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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Windbranche fordert größeren Offshore-Ausbau
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Windbranche fordert größeren Offshore-Ausbau
Angesichts der enormen Kostensenkung und der Klimaschutzerfordernisse sollte die Windkraft auf See bis 2030 auf 30 000 MW ausgebaut werden, so die Branchenverbände.
 
„Bis zum EEG 2014 waren die Ausbauziele höher. Sie wurden in Erwartung weiterer hoher Kosten nach unten korrigiert. Diese Sorge war unbegründet und wir sollten das jetzt korrigieren, damit die Offshore-Windkraft einen signifikanten Beitrag für die Klimaschutzziele leisten kann“, sagte Uwe Knickrehm, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie (AGOW), bei der Vorstellung der Ausbauzahlen 2017 in Berlin. Bereits vor einigen Monaten hatte die Branche zusammen mit den Küstenländern und den Gewerkschaften im „Cuxhavener Appell“ ein Ziel von mindestens 20 000 MW bis 2030 und 30 000 MW bis 2035 gefordert.
 
„Der Deckel ist kontraproduktiv und muss aufgehoben werden“, betont auch der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, mit Blick auf eine neue Bundesregierung. Die Kosten können aus Sicht der Branche kein Argument mehr sein: Bei der ersten Ausschreibungsrunde hatte es drei Null-Gebote gegeben. „Das heißt nicht, dass die Windparks für null gebaut werden, die Unternehmen verzichten jedoch auf den Zuschlag auf den Marktpreis“, erläutert Knickrehm. Eine Entwicklung, die sich auch in anderen europäischen Ländern zeigt, etwa in den Niederlanden. – Was aber nicht heiße, dass jedes Gebot künftig ein Null-Gebot sein werde.

Welche Kriterien soll es bei Null-Geboten für den Zuschlag geben?

„Die Nachricht über die Nuller-Gebote platzte in unserer Mitgliederversammlung“, berichtet Knickrehm. „Bis auf zwei Mitglieder waren alle so überrascht, dass wir die Sitzung unterbrechen mussten.“ Aus diesem „Meilenstein“, der eine neue Lage markiere, sollten neue Konsequenzen gezogen werden. Neben der Festlegung eines höheren Ausbauvolumens betrifft dies auch die Frage, nach welchen Kriterien die Auswahl von Projekten erfolgen soll, wenn es in der zweiten Offshore-Ausschreibungsrunde im April nur Null-Gebote gibt – eine Situation, die im Gesetz nicht vorgesehen ist.

„Wir diskutieren intensiv darüber“, sagt Knickrehm und kündigt für das Ende des ersten Quartals einen Vorschlag an. „Ich persönlich halte aber wenig von weichen Kriterien.“ Diese seien teils schwer nachprüfbar, zum anderen sei etwa ein Aspekt wie „local content“ auch EU-rechtlich problematisch. „Vielleicht kommen wir auf mittlere Sicht zu dem britischen Modell mit „contracts for difference“, meint der Branchenvertreter.

Contracts for Difference als Lösung?

Im Gegensatz zum deutschen Marktprämienmodell gibt es dabei eine Unter- und eine Obergrenze (floor und cap) für die Prämie. Das minimiert einerseits die Risiken für die Investoren, kann andererseits aber auch erzielbare Erträge schmälern, weil alles, was über dem Cap liegt, zurückgezahlt werden muss.

Für das Regierungsziel, bis 2020 eine Offshore-Leistung von 6 500 MW zu installieren, liegt man bereits über Plan. Bis Ende 2017 waren laut Analyse der Deutschen Windguard 1 169 Anlagen mit eine Leistung von 5 387,4 MW installiert, ein Plus von 31 % gegenüber dem Vorjahr. 1 250 MW sind neu hinzugekommen, zudem gab es Leistungsupgrades, sodass der Zubau insgesamt 1 279 MW beträgt – eine Steigerung von 55 % gegenüber 2016.

Zubau liegt über Plan

In der Nordsee summiert sich die installierte Leistung damit auf 4 695 MW, in der Ostsee auf 692,3 MW. Besonders wichtig dabei: Alle Anlagen speisen ihren Strom ein. Nach Zahlen der AG Energiebilanzen konnten die Windenergieanlagen auf See ihre Stromproduktion im vergangenen Jahr um fast 50 % steigern: von 12,3 Mrd. kWh in 2016 auf 18,3 Mrd. kWh in 2017. „Es gibt keine signifikanten Netzanschlussprobleme. Schlagzeilen, es müssten Anlagen mit Diesel betrieben werden, sind falsch“, stellt Knickrehm klar.

Aktuell sind zwei Offshore-Windparks mit einer Leistung von 780 MW im Bau. Für fünf Projekte mit einer Leistung von rund 1 500 MW liegt die finale Investitionsentscheidung vor. „Wir rechnen bis 2020 mit 7 700 MW installierter Leistung, damit wird das Ziel um 18 % übertroffen“, verdeutlicht Anna-Kathrin Wallasch von der Windguard. Bis 2025 erwarte man 10 800 MW.

1 400 MW Konverter-Kapazität bleiben ungenutzt

Für die Offshore-Industrie, die einen Exportanteil von 70 % hat, sei ein kontinuierlicher Ausbau zur Auslastung ihrer Produktionskapazitäten fundamental, betonen die Branchenvertreter. Denn nur so könnten die Technologieführerschaft und Industriearbeitsplätze erhalten werden. Aktuell bietet sie laut den Angaben etwa 20 000 Menschen Beschäftigung. Der jährliche Umsatz liegt bei rund 2 Mrd. Euro.

Daher sollten auch freie Konverterkapazitäten, die sich nach den Ausschreibungsergebnissen in Deutschland im Frühjahr 2018 zeigen werden, zeitnah über eine Sonderausschreibung genutzt werden, betont Knickrehm. Er warnt: „Die Aussage im Sondierungsergebnis, der Ausbau müsse mit dem Netzausbau synchron verlaufen, darf nicht heißen: Wenn die Netze lahm sind, sind wir es auch.“ Zumal die Möglichkeiten zur Netzoptimierung bislang kaum ausgenutzt würden: „In der Politik der Bundesnetzagentur spielen sie nur eine untergeordnete Rolle.“

Im April soll es eine Konferenz zur Zukunft der Offshore-Windenergie geben. Die deutsche Industrie mit dem Weltmarktführer Siemens habe gegenüber der Konkurrenz, vor allem aus China, „einiges zu verteidigen“, so Knickrehm. Auch Albers betont: „Wir brauchen eine deutsche und eine europäische Industriestrategie für die erneuerbaren Energien.“
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Mittwoch, 17.01.2018, 16:47 Uhr

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