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Enerige & Management > Bilanz - Wuppertal wieder in der Gewinnzone
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Wuppertal wieder in der Gewinnzone
Für das erste Corona-Jahr legen die Wuppertaler Stadtwerke dank eines internen Sparprogramms und des ÖPNV-Rettungsschirms positive Bilanzzahlen vor.
 
Mit fast prosaischen Worten haben die Wuppertaler Stadtwerke AG (WSW) die Bilanzzahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr verkündet: „Gutes Ergebnis in kritischen Zeiten“.

In der Tat konnte der WSW-Konzern, der in Nordrhein-Westfalen zu den größten Kommunalversorgern zählt, einen Gewinn von 5,1 Mio. Euro verbuchen - trotz Corona, einem sehr deutlichen Rückgang im ÖPNV-Sektor und einem eingeschränktem Schwebebahnbetrieb. Im Vorjahr hatte es ein Minus von immerhin 22,5 Mio. Euro gegeben, bedingt durch Rückstellungen für die 15-prozentige Beteiligung am Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Der Umsatz summierte sich auf rund 880 Mio. Euro (2019: zirca 910 Mio. Euro).

Mit den jüngsten Bilanzzahlen zeigte sich Vorstandschef Markus Hilkenbach, der Anfang vergangenen Jahres die Geschäfte von dem ins Bundeswirtschaftsministerium als Energiestaatssekretär „abgewanderten“ Andreas Feicht übernommen hatte, „sehr zufrieden“. Als Gründe für das Plus in der jüngsten Bilanz nannte Hilkenbach „ein früh eingeleitetes Gegensteuern in der Corona-Pandemie“ und den ÖPNV-Rettungsschirm von Bund und Land, aus dem der WSW-Konzern über 7 Mio. Euro Unterstützung erhalten hatte.

Froh zeigte sich Hilkenbach, der aus Coesfeld im Westmünsterland an die Wupper gekommen ist, im Rückblick über das frühzeitig eingeleitete Sparprogramm: „Diese internen Einsparungen in Millionenhöhe haben dafür gesorgt, dass beispielsweise der Rückgang des Stromabsatzes durch die Corona-Krise vor allen bei den Geschäftskunden oder zusätzliche Kosten durch die Teilstilllegung der Schwebebahn abgefedert werden konnten.“

Busse und Schwebebahn haben sich in den zurückliegenden Monaten zu den WSW-Sorgenkindern schlechthin entwickelt: Insbesondere während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 waren im ÖPNV die Fahrgastzahlen an der Wupper auf ein historisches Tief abgestürzt: „Wir hatten nur noch ein Viertel der üblichen Fahrgäste“, betonte Ulrich Jäger, Geschäftsführer der Verkehrssparte, bei der digitalen Bilanzpressekonferenz.

Die Entwicklung des ÖPNV bleibt die bilanzielle Achillesferse der Wuppertaler: Für das laufende Geschäftsjahr 2021 planen die WSW mit einem Verlust von immerhin 15 Mio. Euro. „Genaue Zahlen zu nennen, ist derzeit schwer“, so Jäger, „da noch nicht feststeht, ob und in welchem Umfang die Bundes- und Landesregierung wiederum den ÖPNV-Rettungsschirm aufspannt.“

Ein weiteres Sorgenkind der Wuppertaler Stadtwerke ist ihre defizitäre Beteiligung an dem Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven, das 2015 in Betrieb gegangen ist. Hier könnte es eine Lösung geben, falls die Bundesregierung wirklich, wie aus dem Bundeswirtschaftsministerium Ende Mai bekannt geworden ist, ein Förderprogramm für die Umrüstung von Kohlemeilern auf Biomassefeuerung auflegt. Diese „Förderrichtlinie Kohlekraftwerksumrüstung“ wird, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, nicht mehr in dieser Legislaturperiode verabschiedet.

„Wir und der Mehrheitsgesellschafter Riverstone Holdings werden eine mögliche Umrüstung erst dann prüfen, wenn das Förderprogramm vorliegt“, betonte Vorstandschef Hilkenbach bei der Bilanzpressekonferenz. Und selbst wenn die neue, am 26. September gewählte Bundesregierung an dem Vorschlag für diese Förderrichtlinie festhält und die wirtschaftlichen Parameter für den Umbau passen sollten, wäre mit diesem Schritt nicht vor Mitte dieses Jahrzehnts zu rechnen.

Im Wuppertal Talkessel ist indes nicht alles dunkel und trüb. Hilkenbach und seine Vorstandskollegen wussten auch von einigen Lichtblicken zu berichten. So haben sich die ersten zehn eingesetzten Wasserstoffbusse im Einsatz – gemessen an Reichweite, Verbrauch und Zuverlässigkeit – bewährt. Deshalb wird die WSW die Zahl ihrer H2-Busse bis Jahresende verdoppelt. Der eingesetzte Wasserstoff wird übrigens über einen an der Wuppertaler Müllverbrennungsanlage (Teil des WSW-Verbunds) angeflanschten Elektrolyseur gewonnen.

Nicht nur der Ausbau des klimaschonenden Verkehrs geht an der Wupper voran, sondern auch jener der klimafreundlichen Wärme. So wollen die Stadtwerke rund 30 Mio. Euro in den Ausbau des Fernwärmenetzes bis 2030 investieren. Ziel ist es dabei, so die Ankündigung, „im Zentrum des Stadtteils Elberfeld eine flächendeckende Nutzung zu erreichen“.

Und die beste Nachricht überhaupt: Ab dem 1. August soll die Schwebebahn wieder regelmäßig fahren, zwar nicht im gewünschten Zweieinhalb-Minuten-Takt, aber immerhin. Bis alle 31 eingesetzten Wagen vollständig saniert und repariert sind, werde es aber noch gut zwei Jahre dauern, so der WSW-Vorstand.
 

Ralf Köpke
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 14.06.2021, 16:22 Uhr

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