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Quelle: Shutterstock / katjen
WIRTSCHAFT:
Wirtschaftsforscher warnen vor Energiepreisbremse
Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und hoher Inflationsraten legten führende Wirtschaftsforschungsinstitute eine verminderte Konjunkturprognose mit einem Wachstum von nur 2,7 % vor.
 
Fünf führende Wirtschaftsforschungsinstitute kamen in ihrer Frühjahrsprognose vom 13. April zum Schluss, dass das im Herbst prognostizierte Wachstum von 4,8 % für 2022 nicht erreicht werde. Vielmehr rechnen sie nur noch mit etwa 2,7 % Wachstum. Zudem werde die Inflation anhalten und ein Mittel von 6,1 % halten.

Die Berater führen dies auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zurück und die daraus folgenden Sanktionen und Lieferengpässe. Bei einer Verschärfung des Konflikts und im Falle eines Lieferstopps russischer Energieimporte könnte es noch schlimmer kommen, warnten sie vor der Presse in Berlin. Dann könne die Wirtschaftsleistung nur um 1,9 % wachsen.

Keine breite Stützung von Energiepreisen

Die Wirtschaftsforscher mahnten die Politik, Hilfspakete gegen die hohen Energiepreise vorsichtig zu dosieren, um die Inflation nicht weiter anzuheizen. "Werden solche Hilfen auf breiter Front ausgereicht, treibt das zusätzlich die Inflation und torpediert den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise", sagte der Leiter des "Kiel Instituts für Weltwirtschaft" (KIW), Stefan Kooths. Die Inflation werde auch so den höchsten Wert seit 40 Jahren erreichen. Der Staat solle die hohen Energiepreise nur gezielt für bedürftige Teile der Bevölkerung abfedern, warnte Kooths. Diese litten unter der Inflation am meisten.

Andernfalls hätten weder Unternehmen noch die Bevölkerungsmehrheit Grund, wegen steigender Energiepreise den Verbrauch zu drosseln und auf Alternativen umzusteigen. Das sei aber wegen der Klimaschutzziele nötig. Zudem hätten sich durch die Restriktionen in der Covid-19-Pandemie 200 Mrd. Euro Sparguthaben in Deutschland angesammelt. "Die Kostenzusammensetzung wird sich verschieben, Energie dauerhaft teurer werden", prognostizieren die Institute. Dieses Preissignal könne aber den benötigten Schub für die Energiewende bringen.
  Aufschwung nach Corona leidet durch Ukraine-Krieg

Die abflauende Corona-Pandemie sorge für eine kräftige Erholung und weitgehend volle Auftragsbücher. Allerdings erschwerten Lieferengpässe mit wichtigen Rohstoffen und der resultierende sprunghafte Preisanstieg die Erfüllung der Bestellungen. Hohe weltpolitische Unsicherheit lasse Unternehmen zudem bei Investitionen zögern, sagen die Wirtschaftsforscher. "Die staatlichen Hilfspakete während der Pandemie haben preistreibend gewirkt", bewertete Kooths. Jetzt fachten die hohen Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs den Preisauftrieb noch weiter an.

Daher müsse der Staat sehr vorsichtig mit weiteren Hilfen sein. "Alles, was der Staat jetzt unternimmt, um in der Breite der Bevölkerung noch zusätzliche Kaufkraft in den privaten Sektor zu pumpen, würde eben hier die Inflation zusätzlich anfachen", sagte Kooths. "Der Staat könne nicht die Breite der Bevölkerung entlasten, weil er sich selber aus der Breite der Bevölkerung finanziert", erinnerte der Forscher.

Energiestopp aus Russland hätte schwere Folgen

Auch für die Wirtschaft sei zielgerichtete Unterstützung angesagt, keine breite Subventionierung von Energie. Sonst würden Geschäftsmodelle am Leben erhalten, die sich bei dauerhaft hohen Energiepreisen künftig einfach nicht mehr rechnen, so die Forscher. Wenn Russland oder Deutschland die Energielieferungen sofort stoppten, so ein Szenario der Institute, stünden dieses und nächstes Jahr 220 Mrd. Euro an Wirtschaftsleistung "im Feuer", wie die Forscher sagten. 6,5 % der jährlichen Wirtschaftsleistung gingen verloren.

An der sogenannten Gemeinschaftsdiagnose der Institute sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Ifo Institut, das Kiel Institut für Weltwirtschaft (KIW), das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (IWF) Halle und das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen beteiligt.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 13.04.2022, 13:59 Uhr

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