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Europa hat 2025 laut Wind Europe 19.100 MW Windleistung zugebaut und 45 Milliarden Euro investiert. Der Branchenverband warnt vor Risiken durch Reformpläne bei Strommarkt und ETS.
Europa hat im Jahr 2025 insgesamt 19.100 MW neue Windenergiekapazität installiert. Damit stieg die gesamte Leistung auf 304 GW. Das geht aus dem aktuellen Bericht von Wind Europe hervor. Gleichzeitig investierten Unternehmen laut dem Branchenverband der Windindustrie 45 Milliarden Euro in Projekte, die in den kommenden Jahren realisiert werden sollen.
Wind Europe bewertet die Investitionen als wichtigen Beitrag zur industriellen Wettbewerbsfähigkeit und Energiesicherheit Europas. Zugleich warnt der Verband vor politischen Risiken. Überlegungen zur Reform des EU-Strommarktdesigns sowie eine mögliche Neuverhandlung des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) könnten die Investitionssicherheit beeinträchtigen. Wind Europe-CEO Tinne van der Straeten erklärte: „Eine nachträgliche Änderung der Rahmenbedingungen würde die Wettbewerbsfähigkeit schwächen und Investitionen direkt gefährden.“
Deutschland war 2025 mit 5.200 MW das Land mit dem größten Zubau, gefolgt von der Türkei mit 2.100 MW, Schweden mit 1.800 MW und Spanien mit 1.600 MW. Der Ausbau konzentrierte sich zu 90 Prozent weiterhin auf Projekte an Land. Insgesamt wurden mehr als 17.000 MW Onshore-Windleistung errichtet, davon etwa 2.000 MW im Rahmen von Repowering-Projekten. Neun Länder installierten jeweils mehr als 500 MW.
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Europäischer Windkraftausbau nach Leistung 2016-2025 an Land und auf See (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken) Quelle: Wind Europe |
Besonders dynamisch entwickelte sich der Markt in Litauen. Das baltische Land nahm 759 MW neue Leistung in Betrieb und erhöhte damit seine installierte Kapazität um mehr als 40 Prozent. Windenergie deckte dort laut Wind Europe rund 33 Prozent des Strombedarfs. Der Ausbau unterstütze das Ziel, sich vom russischen Stromnetz zu entkoppeln und die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reduzieren.
Anlagen auf See verzögertIm Offshore-Segment fiel der Ausbau dagegen deutlich schwächer aus. Europa brachte 2025 rund 2.000 MW neue Offshore-Leistung ans Netz – der niedrigste Wert seit 2016. Wind Europe führt dies vor allem auf Bauverzögerungen zurück und erwartet für 2026 einen Nachholeffekt. Neue Offshore-Anlagen wurden ausschließlich in Großbritannien, Deutschland und Frankreich angeschlossen.
Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 rechnet Wind Europe mit einem Zubau von insgesamt 151.000 MW, davon 112.000 MW in der Europäischen Union. Mehr als ein Drittel des EU-Zubaus dürfte aus dem deutschen Onshore-Markt kommen. In vielen anderen Mitgliedstaaten sieht der Verband jedoch strukturelle Hemmnisse.
Netzanschlüsse würgen Zubau abAls größten Engpass nennt Wind Europe den unzureichenden Ausbau der Stromnetze sowie lange Warteschlangen bei Netzanschlüssen. Auch bei der Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Wärme sehen die Analysten Defizite. Die langsame Nachfrageentwicklung schmälere die Geschäftsgrundlage für neue Windprojekte. Ein angekündigter Elektrifizierungsaktionsplan der EU müsse hier gegensteuern, etwa durch stärkere Förderung industrieller Wärmeanwendungen mit Wärmepumpen oder Elektrokesseln sowie durch geringere Abgaben auf Strom.
Zudem kritisiert der Verband Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren. Zwar habe die EU im Rahmen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie Maßnahmen zur Beschleunigung vorgeschlagen. Viele Mitgliedstaaten setzten diese jedoch nur zögerlich um. Die Europäische Kommission habe deshalb Vertragsverletzungsverfahren gegen 26 von 27 EU-Staaten eingeleitet.
Aus Sicht von Wind Europe entscheiden stabile politische Rahmenbedingungen darüber, ob die geplanten Investitionen umgesetzt werden. Angesichts hoher Strompreise und zunehmenden Wettbewerbsdrucks komme es darauf an, Ausbauhemmnisse zügig zu beseitigen und Planungssicherheit zu gewährleisten, fordert der Verband.
Der komplette
Wind Europe-Bericht 2025 steht in englischer Sprache als PDF zum Download bereit.
Donnerstag, 26.02.2026, 14:45 Uhr
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