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Enerige & Management > Beteiligung - Werthaltig wachsen ab 2019
Bild: Fotolia.com, bluedesign
BETEILIGUNG:
Werthaltig wachsen ab 2019
Das durch eine Führungskrise gebeutelte RWE-Tochterunternehmen Innogy will das Wachstum vor allem mit dem Ausbau eigener regenerativer Kraftwerke forcieren.
 
Hans Bünting steht beim traditionellen Pressefrühstück zum Jahresauftakt vor einem Spagat. Der für erneuerbare Energien zuständige Vorstand bei Innogy will, nein, er muss Zuversicht verbreiten. Denn seit der Aufsichtsrat kurz vor Weihnachten den damaligen Vorstandschef Peter Terium gekickt hat, steht bei der RWE-Ökostromtochter (Konzernanteil derzeit knapp 76,8 %) alles auf dem Prüfstand. Jede Zahl, jede Investition, jede Äußerung. Und nicht zuletzt geht es auch um die Performance des Unternehmens, wie es so schön auf Neudeutsch heißt.
Um die angekündigten Einsparungen zu erreichen, will Bünting sich die Verwaltungsausgaben anschauen, Personal will er − so sein Petitum − nicht abbauen. An der grundsätzlichen Ausrichtung von Innogy, betont Bünting, hätte sich nach der Entlassung von Terium nichts geändert: „Die Strategie wurde vom gesamten Vorstand entworfen und war vom Aufsichtsrat bestätigt worden.“
Dass an dieser veritablen Führungskrise jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, ist dem langjährigen Energiemanager durchaus bewusst. „Unsere Sparte wird nicht nur bei den Erzeugungskapazitäten, sondern auch beim Ergebnisbeitrag wachsen“, verspricht Bünting vor der Journalistenrunde. Bislang ist „sein“ Geschäft bei Innogy, gemessen am Ergebnis, das kleinste neben dem dominierenden Netzgeschäft und dem Strom- und Gasvertrieb. Auch mit derzeit etwa 1 650 Mitarbeitern ist der Ökoenergienbereich im Vergleich zu Gesamtblegeschaft mit etwa 42 000 Köpfen mit Abstand kleinste.

3,5 Mrd. Euro als mögliches Investitionsbudget bis 2020

Was die Finanzzahlen betrifft, gilt das aber erst ab 2019. Für das zurückliegende Jahr, deutet Bünting an, haben die erneuerbaren Energien bei Innogy den prognostizierten Ergebnisanteil vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 350 Mio. Euro geschafft. Als stabiles Ergebnis ist diese Summe auch für dieses Jahr vorgesehen − Wachstum sieht eigentlich anders aus. Aber: „Unser Beitrag wird im Vergleich zu den anderen Unternehmenssparten Netze und Vertrieb deutlicher wachsen.“
Dass Bünting einen insgesamt durchaus positiven Ausblick gibt, hängt mit dem von den Innogy-Gremien abgesegneten potenziellen Investitionsbudget von rund 10 Mrd. Euro für die kommenden drei Jahre zusammen. Etwa die Hälfte davon entfällt auf Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen sowie Netzkosten, Bünting nennt das „Day-to-Day-Investitionen“. Von der verbleibenden Hälfte sollen − „abhängig vom Finanzierungsvorbehalt und von der Erfüllung der internen Renditevorgaben“ − etwa 3,5 Mrd. Euro auf die erneuerbaren Energien entfallen, im Schnitt also 1,1 bis 1,2 Mrd. Euro.
Was sich auf den ersten Blick nach einer Menge Geld anhört. Innogy kehrt damit aber zu dem Investitionsniveau aus den Gründungstagen 2008 und 2009 zurück, als der frühere Windmanager Fritz Vahrenholt den RWE-Konzern auf grünen Kurs bringen sollte. Allerdings musste selbst Vahrenholt, dem immer ein höherer Ausgabentopf vorschwebte, bis zu seinem Ausstieg mit ansehen, wie das Füllhorn mehr und mehr versiegte. Zuletzt als Teil des RWE-Konzerns konnte Innogy im Jahr 2016 lediglich 240 Mio. Euro in die Ökoenergien investieren − das zum Stellenwert des Grünstromgeschäfts im Bürotower am Essener Hauptbahnhof. „Als nun selbstständig agierendes Unternehmen können wir unsere Budgets wieder selbst festlegen“, betont Bünting.

Photovoltaik als neuer Hoffnungsträger

Von den 3,5 Mrd. Euro sind erst einmal 2,2 Mrd. Euro für den Offshore-Windpark Triton Knoll vor der Ostküste Englands vorgesehen. Da Innogy sich für das 860-MW-Vorhaben, das nach den bisherigen Planungen im Jahr 2021 in Betrieb gehen soll, Co-Partner suchen wird, fließt auf jeden Fall eine größere Summe in den Investitionstopf zurück. Für Mitte nächsten Jahres hat Innogy die finale Investitionsentscheidung für Triton Knoll angekündigt. Unabhängig davon hat sich Innogy bereits auf erste Lieferanten für die Großkomponenten festgelegt. So soll beispielsweise MHI Vestas bis zu 90 Windturbinen des Anlagentyps V164 liefern, der für das Projekt Triton Knoll eine Generatorleistung von 9,5 MW haben wird – das wird zum Start die weltweit leistungsstärkste Offshore-Windturbine sein.
 
Hans Bünting: „Unser Beitrag wird im Vergleich zu den anderen Unternehmenssparten Netze und Vertrieb deutlicher wachsen“
Bild: Innogy

Nicht nur auf See will Innogy neue Akzente setzen, sondern auch bei der Windkraft an Land. Kurz vor Weihnachten hatte Innogy schon mit einem Deal in den USA überrascht. Dort will das Unternehmen eine Projektpipeline für Onshore-Windanlagen von Ever Power mit mehr als 2 000 MW übernehmen. Die Planungen für mehrere dieser Windparks sollen bereits so fortgeschritten sein, dass mehr als 500 MW bis Ende 2020 in Betrieb gehen können. Als neuesten Deal konnte Innogy eine Kooperationsvereinbarung mit dem Windkraftentwickler Primus Energie aus Regensburg unter Dach und Fach bringen, der allein in Thüringen über eine Projektpipeline von gut 400 MW an neuen Windparks verfügt. „Primus Energie zeigt, dass wir durchaus auch zu Investitionen in Deutschland gewillt sind, wenn die Rahmenbedingungen bei den Ausschreibungen stimmen“, so Bünting. Wie eine Reihe anderer Energieversorger plädiert auch Innogy dafür, dass die Privilegien der sogenannten Bürgerenergiegesellschaften bei den Bieterrunden gänzlich gestrichen werden.
Unabhängig von der nächsten Regierungskoalition an der Spree war an Büntings Präsentation auffällig, dass Innogy sein Engagement im Ausland verstärkt. Bei der Suche nach „werthaltigen Investitionen“ erhöht Innogy zudem sein Engagement im Solarsektor. Neben den Niederlanden und Polen engagiert sich das Unternehmen vor allem in Kanada, wo es nach eigenen Angaben bereits über eine Projektpipelinie für große Freiflächenanlagen mit einem Volumen von rund 1 000 MW verfügt.
An Kanada als Solarstandort muss sich mancher Europäer erst noch gewöhnen. „Die Einstrahlungswerte liegen in einigen Regionen um die Hälfte höher als in unseren Breitengraden“, leistet Bünting Aufklärungsarbeit. Auch dank der Übernahme des Dienstleisters Belectric ist der Konzern seit 2001 bei der Entwicklung und dem Bau von Freiflächenanlagen tätig, im vergangenen Jahr wird die Photovoltaik einen ganz anderen Stellenwert im Unternehmen erhalten. As time goes by: Gerade einmal sechs Jahre liegen zurück, dass der damalige RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann davon sprach, dass die Förderung von Solarenergie so sinnvoll wie Ananas züchten in Alaska ist.“ Heute zählte die Photovoltaik zu den Hoffnungsträgern von Innogy, die außerdem die Aktivitäten bei der E-Mobiliät, sowie der Speicher- und Breitbandtechnologie verstärken will – wenn es die Finanzen zu lassen.

Wahrscheinlich hat Bünting auf noch keinem Pressegespräch die Vokabeln „Finanzierungsvorbehalt“ und „Verschuldungsgrad“ so häufig benutzt wie bei diesem Pressefrühstück. Auch diese Abhängigkeiten dürften ihn davon abhalten, seinen Hut bei der Nachfolge von Terium in den Ring zu werfen: „Ich bin mit dem, was ich mache, wirklich glücklich, glauben Sie mir.“

Hintergrund
Nach eigenen Angaben betreibt Inngoy aktuell Ökokraftwerke mit einer Leistung von gut 3 800 MW, wovon gut 3 000 MW auf die Windenergie an Land und auf See entfallen. Vor den Vereinbarungen mit EverPower und Primus Energie umfasste die Projektpipeline gut 5 000 MW, wovon mindestens 2 000 MW auf geplante Offshore-Windparks entfallen. In diesem Jahr will Innogy weitere Erzeugungskapazitäten mit rund 500 MW Volumen in Betrieb nehmen.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Montag, 15.01.2018, 17:21 Uhr

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