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Energie & Management > Wasserstoffinfrastruktur - Wasserstoffprojekt schließt erstmals die Lieferkette
Erste Wasserstoffmengen aus Lingen kamen in Marl an. Quelle: RWE / Helmut Kramer
Wasserstoffinfrastruktur

Wasserstoffprojekt schließt erstmals die Lieferkette

Erstmals ist grüner Wasserstoff aus RWE-Elektrolyseuren in Lingen über 120 Kilometer bis Marl geströmt. Dort nutzt ihn der Chemiepark für industrielle Prozesse.
Im laufenden Inbetriebnahmeprozess hat Wasserstoff im Projekt „GET H2 Nukleus“ nun die gesamte Kette von der Erzeugung bis zur industriellen Nutzung durchlaufen. Wie der Münsteraner Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und die Projektpartner am 4. August in einer Mitteilung bekannt geben, strömen erste Mengen über Leitungen von Nowega, Open Grid Europe (OGE) und der Evonik-Tochter Syneqt zum Chemiepark Marl. Dort kommt der Wasserstoff nach Angaben der Unternehmen bereits zum Einsatz.

Laut OGE testen die Unternehmen unter realen Bedingungen auch Abläufe für den künftigen Wasserstoffmarkt. Dazu gehören der Netzzugang, die Buchung von Transportkapazitäten und die Bilanzierung der eingespeisten und entnommenen Mengen.

An den Leitungsverbund sollen weitere Infrastrukturprojekte anschließen. Ende 2025 stellten OGE und Nowega eine zehn Kilometer lange Leitung zwischen Heek und Epe fertig. Sie soll einen geplanten Wasserstoff-Kavernenspeicher von RWE Gas Storage West anbinden. Nach Angaben der Projektpartner soll die Befüllung des Speichers Ende 2026 beginnen; die Inbetriebnahme ist für Mitte 2027 vorgesehen.

Weitere Anbindungen geplant

Bis 2027 wollen OGE und Nowega außerdem eine bestehende Leitung von Legden nach Dorsten auf Wasserstoff umstellen und zwischen Dorsten und Marl eine neue Verbindung errichten. Eine weitere, bereits fertiggestellte Leitung von Synect verbindet den Chemiepark Marl mit der Raffinerie in Gelsenkirchen-Scholven. Damit soll der Nukleus schrittweise zusätzliche Speicher und industrielle Abnehmer erreichen.

Die RWE Generation SE mit Sitz in Essen, die im RWE-Konzern die Wasserstoffaktivitäten bündelt, nimmt in Lingen derzeit zwei Elektrolyseanlagen mit jeweils 100 MW Leistung schrittweise in Betrieb. Die ersten Mengen entstehen laut RWE mit erneuerbarem Strom. Sie erfüllen die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs (Renewable Fuels of Non-Biological Origin, RFNBO). Das heißt: Abnehmer erhalten dafür Nachhaltigkeitsnachweise und können den Wasserstoff auf ihre Dekarbonisierungsziele anrechnen.

Den kommerziellen Betrieb der Elektrolyse-Anlagen in Lingen will RWE erst in den kommenden Monaten aufnehmen. Bis Ende 2026 will RWE zunächst 200 MW Elektrolyseleistung in Betrieb nehmen. Für 2027 nennt das Unternehmen eine Gesamtleistung am Standort von 300 MW.

Das rund 120 Kilometer lange Netz umfasst Leitungen der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und Open Grid Europe (OGE) sowie der Infrastrukturgesellschaft Syneqt. Nowega mit Sitz in Münster betreibt und vermarktet insgesamt rund 1.500 Kilometer Gashochdruckleitungen. Die in Essen ansässige OGE verfügt über ein Fernleitungsnetz von rund 12.000 Kilometern. Syneqt mit Sitz in Marl gehört vollständig zum Chemiekonzern Evonik und betreibt die Chemieparks Marl und Wesseling. Die Wasserstoffleitungen zählen den Projektpartnern zufolge zu den ersten Abschnitten des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes. (ds)
 

GET H2 und GET H2 Nukleus

GET H2 ist eine 2019 gegründete Initiative mit mehr als 50 Unternehmen, Institutionen, Verbänden und Kommunen. Zu den Partnern zählen unter anderem RWE, BP, Nowega, OGE, Gascade, BASF und Salzgitter sowie Kommunen, Hochschulen und Verbände. Sie entwickelt Projekte entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von Erzeugung und Import über Transport und Speicherung bis zur industriellen Nutzung.

Der GET H2 Nukleus ist eines dieser konkreten Vorhaben. Er verbindet die Elektrolyseure von RWE in Lingen über Leitungen von Nowega, OGE und Syneqt mit dem Chemiepark Marl. Teile des GET H2 Nukleus fördern der Bund sowie die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen als wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse (Important Project of Common European Interest, IPCEI) im Programm „Hy2Infra“.
 

 

Dienstag, 4.08.2026, 15:25 Uhr
Davina Spohn
Energie & Management > Wasserstoffinfrastruktur - Wasserstoffprojekt schließt erstmals die Lieferkette
Erste Wasserstoffmengen aus Lingen kamen in Marl an. Quelle: RWE / Helmut Kramer
Wasserstoffinfrastruktur
Wasserstoffprojekt schließt erstmals die Lieferkette
Erstmals ist grüner Wasserstoff aus RWE-Elektrolyseuren in Lingen über 120 Kilometer bis Marl geströmt. Dort nutzt ihn der Chemiepark für industrielle Prozesse.
Im laufenden Inbetriebnahmeprozess hat Wasserstoff im Projekt „GET H2 Nukleus“ nun die gesamte Kette von der Erzeugung bis zur industriellen Nutzung durchlaufen. Wie der Münsteraner Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und die Projektpartner am 4. August in einer Mitteilung bekannt geben, strömen erste Mengen über Leitungen von Nowega, Open Grid Europe (OGE) und der Evonik-Tochter Syneqt zum Chemiepark Marl. Dort kommt der Wasserstoff nach Angaben der Unternehmen bereits zum Einsatz.

Laut OGE testen die Unternehmen unter realen Bedingungen auch Abläufe für den künftigen Wasserstoffmarkt. Dazu gehören der Netzzugang, die Buchung von Transportkapazitäten und die Bilanzierung der eingespeisten und entnommenen Mengen.

An den Leitungsverbund sollen weitere Infrastrukturprojekte anschließen. Ende 2025 stellten OGE und Nowega eine zehn Kilometer lange Leitung zwischen Heek und Epe fertig. Sie soll einen geplanten Wasserstoff-Kavernenspeicher von RWE Gas Storage West anbinden. Nach Angaben der Projektpartner soll die Befüllung des Speichers Ende 2026 beginnen; die Inbetriebnahme ist für Mitte 2027 vorgesehen.

Weitere Anbindungen geplant

Bis 2027 wollen OGE und Nowega außerdem eine bestehende Leitung von Legden nach Dorsten auf Wasserstoff umstellen und zwischen Dorsten und Marl eine neue Verbindung errichten. Eine weitere, bereits fertiggestellte Leitung von Synect verbindet den Chemiepark Marl mit der Raffinerie in Gelsenkirchen-Scholven. Damit soll der Nukleus schrittweise zusätzliche Speicher und industrielle Abnehmer erreichen.

Die RWE Generation SE mit Sitz in Essen, die im RWE-Konzern die Wasserstoffaktivitäten bündelt, nimmt in Lingen derzeit zwei Elektrolyseanlagen mit jeweils 100 MW Leistung schrittweise in Betrieb. Die ersten Mengen entstehen laut RWE mit erneuerbarem Strom. Sie erfüllen die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs (Renewable Fuels of Non-Biological Origin, RFNBO). Das heißt: Abnehmer erhalten dafür Nachhaltigkeitsnachweise und können den Wasserstoff auf ihre Dekarbonisierungsziele anrechnen.

Den kommerziellen Betrieb der Elektrolyse-Anlagen in Lingen will RWE erst in den kommenden Monaten aufnehmen. Bis Ende 2026 will RWE zunächst 200 MW Elektrolyseleistung in Betrieb nehmen. Für 2027 nennt das Unternehmen eine Gesamtleistung am Standort von 300 MW.

Das rund 120 Kilometer lange Netz umfasst Leitungen der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und Open Grid Europe (OGE) sowie der Infrastrukturgesellschaft Syneqt. Nowega mit Sitz in Münster betreibt und vermarktet insgesamt rund 1.500 Kilometer Gashochdruckleitungen. Die in Essen ansässige OGE verfügt über ein Fernleitungsnetz von rund 12.000 Kilometern. Syneqt mit Sitz in Marl gehört vollständig zum Chemiekonzern Evonik und betreibt die Chemieparks Marl und Wesseling. Die Wasserstoffleitungen zählen den Projektpartnern zufolge zu den ersten Abschnitten des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes. (ds)
 

GET H2 und GET H2 Nukleus

GET H2 ist eine 2019 gegründete Initiative mit mehr als 50 Unternehmen, Institutionen, Verbänden und Kommunen. Zu den Partnern zählen unter anderem RWE, BP, Nowega, OGE, Gascade, BASF und Salzgitter sowie Kommunen, Hochschulen und Verbände. Sie entwickelt Projekte entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von Erzeugung und Import über Transport und Speicherung bis zur industriellen Nutzung.

Der GET H2 Nukleus ist eines dieser konkreten Vorhaben. Er verbindet die Elektrolyseure von RWE in Lingen über Leitungen von Nowega, OGE und Syneqt mit dem Chemiepark Marl. Teile des GET H2 Nukleus fördern der Bund sowie die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen als wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse (Important Project of Common European Interest, IPCEI) im Programm „Hy2Infra“.
 

 

Dienstag, 4.08.2026, 15:25 Uhr
Davina Spohn

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