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Enerige & Management > Bilanz - Wintershall Dea verdient deutlich mehr
Quelle: Fotolia / Andrey Popov
BILANZ:
Wintershall Dea verdient deutlich mehr
Einen Gewinnsprung hat der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea im zweiten Quartal 2022 hingelegt. Bei der Vorstellung der Bilanz ging es vor allem auch um die Energiesicherheit.
 
Wintershall Dea konnte von den stark gestiegenen Preisen für Öl und Gas profitieren und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationskosten (Ebditdax) von 1,8 Mrd. Euro erzielen. Ein Jahr zuvor waren es noch 636 Mio. Euro.

Der bereinigte Gewinn erhöhte sich von 168 auf 608 Mio. Euro. Dabei profitierte der Konzern auch von höheren Produktionsmengen und niedrigeren Investitionen. Die wurden im Vergleich um 4 % auf 214 Mio. Euro zurückgefahren. Für das Gesamtjahr hat das Unternehmen das Produktionsziel erhöht und will täglich bis zu 640.000 Barrel Öl und Gas fördern. Zuvor waren 630.000 Barrel angestrebt worden. Aktuell sind es 623.000 Barrel und damit 2 % mehr als im Vorjahreszeitraum.

Unter dem Stichwort "Portfolio-Optimierung" führt Wintershall Dea den Verkauf der norwegischen Ölfelder Brage und der gesamten Beteiligung am Ölfeld Ivar Aasen an. Zudem wurde die Genehmigung für das norwegische Entwicklungsprojekt Nova erteilt. Produktionsstart dort soll noch im Sommer sein. Die Vorhaben Njord und Dvalin will man im vierten Quartal startklar haben. Explorationserfolge werden für die Gebiete Gjoea und Skarv gemeldet. CEO Mario Mehren hob bei der Vorstellung der Zahlen am 26. Juli die Rolle Norwegens als zweitwichtigstem Gasexporteur für die EU hervor und verwies auf Milliardeninvestitionen, die sein Unternehmen im Land tätige.

Verstärkte Präsenz will der Öl- und Gaskonzern auch in Algerien zeigen. Hier wurde etwa der Anteil am Projekt Reggane Nord erhöht. Darüber hinaus kündigte Mehren an, die einheimische Produktion schnell zu steigern und so viel Gas und Öl wie möglich in Deutschland zu produzieren. "Die Produktion in der Europäischen Union ist ein Muss, wenn wir die Importe zurückfahren wollen."

Über Jahrzehnte gebildetes Vertrauen zerstört

Mehren ging auch ausführlich auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit einhergehende Energieverknappung durch Russland ein. In dem Zusammenhang sprach er von einem "Epochenbruch" und von über Jahrzehnte gebildetem Vertrauen, das zerstört wurde. "Wir stehen vor einem gravierenden Dilemma: Wir müssen als Gesellschaften der russischen Aggression beherzt und mutig entgegentreten", so Mehren. "Gleichzeitig muss die Energieversorgung für Haushalte und Wirtschaft weiter gesichert werden."

An Spekulationen, wie es mit den Gaslieferungen aus Russland weitergeht, oder zu den Gründen für die Liefereinschränkungen, wollte sich der Chef des Konzerns, der immer noch stark in Russland engagiert ist, nicht äußern. Etwa die Hälfte der Produktion von Wintershall Dea erfolge in Russland. Es werde jedoch keine Investitionen in neue Aktivitäten mehr geben, ebenso kein Geld mehr für bestehende Anlagen. Das Unternehmen sei aber, so Mehren, für die dort arbeitenden Menschen verantwortlich, ebenso für die dort installierten Werte.

Unklar ist derzeit auch, ob Wintershall Dea seine Gewinne in Russland in Form von Dividenden nach Deutschland transferieren kann. Dazu müsse nach neuen Regeln ein Antrag gestellt werden, sagte Finanzvorstand Paul Smith. Der Konzern ist derzeit noch an drei Projekten in Sibirien beteiligt. Mehrheitsgesellschafter von Wintershall Dea mit Sitz in Kassel ist der Chemieriese BASF. 

Diversifikation und Dekarbonisierung

Die Energieindustrie und Wintershall, so der CEO, würden auf die Entwicklung an den Energiemärkten mit verstärkten Investitionen in Zukunftstechnologien reagieren. "Das sind Diversifikation und Dekarbonisierung", erklärte er. Dabei sei Norwegen auch bei CCS-Projekten hervorragend positioniert. CCS steht für "Carbon Capture an Storage" − dabei geht es um die unterirdische Speicherung von CO2, für die man bei Wintershall Dea in Europa ein enormes Potenzial sieht. Vor allem bei unvermeidlichem CO2 aus der industriellen Produktion sei die Technik erforderlich, um die Klimaziele zu erreichen, hieß es.

Laut einer Studie übertreffen die Kapazitäten zur Speicherung allein unter der Nordsee den CO2-Ausstoß der gesamten EU um ein Vielfaches. Fürs kommende Jahr kündigte der CEO den Start eines Projektes an. "Um diese Klimaschutz-Potenziale zu nutzen, muss sich beim Thema CCS manch einer aus seiner ideologischen Komfortzone herausbewegen", forderte Mehren. Das gelte für die Gesellschaft und für die Politik. "Die politischen Entscheidungsträger müssen einen verlässlichen Rahmen schaffen, damit sich Unternehmen für CCS engagieren können."

Als zweites wichtiges Standbein für den Beitrag des Unternehmens zur Dekarbonisierung führte der CEO Wasserstoff an. Auch hier leiste man mit Pilotprojekten wie "BlueHyNow" Pionierarbeit. "Wir analysieren die Machbarkeit des blauen Wasserstoffprojekts in Wilhelmshaven an der deutschen Nordseeküste." Möglicherweise schon im Jahr 2028 könne man beginnen, den Wasserstoff aus Erdgas zu gewinnen. Dabei rechnet Mehren mit einer Kapazität von bis zu 200.000 m3 pro Stunde. Bei der Herstellung von blauem Wasserstoff aus Erdgas wird das entstehende CO2 mithilfe der CCS-Technik abgeschieden und eingelagert.
 
Kennzahlen der Wintershall Dea
  2. Quartal 22 2. Quartal 21
Ebitdax in Mio. Euro 1.828 636
Bereinigter Gewinn in Mio. Euro 608 168
Tagesproduktion in Barrel 623.000 613.000
Quelle: Wintershall Dea
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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