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Enerige & Management > Vertrieb - Zeit der PPA-Theorie ist vorbei
Bild: ty, Fotolia
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Zeit der PPA-Theorie ist vorbei
Auf der E-world in Essen laden Energie & Management und das Beratungshaus Enervis gemeinsam zu einem PPA-Expertenpanel ein − Praktiker werden von ihren Erfahrungen berichten.
 
Das ungewöhnlich große (mediale) Echo in der Fachwelt Anfang Dezember überraschte die Beteiligten: Mit dem Leverkusener Werkstoffproduzenten Covestro hatte hierzulande erstmals ein bekanntes Industrieunternehmen ein größeres Grünstromkontingent via Corporate Power Purchase Agreement (PPA) geordert.

Die Rheinländer beziehen ab 2025 einen Teil ihres Grünstroms aus der Nordsee, genau genommen aus dem Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3, der dann mit allen drei Projektabschnitten und einer Gesamtleistung von rund 900 MW in Betrieb sein soll.

Mit dem Betreiber, dem dänischen Oersted-Konzern, hat sich Covestro auf einen zehnjährigen Liefervertrag verständigt − und zwar für ein PPA mit einem Volumen von 100 MW. Nach Angaben der Vertragspartner ist diese Vereinbarung der bislang weltweit größte Industriekundenliefervertrag für Strom aus einem Offshore-Windpark. „Mit dem Bezug von Grünstrom untermauern wir unsere umfassende Nachhaltigkeitsstrategie und rüsten uns für den zu erwartenden Anstieg der Energiepreise und der CO2-Kosten“, umriss Covestro-Vorstandschef Markus Steilemann die Motivation des Chemieunternehmens.

Der „Covestro-Deal“ ist das beste Indiz dafür, dass grüne PPA-Vereinbarungen hierzulande an Fahrt gewinnen. Was auch Nicolai Herrmann von Enervis Energy Advisers so sieht: „Bisher wurden PPAs in Deutschland allzu oft als theoretische Bezugsmöglichkeit diskutiert, die Abschlüsse fanden aber im Ausland statt. Der erste große PPA für 100 Megawatt Offshore-Wind mit Covestro als Industrieverbraucher und die beginnende Dynamik beim Wind-Weiterbetrieb zeigen jedoch: Ende 2019 sind PPAs hierzulande angekommen und werden in den nächsten Jahren insbesondere die Ökostrombranche nachhaltig prägen.“

Mit dem Berliner Beratungshaus hatte Energie & Management im Sommer dieses Jahres gemeinsam das 1. PPA-Barometer für den deutschen Energiemarkt entwickelt und veröffentlicht, um bei Energieversorgern, Direktvermarktern, Betreibern regenerativer Kraftwerke und industriellen Stromkunden die Stimmung und Erwartungen bezüglich PPAs auszuloten. Das wichtigste Ergebnis: Zwei Drittel aller Befragten gehen davon aus, dass bereits 2025 bis zu 50 % aller neuen Ökokraftwerke auf Basis von PPAs finanziert werden. 15 % erwarten, dass es sogar mehr als die Hälfte sind.

E&M und Enervis intensivieren ihre Kooperation beim PPA-Thema auf der bevorstehenden Fachmesse E-world 2020 in Essen: Beide Partner laden am zweiten Messetag (12. Februar) zu einem PPA-Expertenpanel ein. Die Runde, für die keine Teilnahmegebühr erhoben wird, steht unter dem Titel: „PPA 2.0: Abschluss, Design und Bewertung von grünen PPAs.“ Den „Mehrwert“ dieses Panels bringt Enervis-Experte Herrmann so auf den Punkt: „Über PPAs ist lange genug theoretisiert worden. Wir haben uns vorgenommen, Praktiker über konkrete Erfahrungen rund um den Abschluss, das Design und die Bewertung von grünen PPAs zu Wort kommen zu lassen. Denn wir von Enervis und Energie & Management wollen damit die nächste Stufe der Marktentwicklung begleiten und unsere Erfahrungen aus deutschen und internationalen PPAs mit den Teilnehmern teilen und diskutieren.“

Das 2. PPA-Barometer ist in Vorbereitung

Nicht nur Herrmann und sein Enervis-Kollege Julius Ecke werden als Referenten an dem Panel teilnehmen. Mit dabei ist neben Lars Kyrberg (Bird & Bird), Thomas Kott (Axpo Trading) und Uli Schulze Südhoff (GE Renewable Energy) auch Patrick Koch von Statkraft Markets. Der studierte Elektrotechniker ist der Fachmann für grüne PPAs in der Deutschland-Dependance des norwegischen Energieunternehmens.
Und von diesen „Green PPAs“ haben Koch und sein Team in Deutschland bereits mehrere Verträge unter Dach und Fach gebracht: Bislang stehen Vereinbarungen für 150 MW Wind und 50 MW Solar auf der Habenseite, darunter auch eine PPA-Vereinbarung mit dem Daimler-Konzern. Dabei wird es nicht bleiben „Wir sind nicht nur in Gesprächen mit Betreibern für weitere 1.000 MW Windkraftleistung, sondern verhandeln auch mit zahlreichen Solarentwicklern über deren geplante Neubauprojekte.“

Intern hat sich Statkraft für die nächste Zeit folgende Messlatte gesetzt: „Wir streben an, unsere führende Position in Europa bei der direkten Versorgung von Industriekunden mit strukturierten Grünstromlieferungen aus nicht geförderten Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen auszubauen.“ Die Teilnehmer des PPA-Panels während der E-world können also mehr als nur Formulierungen aus dem Lehrbuch erwarten.

E&M und Enervis werden ihre Zusammenarbeit beim PPA-Thema im nächsten Jahr ausbauen: Für das Frühjahr ist die zweite Umfrage im Rahmen des gemeinsamen PPA-Barometers geplant.

Alle Details zum PPA-Expertenpanel im Rahmen der E-world 2020 sind unter www.emvg.de/ppa-experten    abrufbar.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 17.12.2019, 12:17 Uhr

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