Quelle: Katia Meyer-Tien
Zwei Tage nach dem Brandanschlag auf ein Umspannwerk Reutlingen-West sind alle Haushalte und Betriebe in und um Reutlingen wieder am Netz. Der Sachschaden dürfte in die Millionen gehen.
Bereits am Dienstag, 9. Juni, konnten über provisorische Netzstrukturen und umfangreiche Umschaltungen fast alle Haushalte wieder mit Strom versorgt werden. Am späten Mittwochabend folgten auch die verbliebenen rund 50 Mittelspannungsanschlüsse, wie Netze BW und Fair Netz mitteilten.
Wie es weiter heißt, laufen die Arbeiten im Umspannwerk weiter. In den kommenden Wochen würden die Teams weitere Schäden beseitigen und die Anlage schrittweise in den Regelbetrieb zurückführen. „Unser Ziel war klar: Die Menschen und Unternehmen in der Region sollten so schnell wie möglich wieder sicher und zuverlässig mit Energie versorgt sein“, erklärte dazu Jörg Reichert, Geschäftsführer der Netze BW. „Dass bereits nach etwas mehr als zwei Tagen alle Haushalte und Betriebe wieder am Netz sind, verdanken wir der engen Zusammenarbeit von Netze BW und Fair Netz sowie dem außergewöhnlichen Einsatz der Teams vor Ort“, so Thorsten Jansing, Geschäftsführer der Fair Netz.
20.000 Haushalte betroffen
Der Stromausfall begann, wie berichtet, in der Nacht auf Montag, 8. Juni, um 1.37 Uhr nach einem Brand im Umspannwerk Reutlingen-West. Nachdem ein Transformator ausgefallen war, ging kurze Zeit später das gesamte Umspannwerk vom Netz. Auch das nachgelagerte Umspannwerk Mitte schaltete sich wegen der Störung ab, sodass sich die Störung auf große Teile des Reutlinger Stadtgebiets ausweitete. In der Spitze waren nach Angaben der Netzbetreiber rund 20.000 Haushalte betroffen.
Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen wurde an drei Stellen des Umspannwerks West mit einem Brandbeschleuniger Feuer gelegt. In einer Pressekonferenz am 9. Juni waren auch Sicherheitsfragen rund um Umspannwerke und Strommasten angesprochen worden. Richard Huber, Leiter Systemübergreifende Infrastruktur bei Netze BW, betonte, dass die Sicherheitskonzepte seit Jahren an die wachsende Bedrohungslage angepasst würden. Man baue zudem Mitarbeiter und Material auf, um nach Schäden eine zügige Wiederversorgung hinzubekommen.
Erweiterte Schutzmaßnahmen wie massive Zaunanlagen, Videoüberwachung oder gar der Einsatz von Sicherheitspersonal müssten mit der Politik diskutiert werden. Dabei gehe es schließlich um hohe Kosten: Allein im Bereich Netze BW gibt es 330 Umspannwerke und mehr als 4.000 Kilometer Hochspannungsleitungen.
Sabotageakte auch in Bayern
Wie jetzt bekannt wurde war es am 5. und 8. Juni auch in Bayern zu Anschlägen auf Energieinfrastruktur gekommen. In Regensburg hatte ein Kabelschacht am sogenannten Pfaffensteiner Wehr an der Donau in Regensburg gebrannt. Darüber hinaus wird wegen einer gescheiterten Brandstiftung im nahegelegenen Pentling ermittelt. „Aufgrund der Tatobjekte und der Tatmodalitäten ist von einer extremistischen Tatmotivation auszugehen“, teilte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in München der Deutschen Presseagentur mit.
Zuvor schon hatten Brandanschläge auf zwei Hochspannungsmasten des Bayernwerks für Aufsehen gesorgt. Sie führten am frühen Pfingsmontag in Garching bei München zu einem 45-minütigen Stromausfall.
Weit gravierendere Auswirkungen hatten zuletzt Sabotageakte in Berlin und Umgebung. Bei Tesla in Grünheide gingen im März 2024 die Lichter aus, nachdem ein Mast, an dem die Freileitungen in Erdkabel überführt werden, in Brand gesetzt worden war. In Berlin selbst kam es im September 2025 und zuletzt im Januar 2026 zu Anschlägen. Nach dem Brand einer Kabelbrücke waren dieses Jahr bis zu 100.000 Menschen tagelang von der Stromversorgung abgeschnitten.
Donnerstag, 11.06.2026, 10:37 Uhr
Günter Drewnitzky
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