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Enerige & Management > Gasnetz - Windgas für regeneratives Heizen
Bild: Fotolia.com, WestPic
GASNETZ:
Windgas für regeneratives Heizen
Das Windgas von Greenpeace Energy bleibt nicht länger ein virtuelles Produkt. Ab 2014 liefert der Anbieter ein Gemisch aus Erdgas und Wasserstoff, der von Enertrag in Prenzlau mit Windstrom produziert und ins Gasnetz eingespeist wird.
 
Greenpeace Energy vertreibt seit 2011 nicht nur Ökostrom, sondern auch Gas zum Heizen oder Kochen und bietet dafür den Tarif proWindgas an. Die Kunden des Ökoanbieters zahlen pro Kilowattstunde Erdgas einen Aufschlag von 0,4 Cent. Bislang floss der Aufpreis in die Aktivitäten von Greenpeace Energy zur Entwicklung der Windgas-Technologie. Ab nächstem Jahr bekommen die Kunden dafür tatsächlich ein Gemisch aus Erdgas und Wasserstoff.

Der Wasserstoff kommt dann aus einem Elektrolyseur, den das Windenergie-Unternehmen Enertrag im brandenburgischen Prenzlau, 100 km nördlich von Berlin, betreibt. Er ist Teil des so genannten Hybridkraftwerks, das Strom und Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen produziert.

Das Hybridkraftwerk besteht aus drei Windenergieanlagen mit insgesamt 6,9 MW Leistung, einem Elektrolyseur (600 kW), der mit überschüssigem Windstrom Wasserstoff produziert, sowie zwei Blockheizkraftwerken, die mit Biogas und Wasserstoff betrieben werden und neben Strom auch Fernwärme für die Stadtwerke Prenzlau liefern. In das Hybridkraftwerk hat das Unternehmen bislang 21 Mio. Euro investiert, davon waren 4 Mio. Euro öffentliche Fördermittel.
 
Susanne Grabler, Vorstand Greenpeace Energy, und Jörg Müller, Vorstandsvorsitzender der Enertrag AG, beim ersten Spatenstich für die Anbindungsleitung des Hybridkraftwerks Prenzlau an das Gasnetz
Bild: Enertrag


Ein Teil des in Prenzlau erzeugten Wasserstoffs wird künftig für Greenpeace Energy in das Netz der Leipziger Gastransportgesellschaft Ontras eingeleitet und kann damit von Erdgasverbrauchern überall in Deutschland verwendet werden. Der Bau der etwa 150 m langen Anbindungsleitung zwischen Hybridkraftwerk- und Ontras-Netz wurde Ende Oktober gestartet. Ontras werde den Netzanschluss 2014 fertigstellen, heißt es aus Prenzlau.

„Windgas ist einer der wichtigsten Bausteine für das Gelingen der Energiewende in Deutschland“, sagt Enertrag-Vorstandschef Jörg Müller. Es mache regenerativen Strom speicherbar und sei für die Stromerzeugung ebenso geeignet, wie als Treibstoff oder als Brennstoff für die Heizung. „Der Einsatz von Elektrolyseuren ist besonders dann sinnvoll, wenn viel Wind weht und wenig Stromnachfrage besteht“, erklärt Susanne Grabler, Vorstand von Greenpeace Energy.

Eigentlich war die Einspeisung schon für Mitte 2012 vorgesehen, hatte sich aber wegen offener regulatorischer Fragen verzögert. Aufgrund strenger Grenzwerte, die derzeit maximal 2 % Wasserstoffanteil im Gasnetz erlauben, habe unter anderem geklärt werden müssen, welche Messmethodik zum Einsatz kommt, in welcher Reihenfolge möglicherweise mehrere Wasserstoff-Einspeiser abgeschaltet werden und welche Einspeisemenge letztlich möglich ist, so ein Enertrag-Sprecher.

Wasserstoffanteil im Brennstoff sukzessive steigern

Ab nächstem Frühjahr, so rechnet Greenpeace Energy, bekommen die bisher knapp 8 000 proWindgas-Kunden tatsächlich Windgas. „Wir werden zunächst 400 000 Kilowattstunden Wasserstoff abnehmen“, so eine Sprecherin der Hamburger Energie-Genossenschaft. Für deren Produktion werden nach Enertrag-Angaben etwa 1,8 Mio. kWh Windstrom gebraucht.

Der exakte Beimisch-Anteil für das Windgas-Produkt könne erst genannt werden, wenn der Wasserstoff tatsächlich eingespeist werde, ergänzt die Sprecherin. „Die Wasserstoff-Einspeisung ist ein erster Schritt und wir bleiben zunächst im niedrigen einstelligen Prozent-Bereich.“ Der Wasserstoff-Anteil im Windgas soll sukzessive gesteigert werden.

Schon 2015 will Greenpeace Energy einen eigenen Elektrolyseur am Start haben. Auch die Zahl der Windgas-Kunden wächst. „Dieses Jahr haben wir 1 000 neue Kunden gewonnen. Nächstes Jahr planen wir, die 10 000er-Marke zu knacken“, heißt es aus Hamburg.

Ökowasserstoff aus Prenzlau verkauft Enertrag auch an Total. Der Mineralölkonzern betreibt im Rahmen des Projekts Clean-Energy-Partnership fünf Wasserstoff-Tankstellen; drei in Berlin, je eine in München und Hamburg. In der Hauptstadt wird Prenzlauer Wasserstoff verteilt; unter anderem an über 50 Brennstoffzellenfahrzeuge, die dort mit Wasserstoff im Tank testweise unterwegs sind.
 

Peter Focht
Redakteur
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Mittwoch, 30.10.2013, 16:38 Uhr

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