Eine Studie im Auftrag des BDEW sieht einen technologieoffenen Kapazitätsmechanismus als Ergänzung für KWK. Die bisherigen Förderinstrumente lassen sich dadurch jedoch nicht ersetzen.
Die Bundesregierung plant einen Kapazitätsmechanismus zur Absicherung der Stromversorgung. Eine Studie von Frontier Economics im Auftrag des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) untersucht die Rolle von Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung in einem solchen Marktmodell, teilte der BDEW am 9. März mit.
Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass ein technologieoffener Kapazitätsmechanismus die Teilnahme von KWK-Anlagen grundsätzlich ermöglicht. Die Erlöse aus einem solchen Instrument reichen jedoch unter aktuellen Marktbedingungen nicht aus, um die Förderung nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) zu ersetzen.
Wesentliche Ergebnisse der Modellierung zeigen demnach, dass die Erlöse aus einem technologieoffenen Kapazitätsmechanismus – abzüglich sinkender Strommarkterlöse – die heutigen KWKG-Zahlungen unter aktuellen Marktbedingungen nicht vollständig ersetzen können. Je nach Anlagentyp ergeben sich über die Laufzeit deutlich geringere Gesamterlöse.
Bedeutung der KWK im EnergiesystemKWK-Anlagen stellen einen zentralen Teil der steuerbaren Stromerzeugung in Deutschland, stellt der Branchenverband in seiner Mitteilung klar. Nach Angaben des BDEW verfügen rund zwei Drittel der regelbaren Kapazitäten über eine Nutzwärmeauskopplung. Die installierte Leistung liegt bei etwa 60.000 MW.
Diese Anlagen liefern Strom und Wärme für Industrie, Fernwärmenetze und kommunale Versorger. Die Studie geht davon aus, dass sie auch künftig eine Rolle für Versorgungssicherheit und Emissionsminderung spielen. Der Verband verweist zugleich auf anstehende Investitionsentscheidungen.
„Investoren brauchen einen langfristigen Planungshorizont. Sie müssen jetzt wissen, wie das künftige regulatorische Umfeld von KWK-Anlagen beschaffen ist. Aufgrund der Überalterung vieler Anlagen stehen Entscheidungen für erhebliche Ersatz-Investitionen an. Ziel muss ein Investitionsrahmen für moderne KWK-Anlagen sein, der Überförderung ausschließt“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
Frontier Economics hat in der Studie verschiedene Marktszenarien modelliert. Demnach könnten Erlöse aus einem technologieoffenen Kapazitätsmechanismus die heutigen Zahlungen aus dem KWKG nicht vollständig kompensieren. Gleichzeitig sinken in den Szenarien die Strommarkterlöse. Je nach Anlagentyp ergeben sich dadurch geringere Gesamterlöse über die Laufzeit. Für Betreiber hängt die Wirtschaftlichkeit daher stark von der konkreten Ausgestaltung des Kapazitätsmarktes ab.
Verlängerung des KWKG als VoraussetzungDie Studie nennt zudem Anforderungen an das Marktdesign. Wichtige Voraussetzung für eine qualifizierte Teilnahme von KWK-Anlagen sind sind laut den Studienautoren flexible Sekundärmärkte, in denen erworbene Kapazitätsverpflichtungen zwischen Marktteilnehmern übertragen werden können, um diese mit möglichen wärmebedingten Restriktionen von KWK-Anlagen zu vereinbaren.
Die Autoren der Studie sehen den Kapazitätsmechanismus daher als Ergänzung zu bestehenden Förderinstrumenten. Eine vollständige Ablösung des KWKG sei nicht möglich. Der BDEW fordert deshalb eine Verlängerung des Gesetzes.
Der Verband sieht zudem Bedarf für eine enge Abstimmung zwischen der Evaluierung der KWK-Förderung und der Einführung eines Kapazitätsmechanismus. Nur ein abgestimmtes System könne Planungssicherheit schaffen und Fehlanreize bei der Förderung vermeiden.
Die Studienergebnisse zur „
Integration von KWK in einem möglichen zukünftigen Kapazitätsmechanismus in Deutschland“ sind auf der Seite des BDEW abrufbar.
Dienstag, 10.03.2026, 11:14 Uhr
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