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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Windkraftausbau an Land auf dem Tiefpunkt
Bild: psdesign1 / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Windkraftausbau an Land auf dem Tiefpunkt
Im vergangenen Jahr gab es bei der Windkraft an Land nur ein (Netto)-Plus von 871 MW. Dieser Absturz hält Union und SPD nicht davon ab, über die weitere Windenergiepolitik zu streiten.
 
Wenn Hermann Albers und Matthias Zelinger am 28. Januar die Bilanz zum letztjährigen Windkraftausbau an Land präsentieren, dürfte das einer ihrer bittersten Momente als Verbandsfunktionäre sein. Denn der Präsident des Bundesverbandes Windenergie und der Geschäftsführer von VDMA Power System können nur ein Plus von 958 MW vermelden, so der letzte Stand im Marktstammdatenregister für das Jahr 2019. Da neben den 282 neu errichteten Windenergieanlagen eine Reihe von Altanlagen endgültig abgebaut worden ist, lag die relevante Netto-Zubauleistung bei 871 MW - ein kaum für möglicher gehaltener Tiefpunkt. Sowohl der Brutto- als auch der Nettowert bedeuten den niedrigsten Ausbau der Windenergie an Land seit 1998 – eine erschreckende Entwicklung im Energiewende-Zeitalter.

Der Absturz der Windbranche könnte nicht größer sein: Erst vor zwei Jahren hatten die Verbände noch einen Rekordausbau von über 5.330 MW brutto zwischen deutsch-dänischer Grenze und dem Alpenvorland vermeldet. Bei dem Jubel sind allerdings die ersten warnenden Signale nicht wahrgenommen worden. In Folge der EEG-Novelle 2017 hatten bereits damals erste Windturbinenhersteller über sinkende Aufträge auf dem deutschen Markt geklagt, zudem kam es auch zu ersten Entlassungen.

Auf die Flaute beim Bau neuer Onshore-Windturbinen hat die Berliner Politik viel zu spät reagiert. Und nicht nur das: Nach wie vor ist die Große Koalition zerstritten, wie der Windkraftausbau wieder an Fahrt gewinnen soll (Stichwort: bundeseinheitlicher Mindestabstand von 1.000 Metern).

Erstmals seit den frühen 1990er Jahren ist Enercon mit Sitz in Aurich nicht mehr die Nummer eins auf dem heimischen Windmarkt. Die ostfriesische Windschmiede landete nach einer Analyse des Marktstammregisters durch die Fachagentur Windenergie an Land auf Rang zwei mit einem Marktanteil von 31,6 %. Neuer Spitzenreiter ist der dänische Vestas-Konzern, der es auf einen Marktanteil von 43,6 % brachte. Auf Rang drei folgt Nordex mit gut 10 % Marktanteil.

Die Talfahrt von Enercon hierzulande ist damit aber noch nicht gestoppt: Bei den im vergangenen Jahr neu genehmigten 500 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 1.940 MW kommen die Ostfriesen nur noch auf einen Marktanteil von 21 %. Die Nummer eins bleibt Vestas mit gut 35 %, auch Nordex behauptet den dritten Platz, aber mit einem deutlichen Zuwachs auf 16 %. Einen Sprung nach vorn wird auch GE Renewable Energy auf 11 % schaffen - bei Nordex und GE machen sich die neuen Anlagen der 5-MW- und 150-Meter-Rotor-Generation bemerkbar.

Unterdessen hat der RWE-Konzern einen Runden Tisch mit allen Interessengruppen und Bürgerinitiativen vorgeschlagen, damit der Windenergieausbau an Land wieder in Gang kommt. „Vielleicht könnte man einen ähnlichen Weg gehen wie beim Kohle- und Kernenergieausstieg: einen Runden Tisch, der sich des Themas annimmt und konkrete Lösungsvorschläge macht“, betonte Anja-Isabel Dotzenrath, verantwortlich für RWE Renewables, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Ein Runder Tisch müsse auch unpopuläre Vorschläge, so die Energiemanagerin, „wie einfachere und schnellere Genehmigungsverfahren“ machen.

Der Aufruf von RWE ist mehr als wohlfeile PR zu bewerten. RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz hatte zuletzt mehrmals betont, dass RWE Renewables jährlich an die 1,5 Mrd. Euro eigenes Geld in grüne Energien investieren wolle. In Deutschland verfolge der Konzern aber keine Ausbaupläne seines Ökostrom-Portfolios, weil insbesondere bei der Windenergie an Land die Rahmenbedingungen nicht stimmen würden.

Dass diese Rahmenbedingungen in der Tat nicht stimmen, zeigt der jüngste Streit zwischen Bundesumweltministerin Svenja Schulze und ihrem Kabinettskollegen Peter Altmaier (CDU). Wenige Tage von dem Bund-Länder-Treffen zur Energiewende im Kanzleramt in dieser Woche machte die SPD-Politikerin den Bundeswirtschaftsminister dafür verantwortlich, dass der Windkraftausbau „so stark ins Stocken geraten ist“.

Altmaier müsse die Novelle für das Erneuerbare-Energien-Gesetz so schnell wie möglich auf den Tisch legen, „damit die Politik endlich für mehr Planungssicherheit sorgt“, forderte Schulze. Sie warnte eindringlich vor einer anhaltenden Windkraft-Blockade durch neue strenge Abstandsregeln, wie sie Altmaier und Teil der Unionsfraktion fordern. „Bundesweite Windmühlen-Bannmeilen von einem Kilometer schon um kleinste Siedlungen herum würden die Windkraft abwürgen und sind überhaupt nicht notwendig“, kritisierte Schulze.

Dringend benötigte Fläche für den weiteren Ausbau der Windenergie würde so wegfallen, „das wäre Wahnsinn“, so die Bundesumweltministerin. „Für mich ist es nicht vorstellbar, dass wir mit den Abstandsregeln bei fünf Häuschen anfangen. Da kann die SPD nicht mitgehen.“ Ein schnellerer Windkraftausbau gelinge nur, „wenn wir dafür den notwendigen Raum schaffen“, sagte sie und ergänzte: „Es wäre schön, wenn das auch in der Union endlich alle begreifen.“ Genau danach sieht es derzeit aber nicht aus.

Mit Material von dpa
 
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Montag, 27.01.2020, 12:46 Uhr

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