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Enerige & Management > IT - Ziel: Rollout mit einem Lächeln
Bild: Sergey Nivens / Fotolia
IT:
Ziel: Rollout mit einem Lächeln
Dienstleister warten auf die zertifizierten Smart Meter Gateways, um endlich intelligente Messysteme ins Feld bringen zu können. Einige hoffen auf einen Voll-Rollout.
 
Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN/VDE) trifft in einer dreistufigen koordinierten Testphase Vorbereitungen zur Einführung intelligenter Messsysteme. Auf eine Laborphase folgte ein kleiner Feldtest. Den Abschluss bildet nun ein großer Feldtest mit mehreren Tausend Messstellen. „Dafür werden die Smart Meter Gateways dringend benötigt“, betont Peter Zayer, Vorsitzender des Lenkungskreises Zähl- und Messwesen des FNN.

Voltaris-Chef Zayer warnt vor einer „Parallelwelt“

Wenn es um den Rollout intelligenter Messsysteme geht, wird Zayer, der auch Geschäftsführer des Smart-Metering-Dienstleisters Voltaris ist, deutlich. Er warnt vor einer „Parallelwelt“. Je länger die Zertifizierung der Gateways noch dauere, desto mehr nicht zertifizierte Geräte würden zwischenzeitlich eingebaut.

Insbesondere die grundzuständigen Messstellenbetreiber, die nach den gesetzlichen Vorgaben für den Pflichteinbau intelligenter Messsysteme verantwortlich sind, würden unter dem langen Zulassungsverfahren leiden. „Derzeit messen und steuern sie mit Alternativtechnologien“, so Zayer. Er meint damit Gateways ohne eine Zulassung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Bouke Stoffelsma, Vorstand von Hausheld, kennt das Problem. Denn der Messdienstleister installiert bereits Vorserienmodelle der zu zertifizierenden Smart Meter Gateways. Allerdings, so sagt er, sei die Kommunikationseinheit des intelligenten Messsystems nur ein Puzzleteilchen des gesamten Rollouts. „Es gibt noch massig Hausaufgaben, die jenseits des Gateways zu erledigen sind“, so Stoffelsma. Damit falle die Verzögerung nicht ganz so stark ins Gewicht – noch nicht jedenfalls. Es sei jedoch unumgänglich, die nicht zertifizierten Geräte später zu ersetzen, wenn die zugelassenen Gateways tatsächlich am Markt verfügbar sind.

Damit spricht der Hausheld-Vorstand einen Kostenfaktor an, der seiner Meinung nach eine wesentliche Rolle dabei spielen könnte, dass es am Ende nicht zu dem technisch und wirtschaftlich sinnvollen Voll-Rollout intelligenter Messsysteme kommt.

„Wenn bei einem Kunden mit weniger als 6 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch eine sogenannte moderne Messeinrichtung installiert wird, wie das vom Gesetz vorgesehen ist, wird sich an diesem Zustand über Jahre nichts mehr ändern“, ist Stoffelsma überzeugt. Der digitale Zähler ohne Intelligenz bleibe dann im Haus.

Denn ein Tausch gegen ein intelligentes Messsystem, also einen digitalen Basiszähler mit Smart Meter Gateway, sei vielen Messstellenbetreibern sicherlich zu teuer, vermutet er. Dabei hätte deren Einbau entscheidende Vorteile: Der Kunde könnte in den Genuss datenbasierter Mehrwertdienste kommen und der Messstellenbetreiber, der häufig auch der Verteilnetzbetreiber ist, könnte seine internen Prozesse optimieren und einen besseren Überblick über die Auslastung seines Netzes erlangen.
 
Noch sind keine zertifizierten Gateways am Markt verfügbar. Deshalb bauen Dienstleister vorübergehend nicht zertifizierte Geräte ein, um Pilotprojekte und Tests durchzuführen 
Bild: Voltaris

Deshalb strebt Hausheld auch einen Voll-Rollout an – obwohl der Messstellenbetreiber für die Installation und den Betrieb eines intelligenten Messsystems vielen Kunden kaum mehr berechnen darf als für eine moderne Messeinrichtung. Daher sei es schon „eine Kunst“, die Preisobergrenze einzuhalten. Allerdings könne man im gesamten Rollout-Prozess Kostenreduktionspotenziale heben, drei Ansatzpunkte hebt Stoffelsma hervor: zum einen die Fähigkeit, sehr schnell sehr viele Datensätze zu verarbeiten. Zum anderen die Anbindung des Zählers an das Gateway. Üblicherweise sei er über ein Kabel verbunden. „Wir spannen ein Funknetz, sodass die beiden Geräte über entsprechende Protokolle miteinander kommunizieren“, erklärt der Hausheld-Chef. „Damit können wir insbesondere in Hochhäusern, in denen mehrere Zähler an ein Gateway angeschlossen werden, diese auf sehr intelligente Weise vernetzen.“ Schließlich haben die Skaleneffekte eines großflächigen Rollouts oder gar eines Voll-Rollouts einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit einzelner Messstellen.

Mit den Stadtwerken Saarlouis arbeitet Hausheld an einem solchen Voll-Rollout, bei dem Zähler von Devolo und Gateways von Theben zum Einsatz kommen und bei dem der Dienstleister die Montage und die Anbindung der Hardware übernimmt. Sogar ein Finanzierungskonzept liefert er. „Hier wollen wir zeigen, dass man das Thema Rollout auch mit einem Lächeln angehen kann und nicht immer mit schmerzverzerrtem Gesicht“, betont Stoffelsma.

Insgesamt neun Hersteller von Smart Meter Gateways haben einen Antrag auf Zertifizierung beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gestellt: Kiwigrid GmbH (Kiwigrid Smart Meter Gateway), EFR GmbH (Smart Grid Hub − Secure SGH-S, V1.0), Discovergy GmbH (Meteroit 4.0), Dr. Neuhaus Telekommunikation GmbH (Dr. Neuhaus Smarty Security Gateway), Open Limit Sign Cubes AG Sponsor: Power Plus Communications AG (SGW-Integrationsmodul Version 1.0), Landis + Gyr AG (Landis+Gyr Smart Metering Gateway, Version HW 1.0, FW 1.0), Theben AG (Smart Meter Gateway, Conexa 3.0), EMH Metering GmbH & Co. KG (Communication Access Security Administrator – Casa) und Devolo AG (Devolo Smart Meter Gateway). 
 

Fritz Wilhelm
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