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Enerige & Management > Effizienz - Widerstand gegen "kontraproduktive" Förderreform für Gebäude
Quelle: Fotolia / Dario Sabljak
EFFIZIENZ:
Widerstand gegen "kontraproduktive" Förderreform für Gebäude
Am 15. August tritt die zweite Stufe der Reform in der Sanierungsförderung für Gebäude in Kraft. Sie sieht auch Kürzungen vor. Die Wohnungswirtschaft verlangt Nachbesserungen.
 
Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) hatte am 26. Juli die Reform der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) veröffentlicht. Die erste Stufe trat bereits am 28. Juli in Kraft. Damit gibt es keine direkten Zuschüsse mehr, sondern nur zinsverbilligte Kredite sowie einen Tilgungszuschuss. Die zweite Reformstufe folgt nun zum 15. August.

Die Immobilienbranche kritisiert diese Kurzfristigkeit: „Wer Häuser plant und baut, kann nicht von einem Tag auf den anderen alle Planungen über den Haufen werfen“, sagte Dirk Salewski, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW).

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, beklagte die zusätzliche Verunsicherung für Bauherren. „Ziel der Regierung ist es eigentlich, neben dem bezahlbaren Wohnungsbau auch die umweltschonende Sanierung des Gebäudebestands voranzubringen, um die ambitionierten Klimaziele erreichen zu können“, sagte er. Das Vorgehen bei der Förderpolitik sei angesichts dieses richtigen Ziels allerdings „komplett kontraproduktiv“. Insbesondere wiederholte Förder-Kehrtwenden quasi über Nacht hätten bei den sozial orientierten Wohnungsunternehmen zu Vertrauensverlust und Planungsunsicherheit geführt, rügte Gedaschko.

Einzelheiten der Reform

Die zweite Stufe der Förderreform kürzt unter anderem die Summen für eine
Wärmepumpe oder Einzelmaßnahmen am Gebäude wie den Fenstertausch. Das begründete Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) damit, dass das verfügbare Geld so für mehr Antragstellende reichen würde. Hintergrund ist, dass der Bund 2023 wieder die Schuldenbremse einhalten will. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) monierte, dass Tausende Sanierungsprojekte wegen der geänderten Finanzierung nach langer Planung verworfen oder unter enormem Mehraufwand reorganisiert werden müssen. Das führe zu weiteren Verzögerungen bei der Umsetzung oder gar dem Abbruch der eigentlich nötigen Maßnahmen.

Steigende Energiepreise machten Investitionen in höhere Effizienz grundsätzlich schneller rentabel, argumentierte das BMWK. Die Fördersätze für Einzelmaßnahmen sinken um 5 bis 10 %. Zugleich hatte Habeck eine Wärmepumpen-Offensive angekündigt. Ab 2024 sollen mindestens 500.000 neue Wärmepumpen pro Jahr installiert werden - auch um unabhängiger von russischem Gas zu werden.

2021 wurden nur rund 150.000 Wärmepumpen in Deutschland eingebaut. Allerdings lohnen diese Heizungen nur in Gebäuden mit geringem Wärmebedarf, der Niedertemperaturheizungen ermöglicht.

Zur Reform gehört auch, dass Gas- und Gas-Hybrid-Heizungen vollständig aus der Förderung fallen. Dies sei ein konsequenter Schritt, sagte Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP). Auch er hat Zweifel, ob die Anpassungen der Förderung die nötige Sanierungswelle vorantreiben und dadurch ein wirkliches Signal zur nationalen Klimaneutralität bis 2045 und zu mehr Energiesouveränität senden.

Mehr Geld ist immer noch zu wenig

Eine Sprecherin des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) sagte, aufgrund der gekürzten Fördersätze drohe die Gefahr, das viele Aufträge storniert würden und weniger saniert werde. Der VZBV fürchtet, dass durch die starken Kürzungen der KfW-Fördersätze für Komplettsanierungen die Investitionszurückhaltung verschärft wird.

Zwar sei das Fördervolumen erhöht worden auf 13 bis 14 Mrd. Euro jährlich. Jedoch müssten die Fördermittel auf 25 Mrd. Euro erhöht werden, um den Energieverbrauch zu senken und den Klimaschutz umzusetzen. Ältere Hauseigentümer und -eigentümerinnen bekämen gar keine Kredite mehr und würden daher von der Förderung ausgeschlossen, kritisierte Thomas Engelke, Leiter des Teams Energie und Bauen im VZBV.

Auch viele Energieberater seien verzweifelt und wütend, berichtete Benjamin Weismann, Geschäftsführer des GIH-Bundesverbands. Viele müssten nun ihre Planungen über den Haufen werfen. „Die zukünftigen Fördermittel sind leider nun so unattraktiv, dass viele ihre erforderlichen Sanierungsmaßnahmen nicht mehr angehen werden", sagte Weismann. Maßnahmen an der Gebäudehülle würden deutlich schlechter gefördert als Einzelmaßnahmen in der Gebäudetechnik. So könne die angestrebte Sanierungsquote von 2 bis 3 % der Gebäude jährlich nicht erreicht werden, beklagte der Energieberater.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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