• Regierung legt Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes vor
  • "TEKLa" senkt die CO2-Emissionen in der Landwirtschaft
  • EnBW gibt Windkraftprojekt Pfettrach auf
  • EWR-Kunden bevorzugen Festpreis und Öko
  • Papier statt Digitalisierung bei Energieversorgern
  • Die Netze der Zukunft verbinden Strom und Gas
  • Mehr Transparenz im Verteilnetz
  • Zusammenfassung der deutschen Tagesmeldungen vom 21. Januar
  • Steinkohleverbrauch in Deutschland nach Sektor 2019
  • Strom: Day Ahead bleibt fest
Enerige & Management > Gas - Würzinger: "Verbraucher schätzen die Anwendungsvorteile"
Bild: Fotolia.com, WoGi
GAS:
Würzinger: "Verbraucher schätzen die Anwendungsvorteile"
Alfred Würzinger, Obmann der Gasgroup und Chef der Energie- und Wasserversorgung Bünde, über die Rolle von Erdgas bei der Energiewende am Wärmemarkt.
 
E&M: Herr Würzinger, Gasversorger klagen, dass die Energiewende bisher nur eine Stromwende ist und die Diskussion über den Wärmemarkt außen vor bleibt. Mit welchen Instrumenten sollte die neue Bundesregierung die Wende am Wärmemarkt forcieren?
 
Würzinger: Richtig ist, dass die Energiewende selten ganzheitlich angegangen wird. Die Diskussion über Instrumente erscheint verfrüht, solange Klimaschutzziele nicht im Vordergrund der Energiewende stehen. Wenn diese stärker berücksichtigt werden, sehe ich eine Entwicklung im Wärmemarkt, die aus ökologischen und ökonomischen Gründen Erdgas befördert.
 
E&M: Die erdgasbetriebene Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) für Gewerbe, öffentliche Gebäude, Wohnanlagen sowie Büro- und Geschäftshäuser wird seit Jahren immer wieder beschworen. Was muss passieren, damit sich KWK durchsetzt?
 
Alfred Würzinger: „Die Förderung muss KWK wettbewerbsfähig machen“
Bild: EWB

Würzinger: Die Förderung muss KWK wettbewerbsfähig machen. Die aktuelle KWK-Fördersystematik ist aber so komplex, dass man Endnutzern wirtschaftliche Vorteile von KWK kaum anschaulich nahebringen kann. Die Photovoltaik-Anlage im EEG-Regime hat es erheblich leichter, sie wird ohne Einschränkungen gefördert. KWK muss sich demgegenüber wegen der Hürde Jahresnutzungsgrad permanent beweisen. Ihre Einsatzmöglichkeit ist so deutlich eingeschränkt.
 
E&M: Gasversorger können für Ein- und Zweifamilienhäuser effiziente Brennwerttechnik in Kombination mit Solarthermie und Mikro-KWK als klimaschonende Heiztechnik empfehlen. Sind das ausreichend attraktive Alternativen zu stärker regenerativen Angeboten wie Pellet-Heizungen oder Wärmepumpen?

„Erdgas gewinnt unter Kosten- und Effizienzaspekten an Bedeutung“

Würzinger: Moderne Erdgastechnologien weisen ökologisch, ökonomisch und in der Anwendung Vorteile gegenüber den anderen Technologien auf, wenn man die CO2-Bilanz des BRD-Strommixes, mögliche Emissionen wie Staub oder Schwefel sowie Kapital- und Betriebskosten einbezieht. Berechnungen zu CO2-Vermeidungskosten haben gezeigt, dass Erdgastechnologien hier einen Vorsprung haben. Alternative Heiztechnologien schaffen in der Alltagspraxis bisweilen Probleme, die man von ausgereiften Systemen kaum kennt. Politisch zu beantworten ist auch noch, welchen Beitrag dem Erdgas beigemischtes Biomethan oder mit Power-to-Gas erzeugtes Methan bei der Senkung des CO2-Ausstoßes leisten soll.
 
E&M: Effizienz in der Wärmeversorgung bedeutet weniger Gasabsatz. Auf welche Rückgänge müssen sich Gasversorger in den nächsten Jahren einstellen?
 
Würzinger: Insgesamt schätze ich, dass sich der Erdgasverbrauch zu Heizzwecken ohne weitere steuernde Eingriffe bis 2035 um etwa 20 Prozent reduzieren wird. Falls der Klimawandel bei uns weiter zu eher kälteren Wintern führt, kann dieser Wert auch deutlich geringer ausfallen.
 
E&M: Was bedeutet das für Vertrieb und Beschaffung?
 
Würzinger: Der Erdgasvertrieb wird sich neben dem Gas-zu-Gas-Wettbewerb wieder dem Wettbewerb der Energieträger und Anwendungstechnologien zuwenden. Die zunehmende Komplexität der technischen Systeme und der energiewirtschaftlichen Zusammenhänge macht Produkte erklärungsbedürftiger und Stadtwerke zu Energie- und Effizienzmanagern. Die Erdgasbeschaffung wird ebenfalls komplexer. Auch dafür wird die Gasgroup nach praktikablen Lösungen suchen.
 
E&M: Stadtwerke berichteten zuletzt wieder über steigende Hausanschlusszahlen und verstärkte Heizungsumstellungen von Öl auf Gas. Kann man da schon von einem Trend sprechen?
 
Würzinger: Erdgas gewinnt unter Kosten- und Effizienzaspekten an Bedeutung. Die Abkopplung vom Ölpreis hat seine Wettbewerbsfähigkeit gestärkt. Verbraucher schätzen die Anwendungsvorteile. Für unser Unternehmen traue ich mir zu sagen, dass aus der geschilderten, seit drei Jahren anhaltenden Entwicklung, ein Trend werden könnte. Auch das System der Anreizregulierung könnte Gas begünstigen, da Netzbetreiber kurz- und langfristig wirkende Effekte aus der Bepreisung neuer Hausanschlüsse und ihrer regulatorischen Berücksichtigung kalkulieren können.
 
Die GasGroup
ist eine Arbeitsgemeinschaft von etwa 15 kommunalen Unternehmen aus ganz Deutschland, die sich mehrmals pro Jahr zum Erfahrungsaustausch über Gasbeschaffung, Gasprodukte, Gasanwendung und Innovation trifft. Für 6. November lädt die Organisation zur Konferenz „Der Gasmarkt in der Energiewende“ nach Berlin ein.
 

Peter Focht
Redakteur
+49 (0) 30 89746265
eMail
facebook
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 15.10.2013, 09:01 Uhr

Mehr zum Thema