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Die Nachfrage nach Flexibilität stimuliert den Batteriespeichermarkt in Deutschland. In Südosteuropa macht die Unterstützung durch die Politik die Speichermärkte attraktiver.
Die Beratungsgesellschaft Aurora Energy Research mit Büros im englischen Oxford und in Berlin hat die fünfte Ausgabe seines „European Battery Markets Attractiveness Report“ (Batmar) veröffentlicht. Der Bericht weist Deutschland, Großbritannien und Italien als die führenden Batteriemärkte unter 28 europäischen Ländern aus.
Die Spitzenposition Deutschlands sei der hohen Nachfrage nach Flexibilitäten geschuldet. Diese begünstige nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig ein „robustes Marktwachstum“, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt.
Dagegen profitiere der Speichermarkt in Großbritannien vor allem von Erlösen aus dem Markt für Systemdienstleistungen und von Arbitragemöglichkeiten. Italiens kurzfristiger Aufstieg werde maßgeblich durch das staatliche MACSE-Programm (Meccanismo di Approvvigionamento di Capacita di Stoccaggio Elettrico) beeinflusst, welches insbesondere die Entwicklung von Langzeitspeichern zur Netzstabilisierung fördert.
Der Report verzeichnet zwischen 2024 und 2025 einen Anstieg der in Europa installierten Batteriekapazität um mehr als 7 GW auf knapp über 17 GW. Nach Prognosen von Aurora wird die europäische Batteriekapazität bis 2030 auf über 80 GW anwachsen. Die Analysten gehen davon aus, dass Batterien mit längerer Speicherdauer an Bedeutung gewinnen werden, da die Investitionskosten sinken und der Flexibilitätsbedarf in den Strommärkten steigen wird. Bereits liege die Investitionserwartung im Segment der 4-Stunden-Speicher bei 24 Milliarden Euro bis 2030, was mehr als der Hälfte der prognostizierten Gesamtinvestitionen entspricht.
Netzthemen kommen in den Fokus
„Die Batteriemärkte in Europa entwickeln sich rasant“, sagt Eva Zimmermann, Pan-European Senior Research Associate bei Aurora Energy Research. Es seien jedoch unterschiedliche Stadien der Marktentwicklung festzustellen. „Während Großbritannien, Deutschland und Italien reifer werden und infolgedessen mit Herausforderungen wie Netzanschlussbeschränkungen konfrontiert sind, gehen in weniger entwickelten Märkten erste Projekte erst 2026 oder später ans Netz“, so Zimmermann.
Anne Geschke, Pan-European Senior Research Analyst bei Aurora Energy Research, geht davon aus, dass sich die Chancen für Marktteilnehmer entsprechend verändern. „Marktakteure mit höherer Risikoaversion könnten in bestehenden Projekten in reiferen Märkten investieren, während andere versuchen dürften, sich in Märkten zu positionieren, in denen Batteriespeicher erst jetzt an Dynamik gewinnen.“
Der Bericht betont allerdings auch, dass weniger entwickelte Märkte inzwischen an Fahrt aufnehmen. Südosteuropäische Märkte wie Rumänien und Bulgarien zählen laut Aurora mittlerweile zu den zehn attraktivsten Batteriemärkten Europas. Auch eine verstärkte politische Unterstützung trage zu diesem Anstieg der Attraktivität bei.
Angesichts der sich rasch verändernden Rahmenbedingungen steht der Batterieausbau jedoch vor neuen Herausforderungen und Chancen. Der steigende systemische Bedarf an Flexibilität sowie Fragen zur Steuerung von Netzanschluss-Pipelines rücken das Thema Netze zunehmend in den Vordergrund. Schließlich werden in vielen Ländern flexible Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, FCAs) und deren potenzielle Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Battriespeichern diskutiert.
„Da die Realisierung großskaliger Projekte in Märkten mit wenigen gesicherten Cashflows zunehmend schwieriger wird, orientieren sich Batterieinvestoren verstärkt an innovativeren Offtake-Strukturen wie Tolling Agreements, um die Finanzierung zu sichern“, sagt Jörn Richstein, Research Lead, Pan European Power Markets, Policies & Technologies bei Aurora Energy Research.
Der Batterie-Report kann kostenpflichtig bei Aurora Energy bestellt werden.
Montag, 23.02.2026, 16:39 Uhr
Fritz Wilhelm
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