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Enerige & Management > Vertrieb - Wuppertaler Stadtwerke starten Ökostrom-Handelsplatz
Bild: Fotolia.com, Photo-K
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Wuppertaler Stadtwerke starten Ökostrom-Handelsplatz
Für das Projekt "Tal.Markt" nutzt der Kommunalversorger dank einer Kooperation mit der Axpo auch die Blockchain-Technik.
 
Internet-Marktplätze für Ökostrom sind anscheinend im Kommen: Wenige Tage nachdem die neu gegründete Enyway GmbH in Hamburg eine Plattform gestartet hat, über die Ökostromerzeuger direkt ihre Kunden beliefern können, haben die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) nachgezogen – allerdings mit einigen feinen Unterschieden. Die Wuppertaler nutzen für ihren neuen, regionalen Handelsplatz „Tal.Markt“ die Blockchain-Technologie. „Jede Transaktion mit den Herkunftsnachweisen wird über Blockchain fälschungssicher ausgeführt“, betonte Yves Schönenberger, Leiter Marktanalyse beim Schweizer Energieversorger Axpo, bei der Vorstellung des Projektes an der Wupper.

Die Eidgenossen liefern mit der von ihnen entwickelten Plattform ":elblox" das technologische Know-how für den neuen Marktplatz. Die Wuppertaler Stadtwerke sind dabei der erste Kooperationspartner für Axpo. Dabei wird es nicht bleiben: „Wir sind ein international agierendes Unternehmen und werden uns weitere Partner suchen“, betonte Schönenberger.
 
Im Gegensatz zu der Enyway-Plattform wird es in Wuppertal für Kunden möglich sein, ihren Strom individuell zu mixen und mehrmals am Tag zu ändern. Der alte Eon-Werbespruch „Mix it!“ wird Wirklichkeit. „Wir können Anpassungen jeweils im 15-Minuten-Rhythmus vornehmen“, betonte Andy Völschow, der bei den Wuppertaler Stadtwerken die Produktion und Datenverarbeitungs-Koordination leitet.
 
Noch einen Unterschied zwischen Enyway und Tal.Markt gibt es: Damit bei Kunden, die über ihren Marktplatz mit einem Erzeuger handelseinig geworden sind, nicht die Lichter beispielsweise bei einer Windflaute ausgehen, bedient sich Enyway als „Backup“ Statkraft Market als Dienstleister. „Unser Modell sieht vor, dass wir immer die Residuallast ausgleichen“, betonte Völschow, „falls die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht, werden unsere Tal.Markt-Kunden mit Biomassestrom aus unserer Müllverbrennungsanlage beliefert.“ WSW bleibe für alle Tal.Markt-Nutzer der alleinige Ansprechpartner.
 
Wie Enyway-Gründer Heiko von Tschischwitz benutzte WSW-Vorstandschef Andreas Feicht fast die gleichen Worten bei Vorstellung „seines“ Tal.Markt-Handelsplatzes: „Das Konzept hat die Kraft, den Stromvertrieb zu revolutionieren.“ Damit würde, so Feicht, der Kunde wirklich in den Mittelpunkt gestellt. Das neue WSW-Angebote liege zudem im Verbrauchertrend nach regionalen Produkten.
 
Apropos Regionalität: Die Wuppertaler Stadtwerke wollen ihren Blockchain-Ökostromhandelsplatz nicht nur auf das Bergische Land beschränken. „Wir werden dieses Angebot auf NRW ausweiten, aber sicherlich nicht bundesweit auftreten“, kündigte Feicht an. Diese Expansion ermögliche eine Art Lizenzvereinbarung mit der Axpo.
 
Ziel der WSW wird es nach Feichts Worten in den kommenden Wochen sein, die Zahl der Erzeuger auf der Plattform und die Zahl der Kunden deutlich zu erhöhen. Die WSW-Vertriebsabteilung wird in einem ersten Schritt, die eigene, rund 2 500 Grünstromkunden über das neue Angebot informieren. „In etwa gleicher Größenordnung versorgen andere Anbieter Wuppertaler Haushalte bislang mit Ökostrom, die wir auch für Tal.Markt gewinnen wollen“, so Feicht.
 
Nach einer WSW-Kalkulation müssen sich diese Kunden auf einen Arbeitspreis von 28,12 Ct/kWh bei einem jährlich Grundpreis von rund 140 Euro einstellen. „Wir werden mit diesem neuen Angebot sicherlich nicht die Billigheimer gewinnen“, betonte WSW-Chef Feist. Ähnlich sieht es Axpo-Projektleiter Schönenberger: „Jede Kilowattstunde erhält nun über das Portal eine persönliche Note, weil die Kunden wissen, von wem und aus welchen Anlagen sie ihren Strom beziehen.“ Er gehe davon aus, dass Verbraucher dafür auch bereit sein, höhere Preise zu zahlen.
 
WSW-Vorstandschef Feicht ist gespannt auf die Entwicklung des neuen Ökostrom-Handelsplatzes: „Wichtig ist, dass wir damit jetzt an den Start gehen und alle Prozesse funktionieren. In dem System steckt noch viel Musik für Weiterentwicklungen.“
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 20.11.2017, 16:58 Uhr

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