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Enerige & Management > Biogas - Windkraft-schwaches Thüringen will mehr Ökostrom aus Biogas
Quelle: Fotolia / Gerhard Seybert
BIOGAS:
Windkraft-schwaches Thüringen will mehr Ökostrom aus Biogas
Viel Wind macht die Landesregierung Thüringens um die Biogas-Produktion, besonders als Teil der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Damit lenkt das Land auch von Schwächen bei der Windkraft ab.
 
Erneuerbare Energiequellen verbesserten in Thüringen ihr Ergebnis im ersten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum beträchtlich. Beim eingespeisten Strom stellten die Ökoquellen fast zwei Drittel (63,6 %) der gesamten produzierten Menge von rund 3,076 Mrd. kWh. Der Hauptanteil am Ökostrom entfällt mit 1,2 Mrd. kWh auf die 884 Windenergieanlagen (62,4 %). Diese Werte gab die Statistikbehörde des ostdeutschen Bundesland jetzt bekannt.

Energieministerin Anja Siegesmund (Grüne) hebt angesichts der Zahlen die Bedeutung der Biomasse hervor, die für nahezu 18 % des produzierten Ökostroms verantwortlich ist (345 Mio. kWh, davon 215 Mio. kWh aus Biogasanlagen). 388 KWK-Anlagen laufen in Thüringen derzeit mit Biogas, der Zubau im vergangenen wie im laufenden Jahr ist mit jeweils 15 KWK-Anlagen überschaubar.

Biogas verliert bei Einspeisemenge und Anteil am Ökostrommix

Siegesmund fordert laut dpa von der Bundesregierung weitere Anstrengungen und Anreize, um mit mehr Biogas den Anteil fossilen Erdgases an der Stromproduktion weiter zu senken. Erdgas trug im Land noch mit 568 Mio. kWh Stunden zur Stromproduktion bei, das ist ein Minus von rund 16 %. Thüringens Biogasanlagen verfügen aktuell über eine Kapazität von 159 MW.

Die Betonung des Potenzials von Biogas lässt außer Acht, dass dieser Energieträger im Vergleichsquartal 2021 einen noch bedeutenderen Anteil am Thüringer Ökostrom hatte. Damals machten 357,4 Mio. kWh (3,3 % mehr Ertrag) noch gut ein Viertel (25,1 %) der erneuerbaren Elektrizität aus.

Auch rückt der Fokus auf Biogas die miserable Bilanz Thüringens bei der Windkraft in den Hintergrund. Zwar verbesserten die Windparks ihre Einspeisebilanz um mehr als die Hälfte (+54,6 %) gegenüber dem Vorjahresquartal. Dies lag aber vornehmlich an besseren Winden. Der Nettozubau liegt bei lediglich bei sieben Anlagen mit 54 MW, die Gesamtkapazität beträgt derzeit 1.694 MW.

Hintergrund des schleichenden Ausbaus der Windenergie sind die politischen Gräben, die sich in dieser Frage zwischen der Minderheitsregierung (Rot-Rot-Grün) und der Opposition auftun. CDU und die aktuell stärkere AfD liefern sich einen Wettlauf um die populistischste Verhinderungspolitik. Beinahe wäre es Mitte des Jahres zum politischen Eklat um die Einführung verbindlicher Abstandsregelungen für Windkraftanlagen zur Wohnbebauung gekommen, die die CDU mit Unterstützung der AfD durchzusetzen drohte. Mitte Juli wendeten Regierung und CDU dies mit einem Kompromiss ab.

Thüringens Energieproduzenten haben im ersten Quartal 2022 auch mehr Solarstrom eingespeist. Die Sonnenenergie liegt unter den Ökoquellen auf Platz drei mit knapp 300 Mio. kWh (plus 45 %) aus 38.700 Anlagen. Die konventionelle Stromproduktion ging insgesamt etwas zurück. Sie liegt noch bei 1,118 Mrd. kWh (2021: 1,177 Mrd. kWh).
 

Volker Stephan
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 18.08.2022, 16:44 Uhr

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