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Enerige & Management > Studien - Wirtschaftsinstitute plädieren für höhere CO2-Preise
Quelle: Fotolia / Minerva Studio
STUDIEN:
Wirtschaftsinstitute plädieren für höhere CO2-Preise
In ihrer Gemeinschaftsprognose Herbst 2021 sehen die Wirtschaftsforschungsinstitute
die Notwendigkeit, steigende Energiepreise zur Erreichung der Klimaschutzziele zu akzeptieren.
 
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr heruntergeschraubt. Sie stellten am 14. Oktober in Berlin ihre halbjährliche Gemeinschaftsprognose vor. „Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 um 2,4% und im Jahr 2022 um 4,8% zulegen“, sagt Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Im Frühjahr hatten die Wirtschaftsinstitute noch erwartet, dass nach dem coronabedingten Einbruch 2020 das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 3,7 % zulegt.

Nun erwarten sie die Erholung nach der Covid-19-Pandemie in Deutschland erst für 2022. Es sei davon auszugehen, dass im Winter die Aktivität im Dienstleistungsbereich auch bei geringem Infektionsgeschehen unter dem sonst üblichen Niveau bleiben werde. Außerdem behindern Lieferengpässe vorerst das Verarbeitende Gewerbe. Im Verlauf des Jahres 2022 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder die Normalauslastung erreichen. Die Institute rechnen außerdem mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 3 % im laufenden Jahr und um 2,5 % im Jahr 2022.

Hohe Energiepreise treiben Inflation an

Gestiegene Energiepreise hatten die Inflation in Deutschland zuletzt weiter angeheizt. Im September kletterten die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,1 %, wie das Statistische Bundesamt am Vortag mitgeteilt hatte. Gebremst werde die Erholung zum einen durch jene Branchen, die in besonderem Maße auf soziale Kontakte angewiesen sind, etwa Gaststätten und Tourismus, Veranstaltungsgewerbe oder Luftverkehr. Kurzfristig würden wahrscheinlich die angesparten Guthaben der Verbraucher 2022 in Nachholkonsum ausgegeben werden, was die Konjunktur ankurbeln könne.

„Wir müssen den Gürtel enger schnallen bei Energieverbrauch und Konsum, wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen“, sagte Holtemöller. Das müsse ehrlich kommuniziert werden und durch individuelle Ausgleichszahlungen an die einkommensschwachen Haushalte kompensiert werden. Auch wenn die Einhaltung der Schuldenbremse den öffentlichen Finanzen Grenzen setzt, bestünden derzeit Spielräume, um eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik zu bewirken, konstatieren die Forscher.
 
Eckdaten der Prognose des Herbstgutachtens 2021 Quelle: GD 2021 - Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Konsequente Klimaschutzpolitik gefordert

Langfristig führten „die Herausforderungen des Klimawandels und das demografisch bedingt absehbar niedrigere Wirtschaftswachstum zu geringeren Konsummöglichkeiten“, warnte Holtemöller. Diese gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen wurden bisher zu zögerlich angegangen, kritisieren die Wirtschaftsforscher. Die aktuelle Klimaschutzpolitik sei ineffizient und absehbar, dass mit den bestehenden Maßnahmen die von der Regierung selbst gesteckten Emissionsziele nicht erreicht werden können.

Höhere Energiepreise durch Abgaben auf Klimagasemissionen seien ein wichtiges Mittel, um die Energiewende in allen Sektoren voranzutreiben. Die neue Bundesregierung habe die Chance, die Wirtschaftspolitik neu auszurichten und dabei den Fokus von kurzfristigem Konsumdenken auf Investitionen in das Human-, Umwelt-, Sach- und Sozialkapital zu verschieben. Bei alledem sei die Nachhaltigkeit der öffentlichen Haushalte zu beachten, appellieren die Wissenschaftler.

Großes Risiko in Überalterung der Bevölkerung

Zugleich warnen sie, dass die Zuwanderung nach Deutschland durch die Pandemie eingebrochen sei und immer weniger Arbeitende für immer mehr Ruheständler aufkommen müssten. Das schlage sich zudem in einem Fachkräftemangel nieder. Auch bei der Digitalisierung hinke Deutschland hinterher und gehe damit das Risiko ein, international an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren und Möglichkeiten zur Steigerung der Produktivität nicht zu nutzen.

Die Corona-Krise zeige auch am Arbeitsmarkt deutliche Spuren. Trotz massiver Kurzarbeit gingen bis zur Jahresmitte schätzungsweise 820.000 Stellen verloren. Seitdem steige die Zahl der Erwerbstätigen wieder leicht, das Vorkrisenniveau werde aber auch hier erst Mitte 2022 erreicht. Die Arbeitslosenquote dürfte dieses und nächstes Jahr auf 5,9 % steigen und 2022 leicht auf 5,5 % zurückgehen.

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Institute wird zweimal im Jahr erstellt, im Frühjahr sowie im Herbst. Beteiligt sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, das Ifo-Institut München, das Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) Essen.

Die "Gemeinschaftsprognose Herbst 2021"   steht kostenlos als PDF zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 14.10.2021, 13:24 Uhr

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