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Enerige & Management > Effizienz - Zäher Start, hervorragende Ergebnisse
Bild: Shutterstock
EFFIZIENZ:
Zäher Start, hervorragende Ergebnisse
Die Anzahl an gegründeten Energieeffizienz-Netzwerken bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Gründe dafür liegen vor allem in der schwierigen Startphase.
 
Zu Energieeffizienz-Netzwerken schließen sich Unternehmen oder Kommunen zusammen, um unter der Moderation von professionellen Energieberatern aus Verbänden oder aus wissenschaftlichen Institutionen gemeinsam nach Energieeinsparmöglichkeiten zu suchen. Und die gibt es reichlich, zeigen die bisherigen Erfahrungen. Deswegen gilt: Wenn ein Netzwerk einmal läuft, dann läuft es. Bei manchen Netzwerken sogar so gut, dass die Teilnehmer auch nach der ersten mehrjährigen Förderphase weitermachen.

Für die Netzwerkträger ist aber nach wie vor die Akquise der Netzwerke ein zähes Geschäft. Die Suche nach teilnehmenden Unternehmen gestaltet sich aufwendig − auch weil für viele Firmen die Steigerung der Energieeffizienz nur eine von vielen Aufgaben ist. Nehmen an den Netzwerken Kommunen teil, macht sich mitunter dort der finanzielle wie personelle Ressourcenmangel bemerkbar.

Die Zahlen des aktuellsten Jahresberichts der Deutschen Energie-Agentur (Dena) − die als Leiterin der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke fungiert − ergeben daher bei den Unternehmen ein gemischtes Bild kurz vor der politischen Zielgeraden 2020.
Seit dem Start der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke der deutschen Wirtschaft im Dezember 2014 haben bundesweit bereits mehr als 230 Netzwerke unter Beteiligung von rund 2 000 Unternehmen ihre Arbeit aufgenommen. So, wie es aussieht, werden die politisch angestrebten 500 Netzwerke bis 2020 zwar nicht erreicht, jedoch sieht es so aus, dass die Zielmarke der von den Unternehmen eingesparten Energiemenge von 75 Petajoule (rund 21 Mrd. kWh) sehr wohl erzielt werden könnte.
Bei den Maßnahmen geht der Trend in Richtung Wärmetechnologien: Etwas mehr als 90 % der Netzwerke optimieren laut Dena die Wärmeerzeugung in den teilnehmenden Unternehmen. Dahinter folgen die Nutzung von Abwärme sowie die Erneuerung von Pumpen und Beleuchtung.

„Die Initiative gehört zu einem der erfolgreichsten aller Maßnahmen des ‚Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz‘ der Bundesregierung“, sagt Steffen Joest, Leiter der Geschäftsstelle der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke bei der Dena. „Nirgends kommen Freiwilligkeit, Begeisterung und hohe Einspareffekte so gut zusammen.“
Realisiert sind bisher ganz unterschiedliche Netzwerke. Sie können als regionale Netzwerke Unternehmen verschiedener Branchen aus einer Region umfassen. Dieser bisher am meisten verbreitete Typ baut durch die Durchmischung von Firmen unterschiedlicher Branchen gleich am Anfang die Angst ab, Produktionskniffe mit Wettbewerbern teilen zu müssen. „Nur dann entsteht eine offene Atmosphäre zwischen den Teilnehmern“, sagt Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Andererseits haben auch Branchennetzwerke Vorteile. So unterstützt der VDMA, der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer, Netzwerke unter seinen Mitgliedern und übernimmt auch die Teilnehmerkosten. Für die teilnehmenden Energiemanager gehe es dabei ausschließlich um die Energieeffizienz im eigenen Unternehmen und nicht um Produkte oder Märkte, betont der VDMA.

Neu ist der „regionale Cluster-Ansatz“, der in Bayern in bisher drei Netzwerken getestet wurde und jetzt auch in anderen Bundesländern erprobt werden soll. In diesen Netzwerken suchen Unternehmen auch zusammen mit Stadtwerken nach Möglichkeiten, Energie einzusparen. Auch der Stadtwerkebranchenverband VKU unterstützt deswegen die Arbeit der Effizienznetzwerke.

Neben den Netzwerken der Wirtschaft entstehen auch bundesweit immer mehr kommunale Energieeffizienz-Netzwerke. Kommunale Netzwerke erhalten − im Gegensatz zu den Firmennetzwerken − seit 2015 über die Kommunalrichtlinie Fördergelder.

Viel Überzeugungsarbeit nötig

Die schwierigste Phase eines Energieeffizienz-Netzwerks ist nach Auskunft von Verbänden, Trägern und der Dena die Gründungsphase.

Eberhard Jochem, Professor an der ETH in Zürich und als Energieeffizienz-Spezialist am Fraunhofer-Institut ISI in Karlsruhe tätig, schätzte auf einem Treffen der Arbeitsgemeinschaft für Energieeffizienz-Netzwerke (Ageen) in Berlin die Akquisitionszeit pro gewonnenem Teilnehmer auf rund fünf Tage und den finanziellen Aufwand für die Akquise auf insgesamt 8,5 Mio. Euro. Ein hoher Prozentsatz der Werbungsbemühungen scheitere zudem. Für Jochem ist es deswegen für den weiteren Erfolg der Netzwerke wichtig, deren Neugründungen zu beschleunigen, etwa durch den Einsatz von Multiplikatoren.

Ähnlich sieht es Joest. Er empfiehlt beispielsweise, die Erfolge noch stärker nach außen zu kommunizieren, um sie sichtbarer zu machen. „Teilnehmer, die schon einmal in einem Netzwerk organisiert waren, sind schneller für ein neues zu begeistern“, so auch die Erfahrungen der Envia Therm. Die Envia-Gruppe betreut acht Netzwerke.

Die Netzwerke sind ein gutes Instrument, um die Energieeffizienz zu verbessern. Das sieht auch beispielsweise Eberhard von Rottenburg so, stellvertretender Leiter der Abteilung Energie- und Klimapolitik im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Das zeigt die außerordentlich hohe Zufriedenheit der Unternehmen, die in der Netzwerkarbeit aktiv sind. Und das zeigen auch die Einsparungen an Energiekosten und CO2-Emissionen, die zumeist über dem ursprünglich Geplanten liegen“, sagt von Rottenburg.

Aus Sicht des BDI liegt der Charme der Netzwerke auch darin, dass die Unternehmen selbst den Hut aufbehalten und entscheiden könnten, ob, was und wie viel sie im Netzwerk beim Thema Energieeffizienz unternehmen wollen. Von Rottenburg: „Die Netzwerke zeigen: Die Wirtschaft will und kann Effizienz selbst gestalten und voranbringen. Dies wollen wir gemeinsam der Politik deutlich machen.“

Das kann auch der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK (AGFW) bestätigen, der gemeinsam mit zehn Unternehmen der Fernwärmebranche erst kürzlich ein weiteres Netzwerk Fernwärme 2.0 gestartet hat. Das erste sei überaus erfolgreich gewesen, erklärt Michael Wolf vom AGFW: „Das gemeldete Netzwerkziel von 100 Millionen kWh pro Jahr Energieeinsparung konnte deutlich übertroffen werden.“ Erreicht wurden laut dem Verband Einsparungen in Höhe von etwa 241 Mio. kWh/a beziehungsweise rund 74 000 t CO2. „Das Engagement und Interesse der Netzwerkteilnehmer zeigt sich darin, dass von den elf teilnehmenden Unternehmen des ersten Netzwerks neun beim zweiten Netzwerk mitwirken“, sagt Wolf.

Auch nach Auskunft des BDEW entschließen sich viele Netzwerke nach der ersten Runde weiterzumachen. Ein weiteres aktuelles Beispiel ist das „Energieeffizienz-Netzwerk am Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen“ der Envia Therm. Bereits in der ersten Netzwerkrunde für den Chemiepark konnten die Teilnehmer rund 5,35 Mio. kWh über die dreijährige Laufzeit einsparen, so die EnviaTherm. Nun startet das Folgenetzwerk mit fast denselben Teilnehmern.

Was von den Netzwerkteilnehmern gleich positiv bewertet wird, ist der offene Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. „Es findet bei den Treffen ein ehrlicher, aber nicht öffentlicher Austausch statt. Mitglieder können Detailfragen stellen, die wir diskutieren − um auch Fehler nicht zu wiederholen“, so die Erfahrung von Markus Brautsch. Er ist Professor und Chef des Instituts für Energietechnik IfE GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Das IfE betreut unter anderem mehr als 13 kommunale Netzwerke mit rund 130 teilnehmenden Kommunen.

Durch den Erfahrungsaustausch werden Maßnahmen auch schneller umgesetzt − nicht nur in Unternehmen, sondern auch innerhalb von Kommunen. Über ein solches kommunales Netzwerk in Bayern sind so in nur drei Jahren zum Beispiel mehr als 40 Projekte in den zwölf teilnehmenden Kommunen angestoßen worden. Es wurden viele kleine Maßnahmen schnell und effizient umgesetzt, etwa Mitarbeiterschulungen. Zudem sei mithilfe von Mitarbeitern des IfE geprüft worden, wie Schulen im Landkreis am wirtschaftlichsten saniert werden können. Bei zwei Schulen habe man sich schließlich für Neubauten entschieden − da energetisch effizienter und zudem wirtschaftlicher für den Landkreis.

Netzwerkteilnehmer wie Träger sind sich einig, dass die Steigerung der Effizienz neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien wesentlich ist für das Erreichen der Klimaschutzziele. „Jede Kilowattstunde Energie, die nicht verbraucht wird, schont direkt und nahhaltig das Klima“, so Wolf vom AGFW. Mit den Netzwerken gelingt dies auch − es müssen nur mehr werden.
 

Heidi Roider und Armin Müller
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 17.06.2019, 14:04 Uhr

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