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Enerige & Management > Gas - Zoff um das Konvertierungsentgelt
Bild: Fotolia.com, WoGi
GAS:
Zoff um das Konvertierungsentgelt
L-Gas ist ein Auslaufmodell – über den richtigen Umgang mit rückläufigen Produktionsmengen aus den Niederlanden wird kontrovers diskutiert.
 
Die im letzten Jahr im niedersächsischen Schneverdingen gestartete Marktraumumstellung, also der Wechsel von L-Gas (low calorific Gas) zum energiereicheren H-Gas (high calorific Gas), wird in diesem Jahr in kleinen Schritten fortgesetzt. Die Stadtwerke Böhmetal wollen im Mai die Versorgung der niedersächsischen Kommunen Walsrode, Bad Fallingbostel, Dorfmark und Oerbke, umstellen. Etwa 10 000 Kunden sind betroffen.

Bis 2030 muss die Gasversorgung in weiten Teilen Nord- und Westdeutschlands bis hinunter nach Südhessen auf H-Gas umgestellt werden, weil die L-Gas-Produktion in Deutschland sowie in den Niederlanden stark rückläufig ist und auslaufen wird. Etwa ein Viertel der insgesamt mit Gas versorgten Privathaushalte ist davon betroffen. Vor der Umstellung müssen rund sechs Millionen Gasgeräte auf die neue Gasart angepasst werden.

Das zu organisieren, ist Aufgabe der Stadtwerke und Verteilnetzbetreiber. Fernleitungsnetzbetreiber, vor allem Open Grid Europe, Thyssengas und Gasunie Deutschland, müssen teilweise neue Pipelines verlegen, um H-Gas in bisher mit L-Gas versorgte Gebiete transportieren zu können.

Doch obgleich L-Gas im Zuge der Umstellung zum Auslaufmodell wird, bleibt der Markt in Bewegung. Im Moment wird viel darüber diskutiert, ob er noch richtig funktioniert und wie am besten sicherzustellen ist, dass bis 2030 ausreichend L-Gas zur Verfügung steht. Zum Streitobjekt ist dabei das Konvertierungsentgelt geworden.

Es wurde im Zuge der Einrichtung qualitätsübergreifender Gasmarktgebiete als Übergangsregelung zur Finanzierung des dafür nötigen Konvertierungssystems eingeführt. Vertriebe und Händler müssen es bezahlen, wenn sie H-Gas zur Belieferung eines L-Gas-Kunden einsetzen, also das Konvertierungssystem nutzen. Das Marktgebiet übernimmt dafür den Mengenausgleich zwischen den beiden Gasqualitäten.

Anreize für L-Gas-Beschaffung erforderlich

Nach den Vorgaben der Festlegung Konni Gas der Bundesnetzagentur sollte das Konvertierungsentgelt im Herbst auslaufen und durch eine Umlage ersetzt werden. Die beiden Marktgebietsverantwortlichen NetConnect Germany und Gaspool starteten jedoch im Januar zusammen mit dem Verband der Fernleitungsnetzbetreiber, FNB Gas, einen Vorstoß mit dem Ziel, das Entgelt weiter beizubehalten. Ohne Konvertierungsentgelt gebe es für Händler keinen Anreiz mehr, weiter L-Gas zu beschaffen, so ihre Argumentation. Das könnte auch Lieferverträge mit niederländischen Produzenten in Frage stellen, befürchten sie.

Anzeichen für ein verändertes Händlerverhalten erkennen die Befürworter des Konvertierungsentgelt bereits im NCG-Marktgebiet, wo seit Januar das Konvertierungssystem so stark in Anspruch worden sei, dass das Unternehmen in großem Umfang L-Gas-Regelenergie beschaffen musste, um die Diskrepanz zwischen H-Gas-Einspeisung und Belieferung von Kunden mit L-Gas auszugleichen. An einzelnen Tagen seien über 50 Prozent der insgesamt verbrauchten L-Gas-Mengen als Regelenergie beschafft worden. Der dafür erforderliche finanzielle Aufwand sei zu hoch und müsse reduziert werden, fordert NCG.

Ihre Forderung nach Beibehaltung des Konvertierungsentgelt untermauern NCG, Gaspool und FNB Gas mit Hinweisen auf das veränderte Marktumfeld und darauf, dass sich die Rahmenbedingungen seit seiner Einführung im Jahr 2012 erheblich verändert hätten. Erst 2015 habe der niederländische Staat wegen Erdbebengefahr eine Drosselung der Produktion im Gasfeld Groningen verfügt. Diese Absenkung der Gasproduktion sei bei der Festlegung, das Konvertierungsentgelt auslaufen zu lassen, noch nicht abzusehen gewesen.

Händler lehnen Verlängerung ab

Um rasch eine Veränderung zu erreichen, hat NCG zum 1. April das Konvertierungsentgelt für die Periode bis 1. Oktober von bislang 0,3 Euro/MWh auf 0,453 Euro/MWh erhöht. Außerdem hat sich das Unternehmen von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen, das Entgelt für die Konvertierungsrichtung H-Gas nach L-Gas kurzfristig auf bis zu 1,811 Euro/MWh erhöhen zu können. Gaspool verlangt für die Konvertierung 0,441 Euro/MWh.

Die Händlerseite ist gegen eine Beibehaltung des Konvertierungsentgelt. Mit dem Entgelt bleibe die Trennung zwischen den Gasqualitäten H- und L-Gas aufrechterhalten bleibt, begründet der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) seine Ablehnung. Das verursache hohe Transaktionskosten und erfordere doppelte Strukturen.

Auch die Händlervereinigung Efet fordert, das Konvertierungsentgelt wie vorgesehen zum 1. Oktober auf Null zu setzen. Eine Verlängerung würde nach Efet-Einschätzung die Konsolidierung der qualitätsübergreifenden Marktgebiete langfristig verhindern. Die wegen der Erdbebenproblematik vom niederländischen Parlament beschlossene Drosselung der L-Gas Produktion lasse sich nicht durch eine unbestimmte Verlängerung oder gar Erhöhung des Konvertierungsentgelt aufhalten.

Der BDEW, in dem Netzbetreiber wie Händler vertreten sind, ist auf der Suche nach einem Kompromiss, der beide Seiten zufrieden stellt. Die Bundesnetzagentur, die über die Beibehaltung oder das Auslaufen des Konvertierungsentgelts entscheiden wird, hat die Marktteilnehmer zu Stellungnahmen bis 21. April aufgefordert.
 

Peter Focht
Redakteur
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Dienstag, 05.04.2016, 09:08 Uhr

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