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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Wie baue ich einen Offshore-Windpark zurück?
Quelle: Shutterstock
WINDKRAFT OFFSHORE:
Wie baue ich einen Offshore-Windpark zurück?
Noch ist der Rückbau nur ein Thema für Onshore-Windenergieanlagen. Die Hochschule Bremen hat mit anderen für einen Park auf See geforscht. Ergebnis ist ein dickes Handbuch.
 
Bis 2030 oder 2035 dauert es noch, bis die ersten deutschen Offshore-Windparks rückgebaut werden, vermutet Silke Eckardt von der Hochschule Bremen. Wie dies effizient und nachhaltig geschehen kann, hat ein von ihr geleitetes Team im dreieinhalbjährigen Forschungsverbund-Projekt "See Off − Strategie­entwicklung zum effizienten Rückbau von Offshore-Windparks" untersucht. Im November hatte es erste Zwischenergebnisse gegeben, seit diesem April ist "See Off" abgeschlossen, und auf der Windforce Conference in Bremerhaven stellte Silke Eckardt das Design und die wichtigsten Einsichten vor.

Einige Resultate: Branchenvertreter und -vertreterinnen setzen die Arbeitssicherheit für die Beschäftigten der am Rückbau und Recycling beteiligten Unternehmen an erster Stelle, während die Kosten für sie an letzter Stelle standen. Das kam auf einem Workshop mit der Branche im Rahmen von "See Off" heraus. Für die Öffentlichkeit wiederum "spielt Arbeitssicherheit keine Rolle", ergab eine Akzeptanzstudie unter 1.000 Befragten, die die Stiftung Offshore Windenergie finanziert hatte. Für die befragten Bürger und Bürgerinnen stand der für Fauna und Flora möglichst schonende Rückbau im Vordergrund.
 
Silke Eckardt von der Hochschule Bremen hat auf der Windforce 2022 Ergebnisse des Offshore-Rückbau-Forschungsprojekts "See Off" vorgestellt Quelle: E&M / Georg Eble

Überraschend: Gemäß einer in "See Off" entwickelten Bewertungs- und Entscheidungsmatrix stellten sich mit den meisten Bewertungspunkten jene der neun entwickelten Szenarien insgesamt als am nachhaltigsten heraus, bei denen der herangezogene fiktive, aber für die Pionierzeit repräsentative Windpark gar nicht ganz rückgebaut wird.

Dafür gibt es nämlich einige Möglichkeiten:
  • Nach dem Vorbild der Öl- und Gasplattformen könnte man theoretisch den Kolkschutz aus Steinen, der die Tragstrukturen vor Aus- und Unterspülung bewahrt, im Meer belassen,
  • genauso die Innerpark-Verkabelung, wie auch ausgediente Telekommunikations-Seekabel liegen gelassen werden. Diese Szenarien schneiden beim Kriterium Biodiversität und natürlich durch die eingesparten Einsätze von Schiffscrews mit der besten Punktzahl ab.
  • Hinzu kommt ein Szenario, in dem die Monopfähle nicht unter der Meeresoberfläche abgeschnitten werden, sondern 3 m darüber - das spart nicht nur riskante und zeitaufwändige Arbeiten, sondern zusammen mit den anderen Szenarien werden hier die sogenannten benthischen Lebensgemeinschaften, also der Tierbestand in der See und im Untergrund, am meisten geschont: Beim Rückbau unter Aussparung des Kolkschutzes etwa bleiben 45 % dieser Gemeinschaften erhalten. Wobei die Umweltingenieurin Eckardt einräumt, dass die Biodiversität an bestehenden Offshore-Windparks nicht systematisch gemessen wird, die Datenlage also insoweit "am schwierigsten" war. Ihr Team behalf sich mit Daten des Alfred-Wegener-Instituts aus Holland und Belgien.
Die Forschenden ermittelten an einem virtuellen Windpark mit 80 für die Pionierzeit üblichen Siemens-3,6-MW-Turbinen, der in 20 bis 30 m Tiefe 110 Seemeilen von einem Hafen entfernt ist, die ökonomischen und ökologischen Kosten sämtlicher Rückbau- und Recyclingprozesse, samt Schiffsbewegungen. In der Branche werden diese Windenergieanlagen landläufig "Dan-Tysk-Turbinen" genannt, und in der Tat ähnelt der synthetische Windpark dem reellen Vorbild vor Sylt. "Wir haben uns an den ersten größeren Windparks überhaupt orientiert", erläuterte Slike Eckardt. Die Innerparkverkabelung stand unter 33 kV, das 20 km lange Exportkabel unter 155 kV, und es gab natürlich eine Umspannplattform (Offshore Substation, OSS).

Herausgekommen ist ein mehr als 300-seitiges Handbuch mit einem Lastenheft, der Beschreibung von Szenarien, Rückbautechnologien und -prozessen, das seit 21. Juni gratis auf Deutsch und auf Englisch auf der Website der Hochschule Bremen   zur Verfügung steht.

Zu den Bewertungskriterien zählten die Kosten in Euro/MW, der Ausstoß von CO2-Äquivalenten vor allem durch die spezialisierten Schiffe bis hin zur Unterscheidung von Bereitschaft und Betrieb, die Recyclingquote sowie die Arbeitssicherheit.

An "See Off" waren unter anderem beteiligt:
  • die Hochschule Bremen als Verbundleitung,
  • die Stiftung Offshore,
  • der Dienstleister Deutsche Windtechnik,
  • die Windparkbetreiber EnBW und Vattenfall,
  • die norddeutschen Entsorger Nehlsen und Enova,
  • der Übertragungsnetzbetreiber Tennet,
  • die Deutsche Energie-Agentur (Dena),
  • die Unternehmensberatung PWC,
  • der Entsorgerverband BDE und
  • Bremenports.
 

Georg Eble
Redakteur
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Mittwoch, 22.06.2022, 17:26 Uhr

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