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Enerige & Management > Gastbeitrag - Wichtig für die Netzstabilität und immer wichtiger im Stromhandel
Quelle: E&M
GASTBEITRAG:
Wichtig für die Netzstabilität und immer wichtiger im Stromhandel
Waren Batterien bisher nur für den Regelenergiemarkt relevant, werden sie nun für den Stromhandel interessant, so *Thorsten Möller und *Lutz Schierholz von Vattenfall Energy Trading.
 
Die Stabilität unseres Stromsystems und damit die Sicherheit unserer Energieversorgung hängen grundsätzlich davon ab, wie gut Erzeugung und Verbrauch zu jedem Zeitpunkt im Gleichgewicht sind. Auch Energieunternehmen und deren Handelsabteilungen stellen das Gleichgewicht als Bilanzkreisverantwortliche über den Großhandel sicher.

Gradmesser für die wachsende Herausforderung sind die Preisausschläge am Großhandelsmarkt für kurzfristige Produkte, wo Strom in Stunden- und Viertelstunden-Produkten gehandelt wird. Aufgrund der fluktuierenden Erzeugung der Erneuerbaren sehen wir dort schon heute enorme Preisausschläge, weil in bestimmten Stunden zu viel oder eben zu wenig Strom vorhanden ist.
 
EPEX Spot Preis in EUR/MWh versus Einspeisung "Erneuerbarer" in MW
(zum Vergrößern auf die Grafik klicken)
Quelle: Entso-E / Epex Spot

Die neue Rolle der Batterien

Batterien können sehr schnell auf die fluktuierende Erzeugung und die damit einhergehenden Preisschwankungen regieren. Zu den führenden Technologien gehören derzeit Lithium-Ionen-Batterien, aber es gibt viele unterschiedliche elektrochemische Batteriekonzepte, zum Beispiel Flow Batterien. Neben der Technologie ist entscheidend, zu welchem Preis beziehungsweise zu welchen gewichteten Kosten des Speicherns oder Levelized Cost of Storage (LCOS) Batterien eingesetzt werden können, denn die Kosten definieren ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Speichertechnologien wie mechanischen, chemischen oder thermischen Speichern. Die LCOS sind seit 2018 um knapp 30 Prozent gefallen. Somit sind Batterien im Bereich Regelenergie – aber zunehmend auch im Bereich des Kurzfristhandels – wettbewerbsfähig.

Zusätzlich zur größeren Wirtschaftlichkeit entwickelt sich der Batteriemarkt auch in Sachen Kapazität rasant weiter: Hatten Batterien früher fünf Megawatt Leistung, so sind heute 50-100 Megawatt nicht mehr ungewöhnlich. Und auch das Verhältnis von Batterieleistung zu Speichervolumen, die sogenannte C-Rate, fällt. Konnten Batterien zuvor etwa eine Stunde ein- oder ausspeichern, so sind heute durchaus vier Stunden möglich und auch wirtschaftlich. Dadurch können sie neben dem Regelenergiemarkt auch im kurzfristigen Großhandelsmarkt für das sogenannte Energy Shifting, also das Ausnutzen von Preisdifferenzen verschiedener Stunden- bzw. Viertelstundenprodukte, immer besser eingesetzt werden.

Herausforderungen für Handelshäuser

Um die Batterie wirtschaftlich zu optimieren, müssen wir laufend entscheiden, ob wir die Batterie am Regelenergiemarkt platzieren oder im kontinuierlichen Viertelstundenhandel für das Energy Shifting nutzen. Da seit Mai 2022 für einige Produkte die Zeitperiode von vier Stunden auf eine Viertelstunde verkürzt wurde, muss die Entscheidung zwischen Regelenergiemarkt und Großhandelsmarkt noch häufiger als zuvor getroffen werden. Viele Handelshäuser, so auch wir von Vattenfall Energy Trading, setzen zu diesen Zwecken erfolgreich Algorithmen ein, um flexible Anlagen optimal einzusetzen.

Der Stabilitäts-Mix der Zukunft

Für die Zukunft erwarten wir in Deutschland eine zunehmende Volatilität, also Schwankungsintensität von Preisen am Großhandelsmarkt, und damit einhergehend eine steigende Attraktivität für Speicher im Allgemeinen und speziell auch für Batterien. Sie tragen ihren Teil dazu bei, Flexibilität bereitzustellen. Besonders seit Herbst letzten Jahres ist nicht nur das Preisniveau gestiegen, sondern vor allem auch die Volatilität, erkennbar an den zunehmenden Preisspannen, den Spreads. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und einer knappen Gasversorgung kann die Verfügbarkeit von gasbefeuerten Spitzenlastkraftwerken möglicherweise nicht garantiert werden, sodass Speicher grundsätzlich immer wichtiger und auch wertvoller werden.

Doch Batterien werden nicht die alleinige Antwort sein, denn um mit 80 Prozent erneuerbaren Energien im Energiemix umgehen zu können, wird ein komplettes Spektrum an Speichern entlang einer Speicherdauer von wenigen Stunden bis hin zu vielen Wochen und Monaten, den saisonalen Speichern oder Long Duration Energy Storages (LDES), benötigt. Idealerweise gibt es weitere, flexibel einsetzbare Anlagen, die auf die Signale im Markt reagieren können. Dennoch können Batterien ihren Anteil für die Netzstabilität und den Handel leisten, wenn es um das kurzfristige Speichern von Energie geht.

*Thorsten Möller und Lutz Schierholz, Vattenfall Energy Trading GmbH
 

Redaktion
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Mittwoch, 06.07.2022, 13:13 Uhr

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