gleichzeitig führte der Hinweis auf unterdurchschnittliche Einsparungen nicht dazu, dass betroffene Haushalte ihre Anstrengungen im erwarteten Umfang erhöhten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass soziale Vergleichsinformationen selbst in einer akuten Energiekrise auch kontraproduktiv wirken können.

Auch Erinnerungen an geplante Energiesparmaßnahmen zeigten nur begrenzte Effekte. Zwar lassen alternative Berechnungen zusätzliche Einsparungen von rund einem Prozentpunkt erkennen, statistisch belastbar sind diese Befunde jedoch nicht.

Begleitende Befragungen zeigen zudem, dass viele Haushalte ihre eigenen Einsparpotenziale überschätzten oder angekündigte Investitionen nicht umsetzten. Dazu zählten etwa Maßnahmen zur Gebäudedämmung oder der Einbau wassersparender Duschköpfe. „Der Intention-Action-Gap, also die Lücke zwischen geäußerter Absicht und tatsächlichem Handeln, bleibt damit bestehen“, heißt es abschließend. 

Die Untersuchung „Gestaltung von Gassparprogrammen in der Energiekrise: Chancen und Grenzen verhaltensökonomischer Impulse“ kann auf der Internetseite des ZEW heruntergeladen werden. 

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