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Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) hat in Berlin einen einjährigen Dialog zur Modernisierung industrieller Prozesswärme gestartet. Wirtschaftsakteure stellen konkrete Forderungen.
Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) hat am 17. September in Berlin den Stakeholder-Dialog „Modernisierung der Prozesswärme in Deutschland“ gestartet. Vertreter aus Industrie, Mittelstand, Verbänden, Wissenschaft und Politik sollen dabei Handlungsempfehlungen für die Modernisierung industrieller Prozesswärme erarbeiten. Der Dialog ist auf rund ein Jahr angelegt.
Prozesswärme macht laut BMWE rund zwei Drittel des Endenergieverbrauchs der Industrie aus. Gleichzeitig stammt mehr als 75
Prozent der industriellen Prozesswärme bislang aus fossilen Quellen. Moderne Technologien könnten nach Darstellung des Ministeriums den Energieverbrauch, CO2-Emissionen und Energiekosten senken. Zudem könne eine Modernisierung Unternehmen weniger abhängig von fossilen Energieträgern und damit widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Krisen machen.
„Die Modernisierung der Prozesswärme ist ein zentraler Baustein für einen wettbewerbsfähigen Industriestandort Deutschland“, sagte BMWE-Staatssekretär Frank Wetzel zum Auftakt. Der Dialog solle einen pragmatischen Austausch mit der Wirtschaft ermöglichen. Ziel sei es, Hürden abzubauen, Investitionen zu beschleunigen und Innovationen zur Marktreife zu bringen.
Wirtschaft fordert konkrete MaßnahmenParallel zum Start des Dialogs haben 23 Wirtschaftsakteure einen gemeinsamen Bündnisbrief veröffentlicht. Darin begrüßen sie den Dialog, verbinden dies aber mit der Forderung, dass daraus konkrete politische Maßnahmen entstehen. Die Unternehmen und Verbände verweisen auf hohe Energiepreise, fehlende Netzanschlusskapazitäten und langwierige Anschlussverfahren. Hinzu kämen mangelnde Planungssicherheit, ein aus ihrer Sicht unzureichendes Förderregime und fehlende Orientierung bei den verfügbaren Technologieoptionen.
Da zahlreiche Industrieunternehmen in den kommenden Jahren in langlebige Produktionsanlagen investieren, müssten aus Sicht der Unterzeichner nun die politischen Rahmenbedingungen festgelegt werden. Dabei müsse die Politik laut Bündnis den unterschiedlichen Temperaturniveaus, Unternehmensgrößen und Branchen Rechnung tragen.
Als mögliche technische Ansätze nennen die Wirtschaftsakteure unter anderem Wärmerückgewinnung, Direktelektrifizierung mit Wärmepumpen und Power-to-Heat sowie den Einsatz von Wasserstoff, Biomasse und Abwärme. Die Lösungen müssten sowohl für mittelständische Unternehmen als auch für Großunternehmen geeignet sein. Zudem fordert das Bündnis einen bürokratiearmen Ansatz und einen verbindlichen Zeitplan, der sich an den Investitionszyklen der Industrie orientiert.
Beirat begleitet den ProzessDen Stakeholder-Dialog begleitet ein Beirat mit Vertretern der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) und des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) unterstützt den Prozess wissenschaftlich. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) begleitet den Dialog ebenfalls.
Bei der Auftaktveranstaltung diskutierten Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie bei der DIHK, Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deneff, und Tobias Fleiter, Leiter des Geschäftsfelds Klimaneutrale Industrie beim Fraunhofer ISI, mit Staatssekretär Wetzel. Bolay bezeichnete die Dekarbonisierung der Prozesswärme als besonders weitreichende Aufgabe für die deutsche Wirtschaft, da Prozesswärme für zahlreiche Produktionsprozesse unverzichtbar sei.
Noll verwies auf Energieeffizienz, Abwärmenutzung und die Elektrifizierung von Prozessen als Bestandteile eines möglichen Lösungsansatzes. Unternehmen benötigten dafür verlässliche Rahmenbedingungen, damit Investitionen in Effizienz und klimaneutrale Prozesswärme wirtschaftlich attraktiv würden. Fleiter sagte, Technologien für klimafreundliche Prozesswärme seien in vielen Branchen bereits verfügbar. Insbesondere eine flexible Elektrifizierung könne nach seinen Angaben kurzfristig Lösungen für Unternehmen bieten.
Wirtschaft sieht großes PotenzialDie Unterzeichner des Bündnisbriefs verbinden die Modernisierung der Prozesswärme auch mit wirtschaftlichen Chancen. Analysen zufolge könnten durch Effizienzmaßnahmen Energieeinsparungen von bis zu 18,7
Milliarden Euro pro Jahr möglich sein. Für saubere Prozesswärmelösungen nennen die Wirtschaftsakteure ein potenzielles jährliches Marktvolumen von 91
Milliarden
Euro.
Bis 2050 seien zudem nahezu eine Million zusätzliche Arbeitsplätze möglich. Diese Angaben stammen aus den im Bündnisbrief angeführten Analysen. Die Wirtschaftsakteure wollen den weiteren Prozess mit Praxiserfahrungen und technischem Know-how unterstützen.
(sh)
Donnerstag, 17.09.2026, 15:43 Uhr
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