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Enerige & Management > Statistik - Windkraftausbau an Land schwächelte im ersten Halbjahr
Bild: Fotolia.com, DeVIce
STATISTIK:
Windkraftausbau an Land schwächelte im ersten Halbjahr
Der Windkraftausbau hat hierzulande in den ersten Monaten an Schwung verloren.
 
Mit einer neu installierten Netto-Leistung von 1 093 MW lag der Windkraftausbau an Land um rund 34 % unter dem Vergleichswert des Vorjahreszeitraums. „Wir hatten ein teilweise stürmisches Frühjahr gehabt, was den Bau von so manchen Windparks verzögert hat“, erklärte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), den Rückgang. „Außerdem haben wir im vergangenen Rekordjahr viele Vorzieheffekte beim Bau von Windparks gesehen, die sich bei den Halbjahreszahlen ausgewirkt haben.“ Trotz der Delle sieht Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, keinen Grund zur Panik: „Die 1 093 Megawatt bedeuten die zweithöchste Zubauleistung in einem ersten Halbjahr, die wir bislang beim Ausbau der Windenergie erlebt haben.“ Der VDMA-Mann erwartet bis Jahresende eine „rasante Aufholjagd“. Denn BWE und VDMA haben ihre Ausbauprognose im Vergleich zu Beginn des Jahres auf einen Korridor von 4 000 bis 4 500 MW erhöht. Zusammen mit den erwarteten 2 250 MW Offshore-Leistung in Nord- und Ostsee wird die bundesdeutsche Windkraft-Leistung in diesem Jahr wohl ein Plus von über 6 000 MW erleben. Deutschland wird damit nach China und zusammen mit den USA auf jeden Fall zu den drei größten Windenergiemärkten weltweit zählen. „Auf die genaue Platzierung kommt es nicht an“, betonte VDMA-Geschäftsführer Zelinger, „wichtig ist, dass wir für den Export unserer Windtechnologie weiterhin einen stabilen Heimatmarkt haben.“
 
Ob sich der deutsche Windmarkt über das Jahr 2016 hinaus stabil entwickelt, hängt nach Einschätzung der beiden Windenergieverbände vom Design des künftigen Ausschreibungsmodells ab. Das lang erwartete Eckpunktepapier wird das Bundeswirtschaftsministerium, wie zu hören ist, am 31. Juli vorstellen.
 
Dass es im zweiten Halbjahr wesentlich mehr Windparks neu ans Netz gehen werden, erklärt sich vor allem mit der sich abzeichnenden Vergütungsabsenkung. Neben der üblichen Degression wird im kommenden Jahr der Vergütungssatz (derzeit 8,9 Ct/kWh) jedes Quartal um weitere 1,2 % reduziert, im Gesamtjahr gesehen kommen so insgesamt 4,8 % zusammen. Diese weitere Kostenbremse hatte die letztjährige EEG-Novelle für den Fall vorgesehen, dass der von der schwarz-roten Bundesregierung jährliche Netto-Windkraftausbau mit 2 500 MW deutlich übertroffen wird. Was im vergangenen Jahr mit einem Plus von 4 750 MW eingetreten ist. „Jeder potenzielle Betreiber versucht deshalb, seine Anlagen noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen“, beschreibt BWE-Präsident Albers die Aussichten für die kommenden Wochen, „im zweiten Halbjahr werden die Anbieter von Hochleistungskränen Hochkonjunktur haben.“
 
Nicht nur die bevorstehende Vergütungsabsenkung drängt die Windmüller zur Eile. „Gerade in den vergangenen Woche sind die Zinsen bei der Finanzierung von Windturbinen gestiegen, was auf die Wirtschaftlichkeit der Projekte durchschlägt“, so Albers. Noch eine Entwicklung bereitet ihm Sorgen: Die letztjährige EEG-Novelle hat festgelegt, dass die Windkraftbetreiber bei negativen Strompreisen an der Börse von mehr als sechs Stunden keine Vergütung erhalten. „Das ist eine unkalkulierbare Regelung, die die Einnahmen für die Betreiber unsicherer machen und vor allem die Verhandlungen mit den Banken bei der Finanzierung neuer Windparks“, verweist Albers auf die Fallstricke des EEG-Paragrafen 24.
 
In den ersten sechs Monaten gehörten Schleswig-Holstein (333 MW), Brandenburg (171 MW) und Niedersachsen (137 MW) zu den drei erfolgreichsten Bundesländern beim Windkraft-Ausbau. Bayern landete mit gut 95 MW beim Ländervergleich auf Rang 5, da trotz der umstrittenen 10-H-Abstandsregelung eine Reihe von Projekten mit älteren Genehmigungen gebaut worden sind. Unter den großen Flächenländern rangiert Baden-Württemberg nach wie vor am Schluss: Im Ländle gingen lediglich zwei Windturbinen mit 5,4 MW Leistung neu in Betrieb.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 30.07.2015, 14:40 Uhr

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