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Energie & Management > Wärmemarkt - Neue Quote soll Heizungsmarkt beleben
Stellten ihren Quotenansatz vor (v.l.): Alexander von Gersdorff, Andreas Stücke, Kai Warnecke und Christian Küchen. Quelle: Deutscher Verband Flüssiggas
Wärmemarkt

Neue Quote soll Heizungsmarkt beleben

Der Heizungsmarkt stockt, viele Eigentümer verschieben die Modernisierung wegen der 65-Prozent-Vorgabe. Eine Verbändeallianz schlägt eine Lösung vor.
Anstatt Verbraucher bei der Erneuerung ihrer Heizungsanlagen auf 65 Prozent erneuerbare Energien zu verpflichten, setzt eine Allianz aus „en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie“, Deutscher Verband Flüssiggas und Haus & Grund Deutschland auf einen neuen Ansatz. Künftig sollen die Inverkehrbringer, also Hersteller und Lieferanten nicht leitungsgebundener flüssiger und gasförmiger Energieträger verpflichtet werden, schrittweise eine steigende Quote erneuerbarer Energien in den Markt zu bringen. „Wir schlagen vor, statt der Verbraucher künftig die Inverkehrbringer in die Pflicht zu nehmen“, sagte en2x-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen.

Der Absatz neuer Heizungen sei 2025 so weit zurückgegangen wie seit 15 Jahren nicht. Als Hauptgründe nennt Küchen die Komplexität des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sowie politische Unsicherheiten. Wer sich heute für eine Erneuerung im Heizungskeller entscheide – insbesondere dort, wo Wärmepumpe oder Fernwärme nicht infrage kämen –, erlebe mitunter, dass die 65-Prozent-Regel zu höheren spezifischen Kosten führe.

Mit der Verbändeallianz solle versucht werden, nicht über die Erneuerungsdynamik in den Heizungskellern die Erneuerbaren ins System zu bringen, sondern für alle Verbraucher – und nicht nur für diejenigen, die erneuert haben. Dann lasse sich mit geringeren Beimischungsquoten im Wärmemarkt mehr erreichen, ähnlich wie im Straßenverkehr, unterstrich Küchen. So sollen Haushalte profitieren, die ihre Heizungsanlage nicht erneuern.

Selbst bei einer moderaten Beimischungsquote von einem Prozent käme man zu größeren Klimaeffekten als unter der heutigen Gesetzgebung, ist Küchen überzeugt. Von rund fünf Millionen Ölheizungen hätten sich im vergangenen Jahr nur 22.000 Hauseigentümer für eine neue Anlage entschieden, also 0,4 Prozent. Um über Beimischungen adäquate Ergebnisse zu liefern, brauche es anfänglich nur geringe Mengen. Das Volumen solle dann jährlich steigen, sodass die Klimaziele für Gebäude erreicht werden könnten.

Küchen sieht in dem Ansatz auch einen Impuls für eine neue Dynamik im Heizungsmarkt. „Am Ende wird es einfacher, planbarer und verlässlicher sein als das, was wir heute an Gesetzen haben.“ Erneuerbare Energien kämen unabhängig vom Fortschritt der Heizungsmodernisierung in den Markt.

„Die Potenziale sind groß“ – grüne Moleküle etwa auf Basis von Bio-Reststoffen, aber auch strombasierte Moleküle. Beim Heizöl ließen sich paraffinische Kraftstoffe beimischen, teils bereits im Raffinerieprozess. Küchen erwartet zudem, dass Gebäudedämmung, Effizienzsteigerung und Wärmepumpen den Bedarf an Molekülen reduzieren. Dann könnten die Beimischungsquoten auch ohne zunehmende Mengen ansteigen.

Zu enger Fokus auf Fernwärme und Strom

Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland, hält die kommunale Wärmeplanung mit dem Blick auf Fernwärme und Strom für zu eng fokussiert. „Wir stellen fest, dass die vorhandenen Stromnetze an ihre Grenzen kommen, Strom nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht und die Kosten in Deutschland zu hoch sind.“ Daher setzt sich der Verband dafür ein, dass auch andere Energieträger wie Gas und Öl gleichgestellt sein müssten, um Alternativen für Eigentümer zu sein. Die Unsicherheit bremse die Erneuerung in den Heizungskellern.

Bis Mitte dieses Jahres sind Kommunen verpflichtet, ihre Wärmeplanung vorzulegen; bis 2028 müssen das auch kleine Kommunen umsetzen. Warnecke kritisierte, dass die Ergebnisse unverbindlich seien. „Daher ist jeder Schritt, den wir heute schon machen könnten, nämlich schon jetzt vom Versorger erneuerbare Energien geliefert zu bekommen, der richtige.“

Warnecke sieht in einer Umsetzung des Ansatzes der Verbändeallianz auch einen Anreiz zu Investitionen. Denn solange man nicht wisse, mit welcher Energie künftig zu rechnen sei, sei man auch nicht bereit zu investieren. Um sich aber 2045 klimaneutral zu stellen, sei das bei einem langlebigen Produkt wie einer Heizung ein Problem. „Alles, was eine Zwischenlösung ist, also auch die 65-Prozent-Vorgabe, ist nichts weiter als rausgeschmissenes Geld.“

„Uns geht es um die Emanzipation grüner Moleküle in der nicht leitungsgebundenen Wärmeversorgung“, sagte Andreas Stücke, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Verband Flüssiggas. „Wir wollen die Verbraucher analog zur Fernwärmenutzung von der Verantwortung für den Einsatz erneuerbarer Energieträger befreien und diese Verantwortung den Inverkehrbringern auferlegen.“ Deutschlandweit seien das etwa 70 bis 100 Unternehmen. Rund 620.000 Haushalte, überwiegend im ländlichen Raum, werden Stücke zufolge mit Flüssiggas beliefert. Verlässlicher Klimaschutz werde über eine verbindliche Quote grüner Moleküle organisiert – nicht über komplexe Einzelvorgaben für Heizungsmodernisierer. 

Donnerstag, 19.02.2026, 12:47 Uhr
Klaus Lockschen
Energie & Management > Wärmemarkt - Neue Quote soll Heizungsmarkt beleben
Stellten ihren Quotenansatz vor (v.l.): Alexander von Gersdorff, Andreas Stücke, Kai Warnecke und Christian Küchen. Quelle: Deutscher Verband Flüssiggas
Wärmemarkt
Neue Quote soll Heizungsmarkt beleben
Der Heizungsmarkt stockt, viele Eigentümer verschieben die Modernisierung wegen der 65-Prozent-Vorgabe. Eine Verbändeallianz schlägt eine Lösung vor.
Anstatt Verbraucher bei der Erneuerung ihrer Heizungsanlagen auf 65 Prozent erneuerbare Energien zu verpflichten, setzt eine Allianz aus „en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie“, Deutscher Verband Flüssiggas und Haus & Grund Deutschland auf einen neuen Ansatz. Künftig sollen die Inverkehrbringer, also Hersteller und Lieferanten nicht leitungsgebundener flüssiger und gasförmiger Energieträger verpflichtet werden, schrittweise eine steigende Quote erneuerbarer Energien in den Markt zu bringen. „Wir schlagen vor, statt der Verbraucher künftig die Inverkehrbringer in die Pflicht zu nehmen“, sagte en2x-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen.

Der Absatz neuer Heizungen sei 2025 so weit zurückgegangen wie seit 15 Jahren nicht. Als Hauptgründe nennt Küchen die Komplexität des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sowie politische Unsicherheiten. Wer sich heute für eine Erneuerung im Heizungskeller entscheide – insbesondere dort, wo Wärmepumpe oder Fernwärme nicht infrage kämen –, erlebe mitunter, dass die 65-Prozent-Regel zu höheren spezifischen Kosten führe.

Mit der Verbändeallianz solle versucht werden, nicht über die Erneuerungsdynamik in den Heizungskellern die Erneuerbaren ins System zu bringen, sondern für alle Verbraucher – und nicht nur für diejenigen, die erneuert haben. Dann lasse sich mit geringeren Beimischungsquoten im Wärmemarkt mehr erreichen, ähnlich wie im Straßenverkehr, unterstrich Küchen. So sollen Haushalte profitieren, die ihre Heizungsanlage nicht erneuern.

Selbst bei einer moderaten Beimischungsquote von einem Prozent käme man zu größeren Klimaeffekten als unter der heutigen Gesetzgebung, ist Küchen überzeugt. Von rund fünf Millionen Ölheizungen hätten sich im vergangenen Jahr nur 22.000 Hauseigentümer für eine neue Anlage entschieden, also 0,4 Prozent. Um über Beimischungen adäquate Ergebnisse zu liefern, brauche es anfänglich nur geringe Mengen. Das Volumen solle dann jährlich steigen, sodass die Klimaziele für Gebäude erreicht werden könnten.

Küchen sieht in dem Ansatz auch einen Impuls für eine neue Dynamik im Heizungsmarkt. „Am Ende wird es einfacher, planbarer und verlässlicher sein als das, was wir heute an Gesetzen haben.“ Erneuerbare Energien kämen unabhängig vom Fortschritt der Heizungsmodernisierung in den Markt.

„Die Potenziale sind groß“ – grüne Moleküle etwa auf Basis von Bio-Reststoffen, aber auch strombasierte Moleküle. Beim Heizöl ließen sich paraffinische Kraftstoffe beimischen, teils bereits im Raffinerieprozess. Küchen erwartet zudem, dass Gebäudedämmung, Effizienzsteigerung und Wärmepumpen den Bedarf an Molekülen reduzieren. Dann könnten die Beimischungsquoten auch ohne zunehmende Mengen ansteigen.

Zu enger Fokus auf Fernwärme und Strom

Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland, hält die kommunale Wärmeplanung mit dem Blick auf Fernwärme und Strom für zu eng fokussiert. „Wir stellen fest, dass die vorhandenen Stromnetze an ihre Grenzen kommen, Strom nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht und die Kosten in Deutschland zu hoch sind.“ Daher setzt sich der Verband dafür ein, dass auch andere Energieträger wie Gas und Öl gleichgestellt sein müssten, um Alternativen für Eigentümer zu sein. Die Unsicherheit bremse die Erneuerung in den Heizungskellern.

Bis Mitte dieses Jahres sind Kommunen verpflichtet, ihre Wärmeplanung vorzulegen; bis 2028 müssen das auch kleine Kommunen umsetzen. Warnecke kritisierte, dass die Ergebnisse unverbindlich seien. „Daher ist jeder Schritt, den wir heute schon machen könnten, nämlich schon jetzt vom Versorger erneuerbare Energien geliefert zu bekommen, der richtige.“

Warnecke sieht in einer Umsetzung des Ansatzes der Verbändeallianz auch einen Anreiz zu Investitionen. Denn solange man nicht wisse, mit welcher Energie künftig zu rechnen sei, sei man auch nicht bereit zu investieren. Um sich aber 2045 klimaneutral zu stellen, sei das bei einem langlebigen Produkt wie einer Heizung ein Problem. „Alles, was eine Zwischenlösung ist, also auch die 65-Prozent-Vorgabe, ist nichts weiter als rausgeschmissenes Geld.“

„Uns geht es um die Emanzipation grüner Moleküle in der nicht leitungsgebundenen Wärmeversorgung“, sagte Andreas Stücke, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Verband Flüssiggas. „Wir wollen die Verbraucher analog zur Fernwärmenutzung von der Verantwortung für den Einsatz erneuerbarer Energieträger befreien und diese Verantwortung den Inverkehrbringern auferlegen.“ Deutschlandweit seien das etwa 70 bis 100 Unternehmen. Rund 620.000 Haushalte, überwiegend im ländlichen Raum, werden Stücke zufolge mit Flüssiggas beliefert. Verlässlicher Klimaschutz werde über eine verbindliche Quote grüner Moleküle organisiert – nicht über komplexe Einzelvorgaben für Heizungsmodernisierer. 

Donnerstag, 19.02.2026, 12:47 Uhr
Klaus Lockschen

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