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Enerige & Management > Meinung - Windkraft - Flaute mit Ansage
Bild: underdogstudios / Fotolia
MEINUNG:
Windkraft - Flaute mit Ansage
Die Politik setzt die Zukunftsfähigkeit der Windbranche und viele tausend Arbeitsplätze durch schlecht gemachte Gesetze und Nichtstun aufs Spiel.
 
Und jetzt also Enercon. Nachdem bereits im vergangenen Jahr die beiden Windturbinenhersteller Senvion und Nordex zusammen über tausend Stellen gestrichen und Produktionswerke geschlossen hatten, hat es nun auch den deutschen Marktführer mit Sitz in Aurich erwischt. Die Ankündigung der Ostfriesen, Verträge mit mehreren Zulieferern zu kündigen, wird unter dem Strich mehr als 800 Jobs kosten.

Gerüchte über diese Stellenstreichungen hatte es bereits vermehrt in den zurückliegenden Wochen gegeben. Gegenüber Energie & Management hatte Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig bereits im vergangenen Herbst angekündigt, dass alle Produktionsbereiche auf den Prüfstand kommen. Denn schon damals war absehbar, dass der heimischen Windbranche eine Delle spätestens ab dem Jahr 2019 drohen würde - diese Flaute war absehbar.

Wirtschaftsminister und Staatssekretär haben schlecht gehandelt

Schuld daran ist eine schlecht gemachte Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus dem Sommer 2016, die der damalige Bundeswirtschaftsminister Gabriel (SPD) und sein Energie-Staatssekretär Rainer Baake zu verantworten hatten. Mit der EEG-Reform bevorzugte das Duo künstlich geschaffene Bürgerenergiegesellschaften bei den Ausschreibungsrunden für Windenergieanlagen in unverantwortlichem Maße. Dass die Gruppierungen mit ihren Privilegien im vergangenen Jahr fast alle Zuschläge bei den Auktion gewonnen hatten, bekommt die Windbranche spüren: Ob und wann die Projekte dieser Bürgergesellschaften gebaut werden, steht in den Sternen.

 
Ralf Köpke ist Chefreporter bei Energie & Management. Bild: Evi Ludwig


Nicht nur diese Aufträge fehlen den Herstellern, sondern der durch den Ausbaudeckel von 2 800 MW brutto im Jahr ohnehin künstlich verknappte Markt. Das im kommenden Jahr der Zubau bei der Windkraft an Land wohl nur bei 2 000 MW liegen wird, haben Gabriel und Baake zu verantworten.

Auch der neue Wirtschaftsminister lässt die Branche hängen

Aber nicht nur allein: Die neue Bundesregierung und ihr Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lassen die Windbranche allein im Regen stehen. Die im schwarz-roten Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen lassen auf sich warten, weil sie in das Ränkespiel zwischen Union und Sozialdemokraten geraten sind. Dabei wären diese Zusatzmengen für die nächsten Bieterrunden ein wichtiges Signal an die Windturbinenhersteller, Zulieferer oder auch Projektierern, dass eine Verlässlichkeit bei den Planungen für die nächste Jahre gibt.

Stattdessen schweigen sich diese Bundesregierung und Altmaier aus, wohl wissend, dass sie ihre Klimaziele für 2030 nie ohne einen forcierten Windkraftausbau an Land und auf See erreichen werden. Schwarz-Rot in Berlin muss aufpassen, dass der Windbranche hierzulande nicht das gleiche Schicksal droht wie der Photovoltaik-Industrie. Von der einstigen Zukunftsbranche sind nach der erneuten Insolvenz von Solarworld nur noch Überreste in Deutschland vorhanden.

Die Gefahr von weiteren Stellenstreichungen in der Windbranche ist akut, wie eine jüngste Branchenumfrage der IG Metall Küste bei 32 Unternehmen der Windbranche gezeigt hat. Es liegt allein an der Politik, diesen Aderlass zu stoppen.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Freitag, 03.08.2018, 14:23 Uhr

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