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Enerige & Management > Windkraft Offshore - WPD-Gruppe voll im Zeitplan
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
WPD-Gruppe voll im Zeitplan
Die WPD-Gruppe kommt planmäßig mit ihrem ersten Offshore-Windpark in Taiwan voran. In Deutschland hofft der Projektentwickler auf eine schnelle Umsetzung des Ostsee-Projektes Gennaker.
 
Bereits im kommenden Jahr will die WPD-Gruppe aus Bremen 44 Windturbinen ihres ersten Offshore-Windparks vor Taiwan errichten. Die verbleibenden 36 des insgesamt 80 Anlagen mit jeweils 8,4 MW Leistung umfassenden Yunlin-Projektes rund acht Kilometer vor der Westküste Taiwans sollen dann 2021 folgen. „Aktuell liegen wir voll im Zeitplan“, sagte Achim Berge Olsen, der im WPD-Vorstand für das Offshorewind-Geschäft zuständig ist, gegenüber E&M.

Der Projektentwickler von der Weser hatte bei Taiwans erster Ausschreibung für die Offshore-Windenergie im vergangenen Frühjahr als einziges deutsches Unternehmen Zuschläge für gleich zwei Gebote bekommen: zum einen für Yunlin mit 640 MW sowie für das Vorhaben Guanyin mit 350 MW Leistung. WPD profitierte dabei nicht nur von seiner Offshorewind-Expertise: Die Hanseaten haben seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts mehrere Windparks auf der Insel im Chinesischen Meer gebaut und sind dort so eine bekannte Größe.

Beeindruckt zeigt sich Berge Olsen von dem Tempo, das Taiwans Regierung beim Ausbau der Offshore-Windenergie vorlegt. Bis Mitte der 2020er Jahre ist eine Leistung von rund 5.000 MW auf See vorgesehen, die dann die noch laufenden Atomkraftwerke ersetzen soll. „Nachdem die Regierung in Taipeh erst 2017 ihre erste Auktion gestartet hatte, stehen bereits im kommenden Jahr die ersten Windturbinen im Wasser“, so Berge Olsen, „das ist ein Tempo, das wir gerne auch in Deutschland hätten, wo alles viel, viel länger dauert.“

In einem Rekordtempo war es WPD in diesem Frühjahr gelungen, die Finanzierung für das mit 2,7 Mrd. Euro bislang für die Region Asien-Pazifik größte projektfinanzierte Vorhaben im Bereich der erneuerbaren Energien abzuschließen. Kurz darauf stieg ein japanisches Konsortium mit 27 % Projekt bei dem Yunlin-Projekt ein. Dass die Hanseaten sich noch von weiteren Anteilen trennen werden, ist ein offenes Geheimnis: „Wir werden auf jeden Fall mit einer nicht unbeträchtlichen Quote im Projekt bleiben“, betonte Berge Olsen gegenüber E&M. Ähnlich sieht der Plan auch für den kleineren Guanyin-Offshore-Windpark aus, für den WPD Mitgesellschafter sucht.

Alle Hauptkomponenten für diesen Offshore-Windpark wird WPD, so eine Auflage der Ausschreibungsbedingungen, in Taiwan fertigen müssen. Bei Yunlin sehen die Rahmenbedingungen noch anderes aus: „Wir müssen jeweils die Hälfte der Türme, der Monopile-Fundamente und der Verbindungsstücke zwischen Fundament und Turm von einheimischen Unternehmen fertigen lassen“, sagt Berge Olsen. Die ersten Erfahrungen mit den taiwanesischen Unternehmen, die von WPD-Teams im Vorfeld geschult worden sind, bewertet der Offshore-Windexperte von Weser als positiv: „Wir sind wirklich überrascht von der hohen Qualität und dem Produktionstempo“.

Die Genehmigung für Gennaker liegt vor

Wenn die beiden Taiwan-Projekte spätestens 2023 am Netz sind, würde Berge Olsen mit seinen Teams liebend gerne in einheimischen Gewässern weitermachen: Im Frühsommer diesen Jahres hat WPD nach jahrelangem Vorlauf die Genehmigung für das Ostsee-Projekt Gennaker innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone erhalten. Rund 15 Kilometer vor der Küste der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst sollen 103 Windenergieanlagen der 8-MW-Klasse errichtet, sprich mit einer Leistung zwischen 800 und 900 MW könnte Gennaker in der ersten Hälfte der 2020er Jahre hierzulande das größte Meereswindkraftwerk werden.

Wann Gennaker in Betrieb geht, darauf will sich Berge Olsen nicht festlegen: „Obwohl der Netzentwicklungsplan den Netzanschluss für unser Projekt erst für das Jahr 2028 vorsieht, wissen wir, dass es viel schneller geht.“ Gefragt, ob Gennaker zu der zusätzlichen 5.000 MW-Offshore-Windleistung zählt, die die schwarz-rote Regierungskoalition bis zum Jahr 2030 plant, zuckt Berge Olsen mit den Achseln: „Wir können das Interesse erkennen, fragen uns aber, wie die konkrete Umsetzung aussehen könnte.“

Sein Credo ist eindeutig: „Wir stehen jedenfalls bereit und können Gennaker jetzt schnell umsetzen.“ Die Politik wäre nach seinen Worten gut beraten, für das Erreichen der nationalen Klimaschutzziele das bundesweit größte und komplett genehmigte Offshore-Windparkprojekt nicht allzu lange in der Warteschleife hängen zu lassen.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 10.12.2019, 16:20 Uhr

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